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Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
549
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Vierdten Buchs Atwerer Thal/ Obß-Garten.

549

Stamm abledigt/ wann man in die Rinden pcltzen/oder auch / wann man äugeln will.

Und berichtet Michael Knab/und aus ihm Her:Dümler /wann man diese Beinlein von den spitzigenGcwcyhe eines Spieß-Hirschens / der zu rechter Zeit(Zweiffels ohne zwischen Maria Himmelfahrt undGeburt) gefallet ist/ machet / soll der Stamm / darzuman ihn braucht/ vor dem Wurm und Brand sicherseyn; diese Beinlein werden unten eines Glieds langscharff/ schmal/und inwendig ein wenig gebogen sor-mirt /'damit sie sich nach dem runden Stammlein destobesser bequemen mögen: in diesen Peltzzeugen hat manauch gemeiniglich ein Hämmerlein gantz von Eysen/daran das mittlere Theil eine Feil / der unterste aberein Näbinger odcr Bohrer ist; etliche brauchen nurein höltzern Schlagelein darzu/ so aus hartem Holtzgemacht ist/ das aber gleich gilt.

Wann man von einem Hasen das Schinbein rechtiormiret /daß man damit dieRinden abledigen/und dar,ein peltzen kan/ so wird demselben Peltzer kein Hase

beschädigen / soll auch sür den Aierep oder Brand sicherseyn/wieHen Philipp Jacob von Grünthalm seinemgeschriebenen Haus-Büchlein befuget.

Der Peltzmeister muß auch haben ein geflochtenKörblein/darein er nicht allein den Peltzzeug/ sondernauch die Zweige und Weiden-Bänder/ Pels-Wachs/Hadern / Mieß und dergleichen beysammen hat / undleicht hin und wieder bringen kan. Von den übrigenGarten-Instrumenten wollen wir im folgenden fünff«ten Buch weitere Anregung thun.

Zu den Bäumen muß man auch haben Hauen undGrabscheider / sie auszunehmen und einzusetzen / eineMeßschnur/ die in Hmncunccm oder andere Formkommende Baume auszutheilen / einen Moß-oderBaumschaber / allerley Hand - Häcklein / oder Bail/eine Raupen - Scheer / einen Leeser oderObstbrecher/eine Leiter / einfach und doppelt / Korbe/das Obst dar-ein zu brechen / und dergleichen Sachen mehr / wiedenen Garten, Verstandigen ohne diß wol wissend

ist.

xx. ^

Auf was Stamm man jede Frucht peltzen solle.

S ist gantz kein Zweiffel / auch der natürlichenEigenschafft aller Gewächs/als auch derVer,nunfft am ähnlichsten / daß es das beste sey/wann man gleiches auf gleiches peltzet/dann jemehr die Art undNatur desStamms und desPfropff-Reisleins einander verwandt ist/je besser/geschlachter/krasstiger/u«d seiner eignen Natur gemässer/und schö-nerwird die Frucht/ dann/obwol Aepffel/ allerley Gat-tungen / auf einen Aepssel-Wildling gepsropfft / schei-net von einer Natur seyn / und auch warhafftig einerNattir ist / so ist doch dieses nur der erste Lracju» ihresWohlgedeyens; unvergleichlich edler und besser werdensie/ wann auf die vom geschlachten guten Obstkern er-wachsene Wildling/ sonderlich aber auf ihre eigene Artgepeltzt werden; diß ist der höchsteGrad der ?e> Küwn.

Weil aber dieses nicht allzeit möglich / so ists dochrathsamer / man nehme Wildlinge gleicher Art mit denPfropff-Reislein / als daß man Aepssel auf Birnen/Waumen/ Pfersichund dergleichen/so fremdes Ge-schlecht sind / zu impffen versuchen will / da sie selten ge-rathen/ oder da sie auch zu Zeiten gerathen/ harter/wei-cher/ dünner / dicker/ an der Färb und Grösse/ Ge-schmack/,Krasst und Wirckuna/ eine mehr als die an-dere/nachdem die Art und Natur des Stammensund desPfropff-Neises weit oder nahe verwandt seyn/verändert und verringert werden / auch selten so langdauren mögen. Ick will zwar der alten Meynung / wiediese Peltzungen aufunterfchiedene Sorten geschehenmögen/hier anzeigen / ohne daß ich viel daraufhalte/oder einem Haus-Vatter solche jn probiren veranlas-sen wolte.

Ooiumdia Üb. 5. c»p. II. vermeint wol/ er wolleeinen Weg weisen / wie man einen jeden Zweig einemjeden Baum einpflanzen möge / und gibt ein Exempel/wie ein Oelbaum in einenFeigenbaum/durch die jetzigerZeit wohlbekannte . könne tr-n-^szizmirt

du einen jeden Zweig auf einen jeden Baum impffen.-

welches er auch in libro peculjzri ^e^ibonbvs e»p.26. wiederholet.

Den Psersichbaum auf eine Weide zu bringen/leh-ret psllaäius lib. z. csp 17. LonÜsnlinus IV. tlN io.Buch feines Feldbaues im z8. Cap. weiset aus demviopbänc. eins theils sehrungereimte/und fast unmög-liche Jmpffungen/ als daß man Feigen auf Mandelnund Ahornen; Maulbeerbaum auf Kästen und Buch,bäume; Birnen auf Granaten / Maulbeer / Mandel-baum und TherebinthenAepffel aufZwetschgen undAhornen; Nüsse auf Hagdorn; Granaten auf Wei-den; Lorbeer auf Eschenbaunnmpffen solle; bekennetaber eben daselbst/ daß er offt versucht habe/ Aepffel aufCitronen zu peltzen / so offt sie aber ausgetrieben haben/sind sie wieder verdorben; meldet doch dabey / wannsie bekleiben/ so werde eine Frucht daraus / die manCitronen Aepffel nennet; Item / so man Citronen aufMaulbeerbäume pfropffet/ so werden rothe Citronendaraus. Sagt auch ferner: Die Kütten und wildeFeigen nehmen alle Bäume an / drum mag man sie hinimpffen/wohin man will; die Citronen werden rechtauf Granaten gepeltzet/wie Oiä/mus in seinen Feld-Büchern sagt, klorentinu» vermeint/ man möge woleinen Rebstock in einen Kerschbaum impffen / daß er imFrühling Trauben trage; Item/ wann man einen Oel-Zwem auf Reben peltzet/ fo gebe es eine Frucht/ dieman Oel-Trauben nennet.

Diß alles hab ich nicht aus Scartecken der Be-krieget oder speculirenden Fantasten/die/ aus Begierde/Geld zu machen/ offtauch aus Einfalt/ihres gleichen/zuungläublichen Dinaen überreden wollen; sondern ausden berühmtesten Authoren/aus dcnRömern undGrie-chen anziehen wollen / daß man sehe / daß die Begierde/neue wundersame Dinge und ^ictamorpbolc» zu er-fahren und zu wissen/ auch bey vielen hochvernünfftigenLeuten eine Leichtgläubigkeit verursacht habe / daß die

werden/und beschliesstmit diesen Worten: Also magst .von der vielfältigen Vermöglicbkeit der wirckenden

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Natur / auch offt unmögliche und ungereimte Sachen

geschlos-'