Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
543
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Vicrdten Buch-Anderer TIM/ Obst-Garten.

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mit einem Tuch sauber eingewunden werden; theilsnehmen Leim oder Thoon / an statt des Miesscs / manmuß alsobald ein Stanglein oder einen dürren hohenStrauch darneben stecken/man kanwol/ wann manwill/das gepeltzteZweiglein abschneiden/und nichtmehrals zwey oder drey der untersten Augen daran lassen/ sotreiben sie lieber und frecher/nur daß sie oben mit Peltz-

l Wachs verkleibt sind/und können sie weder Wild nochI Geflügel so leicht beschädigen.

' Starcke Wildlinge/ die grobe Ninden haben / istbesser sie werden abgestutzt/daß sie von neuen treiben/von diesen Aesten lasst man zwep oder drey / darnach erstarck ist/ein Jahr lang stehen/ und peltzc tm Frühungin die zarte Rinden/so gerathet es wol.

Xlii.

Wie man auf grosse Bäume peltzen soll.

S kommt zu Zeiten / daß manmitden Peltz-Zweigen betrogen wird / in welchem Fall dannein Haus-Vatter gantz aufsichtig handeln/nichtleichtlich trauen/fondern/wo möglich/selbst/oder durcheinen guten Freund/zusehen lassen soll / den Baum unddieFruchtwolzu erkennen; geschichts aber/wie es leichtseyn kan/daß ja ein solcher Baum/ der ?/z/oder mehr-malen schon getragen/und nicht so gute Früchte gäbe/als die Hoffnung gewesen / oder aber gar nicht daranwolte/nur viel Holtz und Blätter/ nie keine Fruchtbrachte/oder er sonst unter seinen Bäumen einen oderden andern / der am Stammen unversehrt / fünde/daran ihm die Frucht nicht behaglich wäre / ist keinbester und süglicher k-mcckum, als den Baum abpel-M und mit edlern und bessern Zweigen versehen.Damuß er nun anfangs die Zweig oben aus/wo sie glatt unzart sind/absagen/ beschneiden/ und also die Peltz^wei-ge/allermassen droben gedacht ist / einsetzen und verbin-den; unterhalb des Peltz-Reises aber/ ein oder zweymittlere Stängel mit Stroh oder Stricken also anbin-den/daß sie über den Zweig / wenigst einer Elen hoch/hinaus gehen/ oder man kan dürres langes Reis darzumachen/ welches bester/darauf das Geflügel/und nichtaufdas Reislein sich setzen/und es leichtlich abbrechenmöge. Ich kan mit Warheit bezeugen/daß ich solcherWeise einen grossen alten Holtz-Apffelbaum mit dengrossen rothen Ungarischen Aepffeln peltzen lassen/dienoch denselben Frühling geblüht/und im Herbst zehenoderzwölffAepffelgetragen/die übrigen aber meistensübers Jahr/oder aufs wenigste in zweyen/ Frucht ge-bracht haben. Und es ist der Vernunfft gantz gemäß/daß ein Baum/ dessen Wurtzeln in ihrer völligen Aus-theilungrecht eingesenckt liegen / gnugsamen Safft ansich ziehe/ und wann sie die Nahrung / so sie vorhindem gantzenBaum/und so viel grossen Aesten/eingiessenmüsten/hernach nur in etliche schwache Peltz-Zweigleineinsassten/ daß sie den Wachsthum/ Zunahm und Er-grösserung/schnell und gleichsam augenscheinlich beför-dern/ wann man nur in diesem emsig und fleissig ist/

daß kein Wasser-Zweig übersich aufkomme/ sondemalle gleich alsobald weggeschnitten werden / verwegenman das erste Viertel-Jahr eine Laiter allzeit angelehnthalten kan/damit dem Auswachsen desto bester geweh-ret/ und der Safft in die Peltz-Reiser zu tretten geno-thiget werde.

Dis Peltzen auf die alten Baume ist auch darumnützlich / wann einem offt aus der Fremd edles raresObst geschickt wird/und man nicht genugWi-dlmg hat/sie anzubringen/ daß man sie auf solche grojse Bäumepeltzen kan/damit man inskünsstig diese Art weiter inseinem Garten fortbringen/ oder auch andern damitdienen und helffen könne.

Auf solche alte Bäume/wann sie einen gantzen gesunden Stammen/und viel und schöne geschlachte Aeste haben/kan man wol untezschiedlicheGattungen aufpeltzen/wie es bey etlichen gemein ist/ daß sie aufeinem Baumzehen/zwölfferley oder mehr Sorten aufpfropffen/ undstehet artlich / wann aufeinen Baum grosse Pultzer-Birn/kleineMuscatell-Birnlein / und andere Gattun-gen von unterschiedener Grösse / Geschmack und Färbin die Augen scheinen; doch aus diesen ein Handwerckzu machen/das ist/zu viel Baume auf diese Weise wol-len mit vielerlei) Obst bezieren/ dunckt mich/ würde einegeringe Wirthschafft seyn/weil sie doch nimmermehrso reichlich und so gut tragen/als wann sie von einer Artbeladen sind/dann der Baum nur einerley Safft/ undzu einerley Zeit übersich treibt/ das Früh-und Spat,Obst aber unterschiedenen Trieb erfordert/also bekomteines zu frühe/ das andere zu spat/ eines zu viel/ das an-dere zu wenig/ und dieses ursachet / daß dergleichenBäume mehr per curiolitk, und etwas seltzames imGarten herzu weisen/als daß man viel Nutzen davonhoffen sollte/gepflantzet werden ; wer in seinem Gar-ten einen/ zween/ oder aufs meiste drey solche viererleyArten tragende Bäume hat/der soll sich billich damit be-gnügen/sonderlich aber keinen gutengeschlachten Obst-Baum/ diesen Fürwitz zu befriedigen/ abpeltzen / undgleichsam inWagnußundGesahr dardurch setzen lasten.

xiv.

Wie man in die Rinden peltzet.

Jest Art zu peltzen ist in Oesterreich nicht so ge-mein und gewöhnlich / als die in dem Kern/wird aber im Schweitzerland/nachHerrnkK--sorii Zeugnuß/mehr als das andere practicirt/ wirdmehrentheils mit grossen starcken Wildlingen/die dicke

I Theil.

Stäme haben/verrichtet/wo sich die Ninden vomHoltzleichter absondern lässt/so an kleinen und schwachen/we-gen der Rinden Zärtiqkeit/ übel zu thun ist; da wirdder Stamm etwas höher/ ohngefehr anderthalb Elenhoch/ abgeschnitten/ und mit einem schärften Messer

Zu

gleich