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Th. 1 (1716)
Entstehung
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550
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geschlossen und geglaubet/ unddardurch sich selbst undviel andere betrogen und hinter dasLiecht geführet ha-ben. Nicht sag ich dis/ daß eö durchaus zu lcmgnensey/ weil viel Bäume so Gast-frey sind / als sonderlichPflaumen und Küttto/ daß sieofft auch andere Sotten

Des Adelichen Landend Feld-Lebe«s

beherbergen; sey ihm aber wie ihm wolle/ so ists einmawahr/daßsiehartgedeyen/oderda siegedeyen/ nichlang dauren / oder da sie auch lang dauren / nicht sogute und wolgeschmackte Früchte bringen/als wo dieRamrund Erfahrung selbst übereinstimmen.

Cz?. XXI.

Wie den jungen Bäumen zu warten.

weise ?>zto hat den Menschen nicht vergeb,^«lich einen umgekehrten Baum genennet/ dannM^wie dieser in der Tieffen/ das ist / in der Wur-den/ftinen besten Lebens-Safft und brasst heget:Also hat jener in der Höhe/ das ist/ in dem Kopss undGeht'rne / seine vornehmste Qualitäten / da beedesVernunfft/Einbildung und Gedächtnus/jaalle fünffSinne ihren Thron haben / davon auch alle Nervenund Flachse den gantzen Cörper/mit ihren lebendigenGeistern/ regen und bewegen; und wie das menschli-che Leben in die Kindheit/ Jugend / männliches undhohes Alter eingeschrenckt / jedes seine gewisse Zufalleund Anmuthungen hat: Also könte man auch von denBäumen wol mit Warheit siigen/ daß sie in der Kern-Schul ihre Kindheit / in der Peltz-Schul ihre Jugend/indem Baum-Garten ihr männliches Alter durch-streichen/bis sie auch das herannahende Alter/ und an-derwärts herrührende Fälle, hernach gar demTod über-geben/und zu dem gemeinen Schluß der Sterblichkeitforteilen und einsturtzen.

Wie nun jcg'iches Alter des Menschen seine beson-dere Wartung hat/ und sonderlich die Jugend/ durchmühsame gute Information, heilsame Lehren/ gebühr-liche Strassen/ kräfftige Vermahnungen/ vom Bösenab- und zum Guten angehalten werden muß: Also ha-ben die in der Kern- und Peltz - Schul stehende jungeBäumlein gewiß fleisslger Obsicht und auch Züchti-gung vonnöthen/daß sie in die gebührende Hohe undDicke kommen/ und endlich dem Baum-Garten eineZierde geben mögen ; und bin ich gar nicht der Mey-nung wie etliche vorgeben/man soll die jungen Baum-lein bis ins dritte Jal>r nicht mit dem Messer berühren/dann ich kan mit Warheit bezeugen / daß es besser ist/wann man den Bäumlein/ so bald sie sich herfur thunund erheben/mit Ausschneiden und Abbrechen des übri-gen Laubes sorthi!fft/ damit sie in die Höhe steigen/ undsich nicht aufden Boden/ wie Stäudlein/ ausbreiten;und kan sagen/daß ich diese/durch Ausnehmung der un-tern Aestlein/ über sich gebracht / die/ nachdem sie einStammlein einer halben Elen hoch getrieben / im an-dern Jahr subtil geritzt worden/ bald in die Dicke kom-men/ und habe sie auch eben zu diesem Ende/ durch Ab-nehmung des obristen Gipffels/ alsogestarckt/daß ichübers Jahr/ im Frühling / schon fast die Helsste in diePeltz-Scbul bringen/ und dardurch den übrigen auchRaum lassen können / sich desto leichter zu ergrössern/jadas dritte Jahr auf die in der Peltz-Schul/die meistenswie ein starcker Daum eines Manns/ wenigstens Fin-gers-dick gewesen/ alfo gepeltzt/daß ich allweg anfangseinen dickern und schwächern Wildling zusammen ge-setzt/ und auf den stärckern jederzeit zwey Stämmleingepropsst/und wann sie beede gewachsen / das schwa-

cheregepelhteZweigleln/auch den darneben nächstehenden schwächern Wildling abiaÄirt/so das vicrdteJahr geschehen/und sie das fünsste Jahr schon mdenjungen zugerichteten Baum-Garten gesetzt / davon ihretliche im sechsten/meiste aber im siebenden Jahr nachder ersten Kern-Saat ihre Frucht gegeben / und hernach also continuirt haben.

Wahr ist wol/daß man in der gar zarten Jugend/wo möglich/ der Bäumlein/ sonderlich der Birnbaum/mit allzuvielen Umstümmten verschonen solle/und wannsie nur einen Stamm aufschießen / damit vergnügetftyn/ wann sie sich nur nicht wie ein Gesträuch in vielStämmlein austheilen; dann/ dis muß entweder zeit-lich verwehret/ oder das Bäumlein wird gany untüch,tig werden; so bald man vermercket / daß der Stammdas Reislein bey dem jungen Peltzer angenommen/undsolches zu treiben anfängt/ muß man allesGebände vonTuch/Rinden und Bast wegthun/ und dem Bäumle>ndie völlige Freyheit geben/ausser daß es angepfählt undund mit Peltz-Wachs verstrichen bleibe.

In den ersten 2.oder z.Jahren nun/müssen diePeltzelmit sonderbarerSorgfältigkeit beobachtet seyn/sonder,lich anfangs/da der Stam den fremden Reislein feineNahrung/als eine neidige Stief-Mutter/ungernegibt/und lieber seine eigene Zweige ernähren will / daher erbald unten/ bald in der Mitte/ bald oben/ Neben- undWasser-Zweige austreibt/die man stracks abnehmen/und den Stamm damit nöthigen muß/ seinen Lebens-Safft mit dem Reislein zu vereinigen. Es ist auch ditzu beobachten/ daß man die Wildlinge in der Kern-Schul/wann sie sich einmal in die Höhe schwingen/eiaElen hoch wenigstens / alle untere Aestlein mit einemscharffen Messer im Auswärts glatt abschneide/ so ver-wachsen sie fchön/ und werden zum Peltzen desto tüchti-ger/man mag sie dennoch so nieder oder hoch peltzen/wieman will/ dann dis ist eine gemeine Regel: Je höherder Stamm gepeltzt wird/je schwächer er treibt/ je vä-her der Wurtzel/je stärcker; so beedes die Erfahrungbezeuget/und der Vernunfft gemäß ist; und ist das hv^he Peltzen nur darum/ daß / wann etwan eine Peltzungmißrathet/ man das folgende Jahr wieder in der nie-dern peltzen kan; das beste ist anderthalb oder ein paarSpann von der Wurtzen. Wann nun zween Zweigegeimpfft worden/und kommen beede/fo treiben sie mei-stentheils ungleich/ einer schwächer/ der ander starcker/da foll man den schwächsten sbia6tiren/wie schon ge-dacht; oder ein Häfelein/so man zerlegen kan/ etwasgrösser/ als man zu den Nägelein gebraucht/mit Erdenanbinden/und alfo auffolgenden Frühling abschneiden/und weiter fetzen < so kommt der schwache Zweig auch zuEhren/und der stärckere verdoppelt sein Wachsthum/

und trägt desto eher Frucht.

Wann