Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
681
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Zünffteö Buch/Kuchen-uno Artzney-Garten.

Schmertzen; die Schwammlein / so imMayen an denWien wach sen/gedör:t/und in Rosen-Wasser emge-weicht /und von aussen applicirt/ zertheilen die Entzün-dungenund Schmertzen des Haupts; die^chößlem/die erst imFrühling kommen/mitgleich so vielWegricht-Wurtzenund altenSchweinen-Schmaltz gestossen undaufgelegt/ gehen in Stillung des Podagra/wieourantes schreibet / gleichsam allen andern Mittelnvor.

Wann die änderte und grüne Rinden / des einjahri,gen Hollunder-Gewächses / so unter der äusserstenRinden liget/ aufwärts / und dem Wachsen des Hol-hes nach/ geschaben/in einer Milch wohl gekocht/ und dieausgesiegene und ausgedruckte Milch eingenommenwird / so treibt es die schädliche Feuchtigkeiten / durchdas Erbrechen / gelind aus; schabet man sie aber hin-abwärts/ und wie das Holtz gegen dem Stamm gehet/so purgirt sie per 8s^es allein.

Man macht aus den Beeren eine treffliche Salsen/die für alles innerliche Gifft nutzet/heilet inwendige Ge-schwär/ und treibet durch den Schweiß alles Böse aus/wird derhalben vor den Schweiß-Badern eingenom-men/ muß aber/ nach purgirtem Leib/und nüchtern ge-

schehen ; so verzehret sie auch die anfangende Wasser-sucht ; über das Rothlaussgestrichen/ heilet und mil-dert es alles allen Schmertzen.

Man macht auch von der abgerührten verwelcktenBlühe / da matt aufcm Pfund Blühe dritthalb PfundZucker nimmt/ vennischt/ an die Sonne stellet/ und osstumrühret / eine Latwergen / die ist zu allen erzehlten Ge-brechen dienlich; auch wird von der Blühe ein Oel ge-macht/ das zu vielen Mängeln nützlich ist.

Noch ist eine Art von Holunder/ Lsmbucris rsec-mola rubrs genannt/ist an Blattern von den gemeinenfast nicht zu unterscheiden/an Blumen und Beeren aberist ein mercklicher Unterscheid / daß sie nicht Dolden-weise / sondern träublicht/ die Blühe weiß-gelb/und dieBeer gantz liechtroth/wann sie reiss sind / beysammenstehen / wachsen gern in Gebürgen/ und werden seineBlätter von den Hirschen sehr gesucht und gefressen;darsssonst nicht viel Wartung / vermehrt sich gern vonseinerBrut. Wie der gemeine Holunder blühet undansetzet / halten es die Weinhauer für ein gewisses Los/daß auch der Wein also folgen werde/ welches auchmeisten die Erfahrung bchättigek.

c^p. l.xxvm.

Von weisser und schwacher vryom,.

JeZaunreben wachsen allenthalben in den He-cken / Gesträuch und Zäunen / wo sie etwas fin-den / darauf sie sich aufflechten können; dieweisse hat Blätter w>e die Reben / allein kleiner undrauher/ auch m mehr Ecken zertheilet/haben weisse et-was gelblicht vermischte Blümlein / wie die Sternleingeformet / daraufBeer folgen/ wie an dem Nachtschat-ten / erstlich grün / und zu ihrer Zeitigung roth / beysam-men hangend wie die Trauven: der Saamen in demBeerlem ist rund und vornen etwas gespitzt; die Wür-be! ist groß und dick / daß man sie offr mit zweyen Han-den umspannen mag / und manchesmal einer Elen lang/ausserhalb liecht-blaulicht/ und inwendig weiß/sass-tig/fleischig / und eines bittern zusammziehenden Ge-schmacks/ mit einer Schärsse vermischt; es sprossen auseiner Wurtzen viel zarte und haarichte Reben/wie dieKürbis; die Wuetzel abtterAiret/ vertrocknet und er-wärmet/ erweichet und zertheilet.

Beede Zaun-Reben werden in die Garten unter dieLust-Häuser und Spalier gesetzt/weil sie denSommer-über einen lustigen Schatten machen / und ob sie gleichdes Winters die Blätter fallen lassen / kommen sie dochim Frühling zeitlich / und ehe die grosse Hitz kommt/ daman ihres Schattens meistens vonnöthen/zu rechterZeit wieder Herfür.

Oi olcoriljc, meldet / daß die Wurtzen gut sey denen/die mit der schweren Kranckheit beladen sind / wannsie / dnrchs gantze Jahr / alle Morgen ein O.uintleinschwer/ davon einnehmen oder trincken; sie sey auchnicht weniger gesund denen / die mit dem Schlag ge-rühret worden/oder mit dem Schwindel geplaget undangefochten werden.

(Zeorßiu» kiolttieru»erzehlt bey ^ok. I'aclcit) U.V.in seiner Lkr^tozoniü HnimsliZe Xiinerali, daß er ei-

! nen Nosen-Creutz-Bruderänno!6i f.zu Wetzlar ge-sprochen/ den er am Gesicht und Leibes-Lonlinulionauf 40. oder4s. Jahr geschätzt hätte / der doch 81. Jahr< damals alt gewesen / aber alle seine Zähne im Mund/und kein graues Haar auf den Haupt gehabt / dernichts anders/als täglich etwas von der frischen Lr^o-nia genommen / und sie allzeit zu seinem Gebrauch deni.May ausgegraben hat; welches ich dannoch dem ge-neigten Leser allhier nicht verhalten / sondern zu seinemUrtheil und Gutduncken vorstellen / dabey aber / daß ernichts ohn eines verständigen und gewissenhassten Kie-clici Rath wagen/ rathen und ermähnen wolle.

Sonst ist die Wurtzen auch gut wider den schwerenAthem und das Sticken / daher sie auch Stick-Wurtzgenennet wird. Eben dieseWurtzen/wie czei.Oursntcsschreibet / zc>. Tage nacheinander/ jedesmal auf z6.Gran mit Eüig getruncken / macht das Milh klein.

Solcher Wurtzen zwey Loth in weissen Wein/ bißauf die Helsste eingesotten / nach der Nacht-Mahlzeit/wöchentlich einmal getruncken / und ein gantzes Jahrdamit angehalten / vertreibt den Weibern ihre be-schwerliche Kranckheit der Bärmutter/ oder Luffoca-

tioncm Uleri.

öi^onia slbs rasa , kuperpolita contuiiom incruor lubter p?IIcm nizricZt, psucis koris cruorcinillum rslolvit in squsm. czuam psriter percutim ex-luzit. ttelmont, cle Orlu NcclicinX lol. n, 40.

Die Blatter/Frucht und Wurtzen davon mit Es-sig und Saltz gestossen / dienen zu den unheilsamenBrand-mäfstgen und um ßch fressenden Geschwüren/und sonderlich zu den unflätigen Schäden der Schen-ckel. Noch zu vielen andern Sachen dienet dieses Ge-wächs / wie man allenthalben in den Krauter-und Artz-ney-Bü chern sehen und vernehmen kan.

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