Vierdten
Wann man den<inen/ als schwächesten Zweig hin-weg tyut/muß es mit einem scharffen Säglein gesche-hen/den Schnitt muß man mit einem Messer wohl ab-glätten/Lnd mit guten: Pcltz-Wachs wol verstreichen/sollgesthehen/ weil der Safft noch übersich dringet/ sowimmern sie eher.
Es ist den jungen Väumlein sehr schädlich / wannman sie also setzet/ daß die abträuffende Regentropffenvon grossen Bäumen/anderer Art/aus sie fallen kön-nen. Der Aschen ist besser zu den jungen Bäumen/ alsalle andere Dünge/ dann er tödtet alles Ungeziefer/soihm pflegt zu schaden/und lässt sie nicht zur Wurtzen° annahen. Wann man einen jungen oder alten Baumsiehet gelb werden/so istman versichert/daß seine Wur-tzen kranck sind; nun können die Wurtzen nicht leiden/weder zu grosse Feuchtigkeit und Kälte/noch zu grosseTrockene und Hitz; wie diese zwey Lxtrsm^,die zurNahrung der Baume erforderte Beschaffenheit derErden zerstören / das Wasser durch seine Kalte ver-treibt die gebührliche Wärme / welche die Erden hegetund lebendig macht / daher sie davon gleichsam todtund untüchtig wird/einige Frucht zu bringen/ es hin-terhaltet den Safft/ und schadet dem Baum/ (wie8iöt»r ic L ncjrc bezeuget) so sehen wtr auch/ wann esim Sommer viel kalte Regen gibt / daß die allergrün-lichstenBäume gelblicht werden; die allergröste Hitz istgleichfalls schädlich/diese trocknet die Erden gar zu sHr/und verzehret die Feuchtigkeit / so die Wurtzen nehrensoll. Auch ist nothwendig / daß man im ^attio,wanndas Erdreich wol umgearbeitet ist/langen Mist/ der kei-ne Hitze hat / drey Schuhe breit rings um den Stam-men her/und vier Zoll dick/ oder/ wofern man keinenMist hat/ an dessen statt Farren.kraut/im Anfang desBrach-Monats/ daselbst zettle / damit man alfo dasErdreich kühl behalte/das Ungezieferverlreibe/und dieWurtzen beschütze/und soll man bey iungen Bäumen/von Jahren zu Jahren/diese Arbeit also fortsetzen/ biser wol erstarcket. In einem Grund/ der allzeit feuchtist/ hat das Obst nie keinen so guten Geschmack/ als anerhabenen Orten/weil das Wasser daselbst leichter ab-läufst. JmMertzenund April muß man den Bäu-men/die zu gail werden/die Wurtzen unten mtblössen/und ihnen a>le Wurtzen ( ausgenommen die Haupt-Wurtzen ) spalten/ damit die übrige Feuchtigkeit her-aus fliesse/ das ist dem Baum so gut / daß es sich dar,durch verjünget.
Hartlieb l^ac^, ein Engellander/schreibt: Wannein junges Baumlein drey oder vier Jahr alt worden /soll man ein Stücklein von einem alten Pantzer neh-men/und seine Rinden wol damit reiben/ doch also/daß die Rinden nicht abgehe / so wird es dasselbigeJahr im Wachsen wohl zunehmen.
Vor Winters müßen die zarten Peltzer fieissig inStroh eingemacht seyn/sie vor der strengen Kälte/alsauch vor derHasen Nagen zu verwahren/die sonderlichihnen gegen dem Frühling/wann der Schnee lang liegt/und die Saat noch aller schlammichtauck wenig Grase'gewachsen ist/ sehr nachstellen/ daher man ihnen dasStroh desto länger lassen kan.
. Wann die Peltzer allzuhoch aufsteigen / und eine«cbwancke Spißrnthen zeigen will/kan man solchen/derNothdursst nach/wie schon gedacht worden/abgipffeln/doch soll man ihn/von Rechts wegen/so lang lassen/ als I.
l'er Thell/Obst-Garten. 55 l
man haben will/daß derSramm bis aufdie erstenAcstewerden solle/ daß man aufs wenigste mit ungebogenemLeibe durchgehen kan/und tsthaßlich/wannman wie ineinem wildenWald/durch dieBäum gleichsam kriechenmuß/bis dahin nun soll der Stamm glatt seyn; hernachobenher lässt man ihm die Augen und Aeste frey wach-sen/ und remiget allein die übrigen unnützen Aeste, daßsie/sonderlich mwendig/nicht zu viel treiben/wofern abe:die Aeste wollen zu dünn und zu schwach werden/nimmtman ihnen nur den Wipssel ab/so stärcken sie sich bald.Das Beschneiden der Peltzer und nmgesetztenBaum-lein geschiehet zwar meistens imHerdst/wann sie versetztwerden / indem aber ein harter Winter also den zartenoffenen verwundeten Aestlein leicht schaden mag/ istsrathsamer/man stümmle sie erst auf künffrigenLcntzen/da der aufsteigende Safft zu Verwmimerung desSchadens viel beytragt.
Vor unbescheidenen grobenAusschneiden soll sich einGärtner hüten / dann je weniger Wunden ein Baum/sonderlich im Stammen hat/ je länger dauret er/ dahermctn sie fein mit einem scharffen Messer auf das glattesteabschneiden/und herna n mit Peltzwachs / oder we-nigst mit vermischtem Leim und ^üh-Koth bestmchensoll/ so überwimmern sie bald; am besten ist / daß maneinen Baum in der Jugend gestalte / wie man seinenForm im Alter haben will/ weil die alten Bäume/wannman viel darinnen umhauet und stümmlet / gern schad-hafft werden/ und offt gar verderben.
Der Herr von Vcruiam vermeynet/es helffe sehr vielzur Dauerhafftigkeit eines jungenBaumes/wann manihm die ersteBlühe offtermals abbricht/oder wenigst de-ren nicht zu viel lasset/weil dieserSafft/der notl^ ?ndigin die Frucht gehen müsie/aller zu Starckung d Sau-mes angespendet wird. Vom Dungen/Wäsic.l/tmdwie das Ungeziefer zu vertreiben/ soll hernach folgen.
Dis aber ist hier noch zu mercken / daß man die jun-gen Stämmlein/wann sie etwas schwach sind/und son-derlich auch die Stamme / wann sie die Peltz-Zweige/( wie offt geschiehet) überwachsen / im Februario undMartio/wann der Safft über sich wallet/ mit einemscharffen Messer in die äusserste grobeRinde (ohne daßman aufdas Hochkomme) zwey oder drey subtileRiß-lein thue / nach der Länge abwärts an den Stammen/so wird sich die Rinden hernach Fingers breit und mehr/bey einem jeden Riß voneinander thun/und der Baummercklich dicker werden; da sonst/ wann die Rinden er-starckd und man ihm durch diesesSchrepfen nicht weh-ret/das Holtz in die Enge zusammen gedrenget/den stär-cken Harnisch der festen Rinden nicht ausdehnen odererstrecken kan.
Wann nun die Peltzer an ihrem endlichen Platz ste-hen/muß man jährlich die Erden herum aufriegeln/und kein Gras oder Unkraut dabey wachsen lassen;müssen auch die ersten Jahr / bis sie gnugsam erstar-cken/wol mit Pfahlern und Stangen verwahret wer-den/und die Stangen (glattund rund/ weder eckichtnoch ästig/noch knöpffig seyn sollen)also eingesteckt wer-den/daß sie zwischen dem Peltzer und dem Ort/ wo ge-meiniglich Wind und Regen herkommt/(fo «anWet-terlucken zu nennen pflegt) kommen/ daß / wann derWind wahet/das Stammlein von dem Pfahler ab-wiche/ dennoch durch das Strohband gehalten wer-de/daß es nicht abbre chen mag
Aaaa Hinge-