Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
557
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Vierdten Buchö Andel

Baumlein / daß sie selbst aneinander halten / künfftigweder Pfeiler noch Latten bedörffen; macht man aberdie Pfahle von Weiden-und Albern-Holtz/ muß mansie schalen/ damit sie nicht/ ihrer Art nach / voraus woguter fafftiger Grund ist/ einwurtzeln / und den gutenBäumen dieKraffr entziehen und abstehlen.

Wann ein Baumlein aussteht und verdirbt/ mußman alsbald den Abgang mir einen andern ersetzen /oder sind die Neden-Bäume so dick/ kan mans zusam-men flechten/ und also die Lücken verbauen; wann einBaum nichtZweich - reich auskeimet/ kan man ihn ei-nen halben Schuh über dem Gepeltzten im Vollmondabnehmen/ so treibt er häufflger; man kan auch die al-ten Bäume wol gar abpeltzen / und mit Zweigen vonbessermObst versehen/ also kan man gantze Irrgartenund Labyrinthen zurichten / und seinem Garten einschönes und beliebtes Aussehen machen.

Die Spalier soll zum niedrigsten sünff/ und zumhöchsten zehen Schuh hoch seyn/man kan anch dazwi-schen etliche Baume/ in abgemeffenergleicherlassen in die Höhe wachsen / auch kan man die gewölbtePortal / auch runde / viereckichte oder Oual-Fenster /dardurch machen lassen; die Spalier müssen beederseitsbißweilen mit guter fetter Erden belegt / und wann esdürre Heisse Sommer gibt/ begossen seyn; im übrigenstehet jedem frey/ dis Orts allerley neue Erfindungen/nach Belieben zu entdecken.

In Setzung derMauer-Geländer/ soll man alleWurtzen/ so viel möglich/ von der Mauer abwenden/damit sie desto mehr Nahrung finden/ und im Wintervom Regen befeuchtet seyen / hernachmuß man dieWurtzen mit guten / leichten/ mürben Garten-Grundunter den andern mengen/ und sehen/ daß zwischen ih-ren Wurtzen nichts lähres bleibe/ auch muß der Gärt-ner acht haben/ daß er die Baume nicht mehr (wiele will ^ als einen halben Schuh tief setze/dannweil das Erdreich oben allzeit besser/ als untenher/ sofinden die Wurtzen daselbst mehr Nahrung/ Lufft/ Re-gen und Sonne dringen durch/ also daß die Wurtzennicht so leichtlich faulen/da imGegentheil dieWurtzen/wann sie zu tieffin die Erden versenckt sind / von dengeringen Regen / so es im Sommer gibt / nicht allzeiterfrischt werden/weil sie nicht mehr/ als einen halbenSchuh eindringen / so daß die Erden / dietiesser ligt /gantz dür:/und bey derWurtzen herum gantz hart wird/und keine Nahrung geben kan/ daher die Baume/ sogelb werden/ andeuten daß ihre Wurtzen zu tieffgesetztsind. An dem Mauer-Geländer soll man Pfersich /Marillen und Pflaumen/ im leichten Grunds / imstarcken und festen aber i2.Schuh voneinander/je nach-dem das Erdreich beschaffen ist/ setzen; etliche setzen indie Spalter Birn-und Pfersichbaume untereinander /in Meynung / solche durck Untermengung schöner zumachen/und die Mauer desto eher zu bedecken; andereaber halten es besser / jede Gattung abzusondern / weildie Mauren also mit besserer Gelegenheit bedeckt wer-den/und die Geländer mit wemaer Mühe zu unterhaltensind/ zudem/ daß die aufPficmmen-Stämme ge-zweigte Pfersich und Marillen viel Erden fressen / undalso denBirnbaumen ihreNahrung entziehen; andere/dieMauren desto eher zu bedecken/setzen lhreBirnbaumanfangs nur eine Klaffter von einander/ mitdcmVor-satz/daß sie nach sünffoderfechsJahren/wann sie einan-

er TlM/ Obst-Gatten. 557^. ^

der anfangen zu fchaden / je einen Mischen zweyen hin-weg thun wollen/also sind dieOelander allzeit woi be-setzt/ kriegt auch in den ersten Jahren mehr Früchte ;man soll aber allzeit zween Birnbaum von einerleyGattung nach einander setzen/ damit/wann man einenweg thut/ der andere sich an seiner Stelle befinde.

Die'Gelander soll man alle Jahr viermal/ etwannsechs Schuh in dieBreiren umgraben/nemlichimMer-tzen und Wein-Monat ziemlich tief/im May und Heu-Monat aber nur etwann einen halben Schuh dick/odepnur einer halbenSchauffel tief/das Gras zu verderben/und die Erden mürb und tüchtig zu machen/ den Som-mer-Regen zu empfangen / die hohen Bäume aberdarffman allein den Stammen umher (nachdemesvonnöthen)umgrab?n/dardurch wird die starcke Erdenverhindert aufzuspalten / und die jenige / welche leichtund fandicht ist/bleibet allezeit frisch. Ehe man die Bau-me anheffiet / muß man sie in dem ersten Jahr frey undungehindert schössen lassen/ und ihnen keine Augen neh-men / noch sie stümmlen / sondern bis in den HornungundMertzendes andern Jahrs warten/und sie alsdannanfangen zu heften/ anzubinden und zu schneiden/dannihre erste Schößlinge so zart/ daß man sie nicht ohneZwang oder Verletzung anbinden kan/ man muß denStamm gerad und ungebogen übersich anhefften / undnachdem der Baum starck oder schwach/ kurtz oder langist/oben abstümmlen und schneiden/hernach soll man dieübrigen Aeste von beeden Seiten ordentlich ausbrei-ten / und sie bis einen halben Schuh nahe bey dem Bo-dem (wann es seyn kan) herab lassen/damit die untersteMauer auch bedeckt werde; wann man aber denBaum also auf-führet/ soll man alle Aeste/ wie die Fin-ger einer offenen ausgebreitenenHand/oder die Steck-lein eines ausgespannten Wind-Wahres/ausbreiten/und zusehen/ daß man sie nicht zwinge/ oder einem Ka-tzen - Rucken gleich (wie >e Q-nclrc redet) krumm bie-gen/ sonst kriegen sie eine Krümme/ gleich einem Elen-bogen/allwo der Safft sich aufhaltend / eineyivildenZweig schiest / welches den andern ihreKrasst neh-mend/an ihrem Zunehmen hinderlich ist; das äussersteam Ast soll nicht niedriger angebunden/ als der Ort amStamm/ sondern ein wenig übersich geleitet seyn; mansoll auch dieAeste nicht übereinanderC:eutz-weise an dieMauer heffren/ weil einer dem andern schadet/ woraufein Garmer im Schneiden am meisten Achtung zu ge,ben / damit er das umerste und den Haupt-Stammdes Baums nicht zu sehr entblösse/ darum soll er sie all-zelt/ eher zu kurtz als zu lang schneiden/ und insonderheitdie obersten Aeste/ und die zu obrist an der Mauren ste-hen/wol kürtzen/weil sie sonst allen Safft an sich zie-hen/ und verursachen/ daß der Baum von unten herder Aeste emblösset wird; darum sind die Pfersichbau-me am allerfchweresien im guten Wesen zu erhalten /und lehret die Erfahrung/ daß solche Bäume/ wann sie!der Gärtner nickt allerdings wol zu schneiden/zu entau»geln/ oder zu erbrechen weiß / in sechs oder sieben Jah-ren zu Grunde gehen/ da sie doch/wann sie recht gepflo-gen werden/ mehr als zwantzig Jahr wahren können ;auch hat man aufzusehen/ daß kein Schoß zu nahe/ undglatt an dem Ast oder Stamm abgeschnitten werde/und daß alle Aestlein und Schösse in ordentlicher wol-ständiger Weite voneinander kommen ; die Schöße/welche kein Trag-Knopffe haben / sollen aufzw ey Au, gen/