Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
591
Einzelbild herunterladen
 

Vterdten Buchs Anderer Theii/Obst-Garten. 591

Wie das Obst zu dörren.

O es grosse und weite Baum-Gärten gibt/und^'ein gutes Obst Jahr kommt / ist ein trefflicher^Vortheil/ wann man (wie im ersten Buch ver-meldet worden) Dör:-Stüblein hat/ da man/ mit vielwemgermHoltz/ 20 und mehr Bretter oder Hurtenvoll geschäiteö und zerspaltenes Obst auf einmal abdör-ren kan/da man sonst m die Back Oefen kaum das drit-te Theil einschiessen kan/ es mit Müh aus und einbrin-get / und darzu die Back-Oefen mercklich/ mit der vondem Obst ausdünstendenFeuchtigkeit verderbet;da hin-gegen in demDön-Etüblein man überall frey darzukommen/die derHitze am nächsten gelegeneBretter/undwasmeistensgedörtt/in die kühlere brmgen/dcmnach ei-nes und das andere also rem^cm-en kan/ damit alleswol/weder zu wenig noch zu viel/ausgedörtt und zuNu-tzen gebracht werde; und bezahlen gewiß diese Dön-Slublein/wo es viel Obst bat/ihren Unkosten wol/ daßman/ bey fruchtbaren Jahren, ihm einen desto grössernVorrath schaffen / und danut den Mangel der künffti-gen Fehl-Jahr ersetzen kan / weil das gedönteObst/wann es wol bereitet »st/sonderlichAepffel undBirnen-Spälten / Zwetschgen / Weichsel und Psersich/ etlicheJahr bleiben / und in der Wirthschafft nicht einen ge-nngenNutzen zu Zetten/wan dasObst mißrathet/schaf-ftnkönnen.

Aepffel und Birnen / sonderlich von dem schlechter»Obst;was man sürGesind und dieTagwercker braucht/wird an etlichen Orten nicht geschält/nur zerspatten/dieKern -Stöcke ausgeschnitten; besser aber ist/ daß mandas edlere Obst sauber schale / nicht gleich also frisch inden Ofen/oder in das Dön -Stüblein bringe/ sondernvorher ein wenig abwelcken lassezallevObst soll nichtun-tereinander unordentlich/ sondern sein nebeneinanderausdie Hurten gebracht/ Anfangs bey einer gelinden

Warme 5berdär:t/und folgends per Zraciu, «zioris zurrechten Mäffigung gefuhret werden. Was gar edleBirnen sind/werden entwedergantz/oder was groß ist/voneinander getheilt/ in Zucker gesotten / hernach ge-mächlich gedortt / mit Zucker bestreuet / und also zumconlcÄ ausgehaben; wie auch die Pfersichen zertheilt/in Zucker ein wenig gesotten/ mit geschälten Mandeln/an statt ihrer Kern/belegt/und bey einer gelindenWar-me getrocknet.

Die Zwetschgen setzt man eine dicht neben der andernaufdieDört-Bretter/ oder Hurten/ die alle mit einerhöltzernen Leisten müssen umfangen seyn / und döru siealso/nach und nach.

Die Weichsel aber werden etwas dicker ausgeschulttet;nur dieses ist bey allen Dörren fieissg in Acht zu neh,men / dqß man dem Obst Anfangs nicht zu strenge Hitzgebe / dann/ wann die inliegende Feuchtigkeit gar zustarck und jähe die übermässige Hitz empfindet / ekvlljrtsie so mächtig / daß die Haut davon bersten / der besteSafft ausrinnen / und also das Obst untüchtig werdenmuß;wann man aber den Anfang ftm gelinde macht/sovertrocknet die Feuchtigkeit gemächlich/ bleib! beysam-men / und macht das gedöute Obst saHng und wolge-schmack/deßwegen werden die Dör:-Hurre od r Bret-ter in den Dörz.Stuben z/ 4/ oder mehr hoch überein-ander gelegr/daß/waü etliche gar zu viel Hitz litten mansolche auf die Ort/ so von der Hitz am wenigsten betrof-fen werden/ hinbringen und auswechseln möge/und da-her sind auch die Dönstuben am bequemsten > weil mandieses in denBackofen nicht so anständig verrichten kan.

^ Alles gedörzteObst wird in grossen von gewissen Ab-sätzen getheilten Truhen/ wann man aber die Mengehat/wol gar in Fassern eingeschlagen/und an kühle/tro-ckene Ort gebracht.

Most aus dein Obst zu machen.

O es viel Feld-Obst gibt / wie im Viertel obWiener-Wald/ und im Land ob der Enns/ dadie meisten Bauren ihre Häuser und Gründevon ihrenNachbarn unlerschieden/mitZaunen undGe-hägen eingefangen / verwahret und eingefriedet haben;da befieissen sich die Bauren sehr auf das Feld-Obst/Aepffel und Birnen/und presset mancher über ivo.Ey-mer/ davon er nicht allein mit den Seinigen eine La-bung/sondern auch/wann ers verkauffet/ein gut StuckGeld zusaminen bringen kan / weil dergleichen Preß-Most an erst-vermeldten Orten/ dawmig/ oder dochschlechter Wein wachset/eine gute Anwährung hat.

Die Franzosen nennen es cicjrc, oder (-'itrc. wegenseines lieblichen Geruchs; der allerköstlichste wird ausKutten gemacht/ die man auf Riebeisen klein reibet/ ineiner saubern Kelter auspresset/ hernach mit etwas Zu-cker vermischt/sieden lässet/und alsv in dieGlasergiesset/die oben eng und unten weit sind / hernach ein wenig

Baum-Oel darauf schüttet/ mit War vermachet/ undalso zum Gebrauch verwahret; damit kan man mit ei-nem/2. oder z.Trinck-Gläslein voll einezimlichgrosse jFlasche Wein anmachen / ihm einen trefflichen Ge,schmack und Geruch beybringen/und grosse Ehre damitaufheben.

Von Aepffeln und Birnen aber / die man an theilsOrten in grosser Menge presset/ werden solche in einemhöltzernen starcken Grand mit Stämpffen und Stös-seln Anfangs klein zerstoßen / unter die Preß gebracht/undfolgends in die Fässer gefüllet.

Der Birnen Most wird für edler und bestandigergehalten/als der von denAcpffeln kommt/der doch auch(nachdem dasObst von einer guten Art ist) wenig nach-gibt; da lässet man ihn/wie den Wein-Most/ vergie-ren/und hernach in die Keller legen; die Frucht/es seyenAepffel oder Birnen/ muß hart/ frisch und fäfftig seyn/dan n/ was weich und taigig ist/ muß alsbald abgefon-

dert