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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
Seite
83
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33. Johann (Hans).

(Usedom'scher Zweig.)

1389 1436.

(Sohn von No. 21.)

Zuerst begegnen wir ihm als Knappen; 1411 wird er zum ersten Male Ritter genannt und heisst zu-gleich Rath des Herzogs Wartislav VIII. Anfangs wohnteer inLutebuk auf Usedom, später, wie wir sehenwerden, verliess er die Insel gänzlich. Er war einer der fehdelustigsten Edelleute seiner Zeit; insbesondereheftig war sein Streit mit dem Kloster Pudagla.

Von den 23 Urkunden, 1 ) die wir über ihn besitzen, betreffen nicht weniger als 17 jene Zwistigkeitenund den damit im Zusammenhang stehenden Uebergang sämmtlicher Güter Johanns auf Usedom an das ge-nannte Kloster.

Um zunächst der sechs übrigen, ausschliesslich auf friedliche Vorgänge bezüglichen Documente zu ge-denken, so war Hans im Jahr 1389 Treuhänder eines Borchard von Rethem. 2 ' Im selben Jahr erfüllte erein Vermächtniss seines Vaters, welcher an der völligen Ausführung desselben durch den Tod verhindertworden war. Dasselbe bestand in der Stiftung einer Vicarie, zu der Hans 25 Mark jährlicher Einkünfte aus seinemDorfe Dar gen anwies, und über welche der Stifter sich und seinen Erben das Patronats-Recht vorbehielt. 3 )Unter dem 9. October 1390 erhielt diese Schenkung urkundliche 4 ) Bestätigung durch den Propst von Cam-min als bischöflichen Vicar. Hans stand damals noch unter der, von seinem Vater für ihn eingesetzten,Vormundschaft. 5 ) Aus einer Verkaufs-Urkunde 6 ) des Ritters Roloff von Neuenkirchen vom 12. März 1418,in welcher Hans ausdrücklich Lehnlierr der Vicarie in der Capelle des heiligen Leichnams binnen Anklamheisst, dürfen wir folgern, dass diese Capelle diejenige ist, welcher jene Schenkung vom Jahre 1389 zuge-wendet worden war. 1396 war Hans einer der zahlreichen Bürgen der Herzöge Barnim VI und Wartislav VIIIvon Pommern für deren übernommene Zahlungsverbindlichkeiten gegen den König Albrecht von Schwedenund dessen Sohn Erich,') und 1411 diente er dem eben gedachten Herzog Wartislav als Zeuge. 8 )

Die oben schon erwähnten Misshelligkeiten und offenen Fehden zwischen Hans von Schwerin und demKloster Pudagla begannen, soweit wir wissen, in oder kurz vor dem Jahre 1400; doch lag ihnen ursprünglich nichtdie Verfechtung eigener Interessen Seitens Johann's zu Grunde; vielmehr mochte ihn theils die Abneigung, welcheim Allgemeinen die dem Kloster nahe wohnenden Edelleute gegen den auf seine Rechte vorzugsweise eifer-süchtigen Abt Heinrich liegten, 9 ) theils Thatendurst und vorzugsweise seine Freundschaft zu dem RitterRolof von Neuenkirchen bestimmt haben, mit diesem an dem Streite Theil -zu nehmen, der damals um desBauern Hans Kunst willen gegen den Abt sich erhob. Hans Kunst nämlich, der zu den Leuten des Knap-pen Reimar von Neuenkirchen (Rolof's Vater) gehörte, hatte, wie es scheint, ein Klostergehöft in Brandgesteckt und war deshalb nach dem Spruche des Abtes durch das Rad hingerichtet worden. Hierüber er-hoben sich nicht nur die Brüder und Verwandten des Verurtheilten, sondern auch der Herr desselben, Reimarvon Neuenkirchen und dessen Sohn Rolof, und mit diesen eine grosse Zahl der ihnen befreundeten Ritterund Knappen: ausser Hans von Schwerin die Lepel im Gnitz, zu Lassan, Pinnow, Zekeritz, Krineke undMüggenburg, Wilkin Horn, Martin Stedingk und Fritz von Ilefelt, und suchten dem Kloster allen erdenk-lichen Schaden zuzufügen, bis zunächst am 1. Juni 1400 10 ) ein vorläufiger Vergleich durch die Partheienselbst und am 18. Juli desselben Jahres 11 ) ein Schiedsrichterspruch herbeigeführt wurde, kraft dessen nachvorgeschriebener Form demnächst zu Wolgast die Sühne ihren vollständigen Abschluss erhalten sollte.Ueber die Theilnahme des Hans von Schwerin an den dem Abte zugefügten Kränkungen steht speciell fest,dass er mit Rolof von Neuenkirchen in den Holzungen des Klosters Schaden gethan. Der Ersatz diesesSchadens sollte nach dem Spruche der Schiedsrichter ihre Busse sein.

Doch diese Aussöhnung Johann's mit dem Kloster Pudagla war nur von kurzem Bestände. Schon1403 heisst er mit Anderen Genosse des Gerhard Hase, welcher sich an dem Prior des Klosters, NicolausBraxator, vergriffen und ihn schwer verwundet hatte. 12 ) Eine Sühne zwischen Gerhard Hase und dem Priorkam zu Stande, eine Busse für den Ersteren ward festgesetzt und seine drei Genossen verbürgten sich fürdie vollständige Erfüllung des zwischen den Partheien errichteten Vergleichs. Aber Johann (Hans) und

1) U. B. II. 214, 217, 219, 226, 235, 236, 239, 245, 248, 251, 257, 258, 259, 263, 265, 266, 267, 268, 269, 271, 273,

295, 299. 2) U. B. II. 214. 3) U. B. II. 217. 4) U. B. II. 219. 5) Vgl. No. 21. 6) U. B. II. 273. 7) U. B. II. 226.

8) U. B. II. 251. 9) Vgl. Zietlow, das Prämonstratenser Kloster auf der Insel Usedom S. 209. 10) U. B. II. 235. 11) U. B.

II. 236. Vgl. auch Zietlow, a. a. 0. S. 209214. 12) U. B. II. 239.