Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
573
Einzelbild herunterladen
 

Vterdkcn Buchs Anderer Thcil/Obst-Gartcn.

57Z

streicht/ so soll die Frucht nicht faulen/sollen auch keinMeisten aufden Baum kommen. Die Wurtzen vondem Äpffelbaum/weil sie gern in supcrticic tcri-s blei-ben/ haben keines so liessen Grundes vonnöthen/solchErdreich aber muß starck und lemchtseyn/ damit sieviel Nahrung sinden/ und nicht zu feste/ damit sie leich-ter um sich greiften/ mögen; sie gedcyen auch in sandich-ten Erdreich / und bringen da schone Früchte/ weil sieaber geringe Nahrung finden , bringen sie wenigerAeste/und bleiben kleiner.

Her: Heinrich vonNanzau meldet in seinem geschrie-benen Haus-Buch also : Wann einer vielAepffelbäu-me haben will/ soll er in einer guten Erden Kömerbauen im April/ nickt zu ties in die Erden / wie man dieBohnen pflanzet/ und muß sie verwahren / daß sie nichtvcrwühlet werden / in acht oder neun Jahren sollen sieAepffel tragen/ wann sie aber eines halben Mannshoch sind/ muß man sie an das Ort setzen/ wo sie stehenbleiben sollen; und wann man Aepffel-Körner zu rech-ter Zeit nicht bekommen kan/soll man nur im Winterdie Kern von den Aepffeln ausnehmen / und sie in einemGewölb oder Keller in ein höltzernFaß/ oder andersGeschirr legen/ so gefrieren sie nicht/doch muß man achthaben/ daß sie nicht schimmeln/auch die Mäuse nichtdarzumögen;wann man sie nunpflantzen will!/ sollman sie einen Tag und Nacht ins Wasser legen/so wer-den sie wieder frisch/ und geschwelten; wann nun sol-che Bäume gedeyen und tragen/so werden die Aepffelso gut als die/davon die Kern genommen sind / das ist

gewißlich wahr/ und ich (sagt Her: Heinrich von Ran-zau) hab es selbst versucht/und Ha5e solche Bäume vonKörnern gepflantzet/und sind besser als die manschet/tragengern und haben-viel Reis. Auseine solche Weisekan einer so viel Acpffelbäume haben/ und von was Arteiner haben will.

Zum Beschluß dieses Capitels muß ich noch einerwunderlichen Art eines Apffels gedencken/ weiche vor-her im Herbst Aepffel wie andere Aepffel tragen/ undhernach wiederum (wie Her: Dllher: im Leben Christiloi. 140. meldet) mitten in der Christ-Nacht/ nach demalten Calendergerechnet/ nicht allein blühen/ sondernauch alsbald darauf kleine Aepfflein tragen / vhngefehreiner Kirschen groß/ und des solgendm Morgens dieBlühe noch an dem obern Theil stehend haben / undChrist- Aepffelein genannt werden/ wachsen nicht wettvon dem Nürnbergtschen Stadtlein Gravenberg/ istauch ein solcher Baum in der Vorstadt daselbst / dieauch Ehren-gedachter Herr Dilher: selbst gesehen/ undihre Figur daselbst beschreibet; deren gedenckt auchKl /o!i. przetoriuz in seinen Weyhnachts-Fratzen.daßdergleichen auch in der Grafschafft Katzen-Elenbogen /in dem Flecken Tribur / und haben die Leute sonderlicheObacht darauf in der Christ-Nacht / und wann dieAepffelein einer Bohnen groß werden / glauben sie/esbedeute ein gutes Jahr/ sonst werden sie nur als einErbeis; ist also mehr ein äi'ortus , als eine rechteFrucht/dock auch dabey eine Zeugnus Göttlicher All-macht und Wunderhand zu halten.

xxxv.

Von Bttlittibaum.

Err cZe Scrr-z vermeynt/ der Birnbaum wach-se nicht so hoch als der Apffelbaum; aber inOesterreich und vielen andern Orten sihet mandas Widerspiel / daß die Aepffelbaum zwar in derWeiten / aber die Birnbaum meisten? in der Höheübertreffen; er hat tieffe Wurtzeln/ sein Holtz wlrd vondenen Holtz-Arbeitern nützlich gebraucht.

HerrDümler zehlt über 200. unterschiedene Artenund Gattungen der Birnen. Die Sommer-Birnenmüssen bald aufgezehrt oder gedörtt werden; was imOetober reiffer/ dauret lang hinaus.

Die Birnen auf Birn-Kütten gepeltzk / thun / nachdes Autors cic l'lnkluÄiein pv'ir Ic»5rui-üiers. sehrgut/dann/ob sie wol das erste und andereJahr einen Geschmack von dem Stanm an sich neh-men/ verliehren sie doch solchen in folgten Jahrengäntzlich/ tragen mehr und schönere Frucht er rathetauch/ man soll sich in den Spalieren sonst keu.v andernWildling gebrauchen/sondern wo auter Grmk. ist.Eben dieser ^utko,- erzehlet auch daselbst koi. -z i.^js22?. daß man von Junio an/ bis wieder im May / dnfolgenden Jahrs / von Monat zu Monat allerhand AnBirnen rohe zu essen / oder zu kochen gebrauchen/ undihrer also das gantze Jahr hindurch gemessen kan.^ Die Birnen sind auch im Geschmack / Geruch /Form/ Grösse und Farben so unter schieden/ daß esharr/ja fast unmöglich wäre/ihren Namen als» zu l>--cikciren/ daß sie ein jedweder dabey erkennen solte / in-

dem einerley Gattung auch vielerlei) Namen hak / da-mit sie hier anders / und dort anders unterschieden wer-den. Die Birnen/so man in Ungarn Novigrader/ inOesterreich/wegen ihrer säfftigen Süsse/ Plutzer-Birnnennt/ heisst man in Bayern und in der PfaltzPfund-Birn/die doch in Oesterreich eine gantz andere/zwarihren Namen nach/ weit grösser / doch am Geschmackunedlere Birn ist. Die Römer haben keiner Baum-Frucht/als Aepffel und Birnen / ihre Zunahmen ge-gönnet/jene sind vom iVlarcio . 8cxuo, Klsnlio, Llau-ctio, diese aber vom pompcjo , Lsriol^no-Oolaizclls,und andern her benamset worden.

Michel Knab in seinem Obst-Buch zehlet über 100.mit Namen/deren gröster Theil aber in unsern Landenals wie Böhmische Dörffer/dem Sprüchwort nach/das ist/gantz unbekannt sind ; die besten / die man inOesterreich hat/ sind unter andern die Pergamotte/ dieKönigsbirn/ die Her:n-Birn/dic Wasserbirn/dieGlas-birn/ die Schmaltzbirn/ die Pfaltzgrafenbirn/ die Plu-tzerbirn / die kruir' - buona. die den Namen mit derThat hat/ davon der Frantzösische Poet kcnawü kz.pinus tibro 4 tjortorum toi. 90. also zu schreiben schei-

i.'t:

p-^s cc»IIo koücliö obliczuo, sbkurctcq; tumcnti

Ocicit in oblonxzum, nc>n uno vcntrcm,

dieZsliznca. die Saltzburger-Birn/Muscatellbirn /

Nägewitzbirn/ Hängelbirn/ Lederbirn/dieHönigbim

und andere unzehliche mehr.. .