Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
578
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De6 Adettchen Land- und Feld-Lebenö

R Ungarn und Elsas / gibls an etlichen Ortengantze Kasten-Walder/davon die Inwohnereinen guten Genuß haben / und die Frucht ver-kniffen/auch wol zur Speist brauchen; daher auchetliche dafür halten / daß die Kasten / die einsam stehen/mcht so gern tragen / als warm etliche beysammen.sind;an andern Orten werden sie gedörrt /gemahlen/ undBrod daraus gebacken.

In Ungarn werden auch die Schweine zu bequemerZeit hinein gelassen / die darinnen eine treffliche undwolergabige Mästung finden; sie können mitkelmqssi-ge Lufft wol gedulten/ doch ist ihnen der ka!te Nord-Wmdsehr zu wider / sind lieber an feuchten Orten/sonderlich wo nidriger Boden ist ; gar zu Ml Leim/,oder zu viel Sand/ ist ihnen beederseits nicht anständig/sie sehen auch bißweilen Brüt von ihrer Wurtzen /Diekan man weiter versehen ; sie lassen /ich sonst durchRöhrken fortpflantzen/undiverden die Kastenviel fchö-, ner und schmackhafftiger /diß muß im Frichling gesche-hen / so bald er treibt; den gerbst ^uvor aber muß derWildling / worauf man röhrlen will / als auch der/wovon man dasPfeiffleinnimmt/gestümmelt werden/damit sie nen antreiben; jvG segelt man sie von derFrucht / im Hornung in ein gut Erdreich gesetzt; wannman sie fleißig schneidet und wartet / kommen sie destoeher übersich.

Hl. OmMc» Isrello in seinem K!cor6o ci' ^z^ri-co'.ku rz sagt: Wann man die jungen Kastanien-Baumbeschneiden will / soll es nicht nahe am Stamm/ son-dern drey vder vier Finger davon geschehen / weil esdie Erfahrung bezeuget / daß sie aufsolche Weise Uebergedeyen.

Die Dung mögen sie wol leiden. Die Frucht mußman wohl lassen zeitigen / dessen Anzeigung ist/wanndie rauhen Hülsen sich anfangen etwas zu eröffnen/können hernach sacht abgepaffc/ und also die Trag-Zweige verschonet werden ; theils lassen sie in ihrenrauhen Hülsen / blß man sie braucht /und glauben / daßsie also frischerund besser bleiben; theils legen die aus-geschifften Kasten in einen Sand ^andere dörren sieim Rauch / aufdarzu gemachten Hurten / lassen sie her-nachdreschen/die Schelssen abznklopffen/winden undsäubern sie endlich wie das Korn / diese können sie her-nach behalten zum Essen / die bleiben biß wieder muewachsen.

kio-avanti halt dafür / daß unter allen Früchten kei-ne zu finden / die bessere Nahrung gebe/ und sich lange-z re Zeit halten lasse / auch weder Holtz noch Waffer zuihrer Messung bedörffe/und also in dieVestungen/zueinem langwührigen Vorrat!) / geschafft werden könne/als die Kästen/die entweder zu Mehl gemahlen / vdergantzgenossen / ein halb Pfund davon besser sättige / alszwey Pfund Brode. Man kan auch die Kästen dör-ren/ mahlen/ und wol in Fäsier einstossen/ das bleibt!lang/und ist diß Mehl gut rohe zu essen/man darffsnicht dachen / auch kan man das Holtz erspahren; wärean Orten zu prsÄiciren / wovielKastenwachsen /undm vorneh men V estungen.

XI..

l'snsra sagt: Wam? man die Kästen lang behaltenwill/.legeman sie aus Hurten/ mache ein Feueriem odaRauch auf etliche Tage darunter / biß sie wol dürrworden/ wie ein Stem/ darnach werden sie in einemGeschm geftampsst/ solang/biß sie die Schelssen las-sen/ daraus lässt man Mehl machen/.und erhält es inKisten oder Truhen von Lastanien-Holtz gemacht/aneii^em .wol trockenen Ort /stösst es / wann es dürr iß/wohl zusammen / so verbleibt es zur Speiß gm vieleJchr / und solte es etwann den Geschmack in der Zeitverkehren / sey esdoch zur Schtvein-Mast besser a^öieEycheln. ZumBrod geben sie (ausser des Weitzene)die beste Nahrung vor allem Getrayd/davon die Mäü--ner sehr starck.und arbeitsam/ und die Weibsbüderzart/weiß und Rosen-farbig werden / wie ferner IZ-na vermeldet.

Des Kästenbaums Schatten / istuicht gedeylichlasset unter sich weder andere Baume / noch das Gmaufkommen; das Wasser ist fein Feind/daher wächier lieber auf trockenen Orttn.

Wann man die abgelegenen Kasten probiren wil/ob sie gut oder nicht / werffe man sie in ein Geschm volWassers / sind sie gut / so sincken sie zu Boden /.sind suverdorben / so schwimmen sie.

Vom Kästen-Brod sagt öcllonius in lib. clcncZIcÄÜ liirpwm ^ultura csp. l2. Hlirum ek, bonun lpanem ö csltarzcarum tsrinü, noltri vuIZaris in mv6um, yuo (Zsnucriizz littorie incols mcliorl ^

6ekcÄu vcscunrun.

Es kommt sonst zu uns eine andere Gattung 6e es !PO cic buona , die haben die Gestakt füs"

wie eine Nicren von einem Schaf/ kommen aber d>e- ^ser Orten selten zu rechten Wachsthum / haben etwa:stärckere und dunckelsarbigere Blätter/ als die gemcnen.

Es ist auch sonst eine Art Kastamen / so aus Türcke» ^von Constantinopelkommen / in unserm Land nunmchr >fast wol bekannt / die man Roß - Kasten darum heiß/weilen sie den Pferden die Husten vertreiben/dahcrfieauchden Namen bekommen haben; sind eines sehr un-'angmehmen/tviderwartigenGeschmacks/wiewÄtkioius und I.odciius schreiben / sie seyen süss/ und habeerderen etlichewohlschmeckendesussebey demkol^cl^ck> selbst geessen / »nässen sie doch einer andern Gattum

gewesen seyn/damt vondiesen unsern bezeugt die Ertal/r

renheit das Widerspiel; ihr Laub hat tieffe Mfchrun-fdene Adern/ wie die gemeine Kastenbaume / aber gros^ser/und der Gestakt nach gany anders / fast wie man:denWunderbaum fsrmitt; dieBtühe lstweiß-rößiicht/'doch mehr weiß und sehr prächtig /macht einen gantzenZapffen/ der sich hernach in etliche Blumen zertheilet/!wie die 8aZittgsia squatics , doch weit anfehnlich^/lendlich bringt er rauhe Hülsen/ starcker als die gein^^nen / und hält jeder Igel ein absonderliche grosse di<AKästen in sich / mit einem weissen Hertz-formigen Flewjlein / so in der schwärtzlicht-braunen Farbe nicht ubmstehet;.sie-wachsen gern in Oesterreich/und hab ichselbst / zuRorbach in Hof/ einen jungen solchen Baums

gehabt/ '