Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
545
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Vierdten Buckö Anderer Theil/ Obst-Garten.

denPeltz-Zweigleins/sind alle neu auetreibende Aeug-lein tüchtig und dienlich/ die nur groß/ säffrig und frischzwischen den heuer-geschossenen zarten R-ndcn/ und ei-nem Blat/wie ein Hertzlem/ Herfür gucken/ die müssen/mitsamtder Rinden/daran das meiste gelegen/abgelö-set werden. - Das Messer muß scharff seyn/ damit dasAeuglein mit samt der Rinden/ und seinen inwendi-gen Kern/ oder schwachen Aederlem/ vom Holtz abge-ledigt werde; dann / wofernedie Rinden an dem Ort/wo das Aeuglein ist/hohl ist/wirds nicht gerathen; dasSchildlein/ woran das Aeuglein hängt/ soll ohngesehrdrey zwerch Finger lang und elwann eines Daumensbreit seyn. '

Das Aeuglein abznledigen/willHm Dümler/esge-schehe am füglichsten / wann man den Daumen an dasSchildlein setze/ sirtiglich drucke/ und so lang bewege/biß es sich vom Holtz abiedige/ jedoch muß des Aeug-leinö geschonet werden; wann es nun loß ist/ und dasAeuglein nicht abspringet / so eine gute Anzeigung ist/wird das Schildlein bey dem Aeuglein starck abge-druckt/ und alsbald fleißig darauf gesehen/ ob der Kernim Schlidlein verblieben, wäre es aber am Baum han-gen bleiben/oder so das Acu'glcin gar durchlöchert/oderetwas Holtz mit abgerissen mid zäsericht wäre/ käme esMtz untüchtig.

Man kan einen Baum a'.tf etlichmal äugeln/ undhierdurch schöne Frucht zu wege bringen dann / wannman auf dasjenige Holtz/s) von einem geimpfftenAeug->em geschossen/wiederum äugelt/wird dieFrucht grösserund wolgeschmacker.

Her: cic 8crrcs aber sagt/daß/dieftArbeit desto leich-ter zu verrichten/ man wohl ein wenig glattes Holtz ander Rinden lassm kan/ das Aeuglein desto gewisser juversichern/so an dem Wachsthum keiueVerhinderungbringet.

Das Holtz aber/ so am Aeuglein bleibt/ muß nichtdicker/ als die Rmden seyn ^ und fein gleich standenandern Stamm schickm/oder/daes uneben ware/mußes geschicklich vergleicht werden, ^anzrs sagt/ dieses

sie treiben bälder und ftecher/und vereinige sich-sinHoltzmit dem Safft eher mit dem andern Holtz / als mitder blossen Rinden. Diß hat allein statt zur Zeit/wannsich die Rinden gernvom Baum abledigt / und nur anBäumen / die eine starcke feste Rinden haben / als anMaulbeer-Baum/Oliven/Kesten/Feigen/Hasel-Nüs-sen/Pfersichen/Mandeln/Limoni/ Pomerantzm/ Gel-somin/Aepffel/ Birnen/und dergleichen. Wer damitumgehet/ ssllreinseyn/ undsaubere/wol-gewascheneHände/ auch nichts Sauers oder Scharffes angerührthaben. . - .

So bald man dieses Aeuglein recht tauglich hat /schneidet man in ein vorhin schon zugerichtetes Baum-lein/in dieRinden/wo auch einAeuglein gestanden/oderwo sie nur glatt ist/ den Buchstaben ! , etwas grösser/als das Schildlein mit dem Aeuglein ist; weichen etlicheauch umkehren; tbeils aber schneiden nur ein Creutz X,oder f welcher aber nicht so sicher/ tveiles nicht so gernheilet; das Holtz aber muß nicht geritzt seyn; obenaufdarffman die Rinde nicht öffnen / nur den herabgehen-den Schnitt/ muß ihn aber wol der Weil lassen/ undfein sacht und bescheiden damit handeln. Das Schild-ein muß/ wann mans nicht den Augenblick wieder ein

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legen kan/ unterdessen in em Glas voll Wasser gethan/auchmuß der Safft an dem Stamm/ davon man dieRinden abledigt, nicht abgerieben oder weggewischtwerden/ dann/ wann dieser Safft nicht bleibt/ kan dasfremde Aeuglein mit dein trockenen Holtz nicht zusammen wachsen.

Es haltaber nicht für rathsam/daß man dasAeuglein/ oder Röhrlem (wieetliche thun) in ein Was-ser lege/dann solches verzehre und clissoi vire denSafft/dadurch es bekleiden solle; darnach senckt man dasSchildlein in die beederseirs abgelöste Rinden / daMdas.Aeugleingerad auf den herabgeritzten Schnitt indie Mitten komme; zum Abledigen kan man das Beinoder Holtz gebrauchen/ dauut man in die Rinden peltzt/so bald die Rinden ledig/muß dasSchildlein ohne Ver-zug eingelegt seyn / es wird mit des Wildlings Rindenbiß aufdasAeuglem wieder bedeckt//das muß frey sey»/und wird hemach mit einem hänfenen Faden / so langder Einschnitt ist/ (doch/ daß man des Aeugleins scho-ne) nicht allzuhart noch allzuwenig / weil daran viel ge-legen/ verbunden/ damit der Safft desto besser sicheinverleiben möge/ so nicht seyn kan/ wann es zu hattzugezogen und eingestrengt wird. Mit dem Bmdenmuß man oben über dem Aeuglein ansangen / undden gehäben Umwinden biß hmab fortfahren/doch/ da-mit das Aeuglein nicht beruhtt/ aber doch ihm gar einewenige Lufft lasse / und wann es also überwickelt/ wirdder Hanff-Faden zugebunden; man kans die ersten 4.oder >. Tage mit einem grossen Blat bedecken / damttdieheissen Sonnen-Strahlen/ oder scharffe Winde/nicht beykommen; unterdiesem Schatten / tzn^usmin l'kalaino nuptisii. wird sich der Safft mir demneuen Aeuglein vereinbaren. Der Wildling oderStamm muß so oberhalb/ als unterhalb/ aller beyseits,stehenden Aestevorhero / um Weyhnachten/ oder her,nach/wie Her: kk^oriuzwill/ auch fast sichererist/ be-raubt/ und alle andereZweige und Augen abgeräumtseyn / damit der gantze Safft allein zu diesem Zweckdie-ne;dasAsuglein ist besser/daß es gegen Oriem oderMit-ternacht geschehe/damit die Rinden feuchter und früch-tiger bleibe.

Wollte man aber mehr Aeuglein auf einen Stammpeltzen/ muß es nicht gerade übereinander/ (damitdas Untere dem Obern denRahrungs-Gang nicht ab-stricke / und das Obere dem Untern ben nassen Wetternur dem Abtropffen nicht beschwerlich sey) sonderngegeneinander über / oder seitwärts geschehen / daßalso jedes seinen Safft haben/und den Nächsten damitnicht schaden möge; in 8. ober 10. Tagen wird manschon sehen / ob das Aeuglein treiben möchte / wannes frisch bleibt/ aufgeschwillet / und das daran-klebendeBlat abgeworffen wird/ so ists ein Zeichen einer glück-lichen Bekleidung; in dreyen Wochen wird manschon das Wachsthum spühren/ so mag man hernachdas Band abläsen/ und muß das wachsende Zweiglemmit einem Pfahl oder Stangen versichert / daran sittigangebunden/ und vor Sen Winden/ oder aufsitzendemGeflügel / damit verwahret werden; also werden diejungen Bäumlein in den Stamm / und die alten in diezarten Aeste geäugelt. Das Peltz-Wax / damit dieseneue Jmpffung zu versorgen/ gibt auch gute Beförde-rung/ weil der Safft desto sicherer sich mit dem neuenGast (ohne Hinderung des Windes oder Nasse) alft

Z t ! ij

ver-