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Th. 1 (1716)
Entstehung
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680
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68c>

Deö MeltchenLatw - und Feld - Lebens

braucht; das Rindvieh/so von diesen Blättern isset/jölldavon sterben / daher sich dafür zu hüten.

Der Holländische Gärtner nennts / Zweissels ohnederhalben / t'ärbre cic^ort, sagt/es werde m die Ge-Häge und Spalier gebraucht/weil er allezeit grün ver-bleibe; MMkan jhti foubrmM durch kleine Stecken

und junge Aeste/ die eingelegt werden / im Anfang desVkertzen werde er in sandichtes Erdreich gepflankt; mankan oben nur einen Busch am Gipssei / oder rund auf-wachsenlassen / nach Belieben. Es ist aber wenig andiesem gefahrlichen Baum gelegen v wann er schon garaussen bleibt.

I.XXVll.

Vom Holunder.

cO man'dessen in den Feldern und wüsten Or-ten ohne diß dieMenge hat / ist unnöthig/ die

Gärttn damit M beschweren / absonderlich/

weil erwegen seiner leicht-gebrechlichen und nichtdauerhassten Aeste / in die GeHäge gantz ungeschickt ist;wächset gem fast an allen Orten / nahe bey den Zäunen/Häusern und Wegen/in Stadt-Graben und schattich-ten Orten / wie an den Wassern.

Die grünen Holunder-Stämmlein / von dem in-wendigen Marck entlediget / sollen mit ihrer Feuchtig-keit sehr wol und gut diePeltz-Zweiglein/ so in die Fernemüssen verschickt seyn/wie rsnara bezeuget / erhaltenund conlcrv ren.

Hat die Art zu trocknen / zu wärmen / zu verdauen/das Gewässer aus dem Leib zu führen / und sänsstiglichzu zertheilen / purgirt Schleim und Gall/ die frischenund jungen Blätter mit ein wenig Maltz vermischet/lindern die hitzigen Geschwulsten / und erkühlen die «ent-zündeten Glieder / oder wann man sich verbrennet hat;er heilet auch tieffe und fistulirte Schäden. Wir redenaber allhier allein von dem gemeinen Holder / weil dieübrigen in den Kräuter-Büchern zu finden / theils aberin dem Blumen-Garten einkommen werden.

Der Königliche Hollandische Gärtner sagt: DerHolder lasse sich auch durch seine abgeschnittene/einjäh-rige gerade Zweiglein vermehren / wann sie im Febma-rio oder Martio an feuchte schattichte Ort/im wachsen-den Monden/ gesetzt und besprüht werden; und dasist desto wahrscheinlicher / weil alles Holtz/ so grossesMarckt hat/ auf solche Weise leichtlich bekleidet/ wie dieErfahrung bezeuget / und solches auch an 8ambucvro-lck zu sehen.

zinser Holder nun hat fast gleiche Eigenschafft mitdem Mich; die WurtzenimWein gei otten/und dar-über getruncken / ist am wider die Wassersucht. Etlichebrauchen im ersten Frühling die zarten Schoßlein vondem Holder/kochen sie mit Spenat zu einem Müßlein/und essen es/ das purgirt wohl und gelinde; theils essensie überbrüht mit Essig und Oel/ wie Salat/ist abernicht so rathsam / weil der Essig leicht ein Reißen verur-sache!, kan. , ^

Der ausgepreßte Saffr der Holderbeer nut Wemgetruncken / treibt das Wasser mit Gewalt aus; sol-ches thut auch die innerste grüne Rinden / muß aber nurfiarcken/und nicht jungen oder schwachen Personen ein-gegeben werden/weil er demMagenetwas zustarck undschädlich ist. ^ „

Der Estig aber von der dunen Holderblche ist demMagen sehr bequem / bringt wieder den verlohrnenAppetit / und zertheilet die groben und zähen Feuchtig-keiten. >

Der in Essig präparirts Saame / eines Quintelsschwer/ mit gleich so viel Weinstein und ein wenig Anisgenommen / führet das Wasser des geschwollenenBauchs ohne Beschwehrung aus / wie gleichfalls auchdas aus der mittlern Rinden disiillirte Wasser / alleMorgen und Abend zwey Stund vor dem Essen / achtLoth davon getruncken / und treibt (wie gleichfalls auchdas distillirteHolderblüh-Wasser aufia.Loth nüchterngenommen) den Stuhlgang gewaltig fort; das ausdenWurtzen aber aufacht Loth (wie Lslar Oursn-tc» meldet) mir halb so viel des Wassers von Attich-Wurtzen gebraucht / reutet die blästige Geschwulst undWassersucht aus/und muß man mit dem Gebrauchsolcher beeder Wasser dreyßig Tage nacheinander an-halten.

Ein sonderliches ämuictum wider das Hinfallen-de / beschreibt Joh. Hartmann in ?raxi ct^miatncZcap. 7. Man nimmt ein Holder-Schoß/ welches aufeinem alten Weidenbaum gewachsen ist/ schneidet es inkleine Scheiblein / deren neun bindet man in ein leinenoder seiden Sacklein / hängt es an den Hals / so weithinunter/daß es des Krancken Magen berühret / lässt esso lang hangen / biß es von sich selbst bricht / oder herabfällt/ dann muß man das abgefallene Säcklein nichtmit der Hand anrühren / sondern mit einer Zangen fas-sen / und an einem abgelegenen Ort verscharren / damitnicht andere davon angesteckt werden; und so lang derKranckedieses Sacklein am Hals trägt/ soll er durchein ausgeholtes Rohr dieserHolunder-Schossen feinenTranck zu sich nehmen / auch vor allen starcken Ge-> müths-Bewegungen sich hüten.

I Ikom-is Lartkolmus O. liill. rarior. ^.nztomic.

4. Oblcrv. 6?. berichtet / daß durch solches Mit-tel/ viel von der fallenden Seuche seyen errettetworden;^ soll auch/auf diese Weise gebraucht/gut für die Gichtseyn.

Über diß vertreibt der Holder die Schmertzen/ er-öffnet die Schweiß-Locher / und zertheilet die Dünsteund Feuchtigkeiten/ treibt den Harn/ befördert denSchweiß / zerbricht den Stein/ und bringt der FrauenverstandeneMonat-Zeit wieder/wie dannHer: v. Da-niel Becker / Lhurfürstlicher Brandenburgischer Hof-und Stadt-K!e6icu8 zu Königsberg in Preussen / vondem Holunder und Wachholdern einen absonderlichenTractat geschrieben hat/der Anno 1665. zu Giessen ge-drucktworden/dahin ich den günstigen Leser will gewie-sen haben.

Des Holders Gebrauch ist auch äusserlich zu vkiendienlich / das distillirte Wasser aus den Blättern / da-mit gegurgelt/hilfst wider die Bräune; Holderblüh-Wass er auf die Stirn gelegt / stillet die hitzig en Haupt--

Schmer-