Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
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832
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Des Adelichen Land-und Feld-Lebens

i^xxxm.

«

donvatlium,

liium c^on vailium, ist ein kleines Blümlein / dasfast mehr Geruch als Grösse hat/ und nunmehr m-^allen Garten wol bekant ist/sonderlich die weissen/die in allen schattichten/ Grasreichen/ feuchten Wäl-dern zu finden/ bevorab in den Thälern/ die Teutschenheissen es Mayblümlein/ weil in diesem Monat sich ihreBlühe zeiget/ daraus erstlich grüne/ und wann sie zeiti-gen/Corallen-rothe Beerlein erwachsen / voll hartenSaamens / sie werden aus ihrem Ort gar leicht ver-ruckt/je dicker sie zujamm wachsen/ je mehr sie blühen /man kan wol die Erden obenher säuberlich wegfassen /und frischen Grund darüberschütten.

Die Wurtzen/welche mit vielen Keimen undKnöpf-fen ineinander gewunden sind/mmmt man nicht aus/sondem schneidet allein diese/dieAugen haben/mit einemMesser heraus / zum Einsetzen müssen sie drey Fingertieff eingelegt seyn/lieben fetten und schattichtenGrund/und erstlich muß man sie degiessen; die weisien und ro-then Mayenblümlein können an ihrenWurtzen erkenntund unterschieden werden ; welche ihre Frucht mit derFärb etwas nachzuahmen pflegen/ dann man findetauch eine Art die leibfarbe Blumen tragt.

DieWurtzen hat emen guten gewürtzten Geruch;gepulvert und in die Nafen gezogen/ macht es messen/und zertheilt die Schnuppen, kiolibuzkizvazimpis-tur, beaeobturatum,8e per menscm in accrvum tor- smicarum rcconclilus» liquor inclccolleÄuz,instar olei

unser Erden und Lusst also gewohnet ist/ daß es überWinter im Feld leichtlich ausdauret/ist zweyerleyGat-tung/ eines hat Purpurblaue/ das andere schöne weisseBlumen / nur mit drey glatten schimmerendenBlät-tern/ in deren Mitten kleine subtile Fäserlein mit einemgelben Pünctlein/als Goldtröpflein gezieret sind; hateinen breiten oben spitzigen undRohrmastigen doch lin-dern Saher; setzt sehr zu / und blühet den gantzenSommer durch.

Wann sie in einem Bettlein dick stehen und anfan-gen zu bluhen/fo kan man das jenige Theil/so gegenderSonnen steht/ bis auf den Boden abschneiden/daß nnrdas andere halbe Theil ihre Blühe herreichet/ entzwi-schen treibt das im Vollmonden abgeschnittene Theilwiederdermassen an / daß es im gerbst abermalseineBlumen gibt/und man dieser schönen und holdseligenBlühe desto langer gemessen kan.

Hat gern feuchten Boden und guten Grund / undwird am bequemsten im Mertzen/durchZerlheilung derWurtzen und Zerreissung des Stocks fortgepflantzt/wo ihm der Grund anständig ist/ pflegt es durch Zu-sätze sich sehr zu vermehren.

?csonicn, die einfachen/ die allein Saamen tragen/gehören in den Artzney-die dicken aber in den Blumen-Garten/ sind von etlichen Gattungen/ als roth/leib-farb/ einfach und gedoppelt / die rothen sind diegemei-nesten/ deren Blatter bald abfallen/theils von den leib-

sccianciis pocjzZrT cloloribus Lc limiiibu« sff^<Aibu» j färben aber verkehren ihre Farbe/wie gesagt/endlich in

exrcrni8Zcjkibilu8 s-crutilis.

Der Holländische Gärtner gedenckt noch einer Art/die Pfersichblüh-farbe bunte Blumen trägt/öedörffenkeiner Dung/ sind einer warmen Natur/ machen subtilund dünn/ verdauen und befördern.

Das daraus mit Wein eingebeisste und distillirteWasser / ist eine fürtreffltche und edle Hertzstärckung /dienet auch dem Hirn und allen Gliedern/darinn dieLe-bens-Geister ihren Aufenthalt haben/wiederbringt dieverlohrneSprach/ist gut für dasHertzzittem/Schwin-del/ Schlag und schwere Kranckheit/widerstehet denVerletzungen der gisstigenThier/befördert die Geburt/schärssetden Verstand / und wiederbringt/das Haubtdamit gewafchen/ die Gedächtnis.

pKsisnZium, Ich will hier des wilden ?Kaiar»Zil.das aufden Feldern wachset/ nicht gedencken / alleinmit wenigen berühren / des jenigen Garten - l>Kaiän-xium 5iartioncnsc,so aus Languedoc und Hispanien zuuns gebracht / mit ihrer weissen Sternblühe demäipkoäsio fast ähnlich ist/ welches auch die Kalte nichtleiden kan / sondern des Winters muß beygesetzt wer->den. Vornemlich aber will ich das käoiv Vii^mis.num, das bey den meisten Gärtnern den Namen desptiaianzii trägt/ allhier mit wenigen anführen/ welches

bleichweiß/und hängen ihre Blatter fest/daß/ wann sieauch welcken/dennoch nicht leichtlich abfallen/ und etli-che Wochen in einem Maykrug bleiben/ wann sie imSchatten gehalten werden. Von den gantz weissen/da-von etliche viel sagen/ habe ich nie nichts sehen können.Sie wollen mässigeSone und gmenGrund/die Wur-tzenwerden im Frühling oderHerbstausgenomen/undwo es sich am besten schickt/voneinande: mit einemMes-ser getheilt/und fein gerad drey Finger tieseingesetzt/undrey Spannen weit voneinander / sonst darff man sievor drey Jahren nichtumsetzen/ ohne wann sie zuvielBeysätze haben/so man aus denBlättern erkennen kan.Wann man sie setzt / muß die Grube gemacht/ sie ein-gesetzt/mir guter Erden ausgefüllt/ und bald nach demEinsetzen begossen seyn/damit sich dieWurtzen mit demGrund desto besser vereinigen möge.

Die Blätter der einfachen ?«onien aufgelegt/ sindgut/ alte Schäden aus dem Grund zu heilen; man kandiese Blätter über Winter behalten/ und wann sie zudün sind / in warmen Wein weichen/ so gehen sie von-einander/ und also auflegen; item auf böse Brüste undSchaden/so von erfrornen Gliedern kommen/es heiletsauber; man kans auch den gedruckten Pferden gepul-vert einstreuen/ oder das Blat darauf legen.