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Th. 1 (1716)
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865
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Sechstes Buch/ Blumen - Garten.

865

Kräuter oder Blumen in einem Glas vorzustel-len: «-.ktmels oder Ertz von Wißmuth neun Pfund/ehe es ins Feuer kommen/ zerfchlags in kleine Stück-lein / begiß es an der i!ufft mit Mayenthau / so offt estrocken wird / bis es einem Vitriol gleich sihet/ thu e--hernachin eine gehörige kcro.^m. leg eine grosse undweite Vorlag dafür/ treib es über/ nach der Kunst ingebührender Ordnung des Feuers / zwölssStundenlang/ so wird ein Wasser herüber gehen / welches aarweiß un süßlecht ist/ dieses soll man zwey-oder dreymalre ^titiciren und reinigen/fo wirds nochsüster; wannman einen Theil dieses Wassers in einGlas geußt/undaus einem gewlstenKraut oder Blumen/waserley manwill / das cjckiüirle Waj^er/ wie auch drey Untzen vondem Saltz desselbigenKrauts oder Blumen darzuthut/hernach aber dasGlas mit dem erstenWasser bis obenanfüllet/ so wird man mit grosser Verwunderung se-hen / daß / in zweyen oder dreyen Tagen/ mitten imWasser/em Kraut wä chst/ wie das jcnige/dessen Was-ser und Saltz man gebrauchthat/ welches Pflantzlein/wann das Glas bewegt wird / verschwindet/ wannes aber wieder stehen bleibet/ sich wiederum sehenlässet.

Ki^ckerus schreibet Illi. I?. Ü5uilji subterr. Wannman Aschen von Krautern (wie mit Wermuth - Saltzofft bewährt worden) inJungfrau-Erden/darinn nem,lich noch nichts gewachsen/ die man aus liessen Grubenoder Bergwercken in die auswendige Lusst bringet/undden Aschen darein säet/ so werde in kurherZeit dassel-bige Kraut wieder davon wachsen.

Mir ist / vom Herm Georg Augustin von Stuben-

berg/ eine andere Kunst / Blumen in einem Glas vor-zustellen/gegeben worden/ die (wann sie die Probe hal-ten) viel leichter und geschwinder zugienge/als das ersteHerm Hansdörffers und Xircticrs. Will es abermittheilen/wie ichs empfangen habe: Nimm Mayen-Thau/ nach dem neuen Calender/ sprincipiobiß zum Ende/ausgenommen die Nachte / wann esregnet/ oder den Morgen / wann es trüb und neblichtist. Wann nun der Himmel schön klar ist/ so sammlevom Thau allezeit zwey Gläser voll/Doch nurvon dem/so aufdenWäitzen/ oder aufs Getreyd fallet: diesenThau muß man in eine gläserne Flaschen thun / mit ei-ner Blattern wol verbinden / und alle Morgen mußman das frisch - gesammlete Thauwasser darem schüt-ten/ und allemal wieder wol vermachen; endlich mußman diesen gesammleten Thauallzusammenm Laincokisrlz in einem gläsernen ^Icmbicsolangciiliiiiiren/bis nichts mehr herüber gehet / auf solche Weise nunmuß derThau bereitet werden. Hernach soll man aller-ley Saamen/ von den schönesten Blumen / bey derHand haben / sonderlich von den hochgefarbten / unddiesen muß man in das Miiiirte Thauwasser thun,doch nicht über acht oderzehen Gran/ und wol verbin-den/ daß nichts verrauche / und es also sechs Wochenoder zwey Monat darinnen lassen / hernach kan mandie gläserne Flaschen auf warmen Sand sehen/so wirdman die Blumen vollkommentlich erscheinen sehen /wann das Wasser anfanget zu erkalten/ werden dieFarben der Blumen zugleich mit verschwinden/ wannmans aber wieder warm machet / so wird die Blumenwieder wie vorhin erscheinen.

cxviii.

Die Blumen vor der Zeit zeitig zu machen.

Jewoldis gewiß ist/ daß (wie r-rrarius sagt)'wann man der Frucht Geburt befötdern will /. man dardurch der Mutter Tod verursachet;So ist es doch/wann man derer Gewächse einen Über-fluß hat/seltzam und wunderlich/ daß man zur Unzeit imWinter mit den Blumen prangen kan/und achtet denVerlust einer oder der andern Wurtzen oder Kiel nichtso hoch/ als die Ehre/ vor allen andern/auch mitten imWinter den Frühling einzuführen. Wer verlangetsehrfrühe Rosen (oder auch andere Biumen/ indem wasvon einem gejagt wird/ von vielen andern gleichmässigzu verstehen) zu haben/ der muß zu Ende des Octobersden Stock in einen wdenen Topf voll guter Erden/ diedurch einSieb gereutert/und wol mitguter Dung ver-menget ist/ einfetzen/dcsTageszweymalmit laulichtemWasser begiessen / und zur Zeit windigen oder unge-stümmenRegenwetters untersDach setzen/und nie desNachts unter freyem Himmel oder an der Lusst lassen /bis die Kalte vergangen / und ein wärmers Wetterwieder kommen/ mag mans von neuen aussetzen.

Anfangs / wann sie beginnen neue Schoß zu ma-chen/ muß mans mir warmern Wasser begiessen/ al-so wird die Rosen / die sonst des Frühlings jüngsteund letzte Tochter ist / dergestalt die älteste und erstewerden

Frühzeitige Rosen zu haben : Jm October muß

man das Erdreich mit ungelöschten Kalch undMist ver-mischen/ in ein mden Geschin halten/und mit warmenWasser besprützen/wann die Kälte beginnet/ muß mandiesen Scherben mit dem Rosenstock nicht unter demfreyen Himmel stehen lassen/ sondern in den Keller ein-setzen/ bis der Frühiings-Lufft wiederkommt; fängtdenn der Knopffan zu wachsen/ so sprengt man laulich-tes Wasser drauf/ und befeuchtet das Erdreich wenigund offt; fast aufgleiche Weife kan man auch die Cucu-mern früher hervor bringen/ sonderlich wann sie in ei-nes gesunden Menschens Blut eingeweicht worden.Her: Harsdörffer in Dciniiz ^lattK.Kc

szgrt. 10. qusk, zs.

Die Lilien kan man/ biß aufden Herbstund Win-ter/ auf solche Weise erhalten: Nimm die Stengel mitsamt ihren Blumen/ ehe sie noch aufgeschlossen sind /thue sie in ein inden Geschin/oder in ein höltzern Cäps-lein/ das inwendig verpicht worden/vermach es eigent-lich und gchäbe / daß keine Lusst darzu mag / vergrabes in die Erden / nimms heraus/ wann du wilt/ imHerbst oder Winter/ setz die Stengel mit den Blumenin ein laulecht Waffer/ so gehen die Blumen auf.

Will man Garten - Gewächse vor der Zeit haben ?so muß man erstlich der natürlichen Wärme / so wolder Erden als des Saamens / helffcn; 2. daß manfrühzeitige Zweige in frühzeitige Stämme einpcltze;

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