Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
541
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Vterdten BuchSMdererLheü/Obst Gatten.

54!

Sand oder Micß aufbehalt/ wann sie unten altesHoltzhaben/litcht so leicht von derLusst oder denWinden ent-safftet und ausgesauget / auch von dem Drucken undAngreiften nicht so ielcht verletzet werden; und ist son-derlich das alte Holtz an denen Peltz-Zweigen/ die manweicverschickenwill/ desto länger zu lassen / sonst hatsam Peltzen wenig zu bedeuten/ wann man gleich denEinschnitt von dem nächsten Auge daran ansängt/ unddasaite Holtz garwegschneidet;man kan auch woldiePcltz-Zweiglein/ die man nicht erreichen kan mit Han-den/nnc der Baum-Scheer abschneiden.

6. Ob das Peltz'Reislein gleich alsobald/ odereineZeitlang hernach/ soll ausgepeltzt werden / sind auchunterschiedliche Gebrauche; viel psropffens alsobald! nachdem es abgebrochen/ ich habe aber befunden/ daßdiese Reiser / die man etliche Tag im Sand an einemtcmperirten Ort ligen lässet/ hernach besser bekleiden /vielleicht/ weil die mütterliche Nahrung in etwas aus-gedünstet/sie nach der frischen Anziehung desto willigersind; hingegen/ wann sie vollkröpfflg/gleichsam vonihrer Mutter - Milch voll sind/ den fremden ungewohn-ttn Sasstosst so ungerne und so lange nicht annehmen/daß sie (weil der Stamm gleichfalls seine Mutter-Brust einemfremden Stief<Kind ungerne mittheilet/und lieber seinen eignen Austrieb suchet/ der aber aufalle Weise zu verHuten) offt gar darüber abwelcken undverderbe».

I Her: Dümmler vermeynet/ die Zweige / die langan feuchten Orten verwahret werden/ sonderlich v»n

den Apffelbäumm/werden offt von den Mäusen bena-get/ oder sie werden Wasserschlündig/und die davonkommende Früchte Wassersüchtig/dlebald anheben zufaulen; derowegen sey besser / daß man im Gartenzwischen zweyen Bäumen ein Loch grabe emer Eienlang/einer halben breit/ und einer viertel tief/den Bo-den ein wenig mit Sand beschütte/ diePeltz-Reiserordentlich / gleichsam lahnend nacheinander hineinschlichte / alsdann über das Loch Reiser lege / ctwanneine gute Spann dick / mit Erden überschütte / odermu dem ausgeübten Wasen bedecke/ so bleiben dieReiser/ bis zur Peltz-Zeit/auch etwas langer/ stifchund gut.

Die Peltz-Reiser bis zum Auspeltzen frisch zu be-halten/werden sie in weichen linden Hafner - Doon/oder andern linden Letten / oder nur in feuchtenMies eingesteckt/ und also in Gewölbern und Kel-lern verwahrlich gehalten/ wann aber solcher zu hartwird und zu trocken / mag man einen frischen neh-men / doch daß die Zweige mit Wasftr nicht be-feuchtet/vielweniger darein gesteckt werden / weildas Obst hernach Wassersüchtig wird / und baldzu faulen anhebt ; die Gattungen der Zweige sollman absondern / und anjedes Geschlecht ein Zettu-lein anbinden. Mann man aus fremden Landen /als Italien/ Frankreich/ Zweige bringen lassen will /müssen sie in ein gedrähetes langes wolverwahrteshöltzernes Röhrlein eingemacht/ und mit Honig ange-gossen werden.

dz?. XII.

Vom Peltzen in den Kern oder in Spalt.

Je vornehmste Sorge ist/gerechte gute Pcltz-Reiser von edlem Obst zu bekommen; die an-dere/ ob die Lusst unsers Landes auch samt demBoden bequem ; die dritte / ob der Wildling schön /tüchtig/ recht eingewurtzelt. In zweiffelhassngenSachen soll man nie zu viel thun/nur probiren bis mandas Gedeyen erlernet.

Die meisten Gärtner zwar wollen bey den Peltz-Zweigen ein wenig von vierdigen Holtz; aber viel neh-men einen langen Zweig/ (nach Herrn 8errcs Be-richt) schneiden ihn in zwey oder drey Stücke, und pel-tzen (wie er sagt) mit gutem Glück davon früchtigeBäume: Also kan man/ wann ein Obst rar und hart zubekommen/ auch von einem jungen Bäumlein/ (widerder meisten Meynung) das noch nie getragen / sicherzweige nehmen und peltzen/ auch von ihrem ersten An,trieb / und bezeuget dieses Herr äe Scrrcs, einer von> den besten Authoren/ die mir in der Occonomik vor-kommen sind / mit seinem eignen Exempel.

Die Peltz Zweige sollen mittelmäßiger Grösie seyn/wann sie nur viel Trag-Augen nahe beysammen ha-oen/ «o darssauch der Mond nicht so genau (nach aber-gläubischer Rechnung vieler Gärtner) in Obacht ge-halten seyn/ nur daß es schön und heiter am Himmel!ey; die Zweige mögen wol lo.otzer 12. Tage ligen/ehe man sie auf impftet.

Die Alten haben ausdas Peltzen viel gehalten / da-her auch paüaciius, in ftinemBuch lnlttionibus. dasPeltzen also beschreibet:

Lud llulaini tclices jüngere Lvlvas,

t.lllvbvl> mitluscrclcakutririHuc Occor,

Oonncxum^uc 51cmus vctlireöKnikuz umbrl8,Ll ßcmmu pattuin nobililste LomH.

kwclcnbus blsnclis ciulc<^8 confuncjere luccos,kl Istum ciuplici irugc lsporisali.

Man kan auch wol .' wann man edles Obst an frem-den Orten weiß/ die Zweige im Herbst brechen/ nachHerrn 6c Lcrrcz Bericht/wann man sie in einer andert-halb Schuh tieften Gruben/ bisaufdiePeltz-Zeit/ein<sencket / und also verwahret/ daß sie weder Lusst nochWind empfinden. Die man weit herholen lässet/sollenin kleine länglichte Laglein und Fäßlein/ mit guter sub-tiler Erd: eingepackt und wol vermacht werden; undso die Zeiten gar zu dün/ magmans durch dasBailwol etwas wassern ; also soll man sie offt in die fünsfMonat und länger erhalten. Diß aber ist nur von ed-len Früchten/ die man aus der Ferne/ osst nicht zu rech-ter Zeit abholen kan/zu sagen. Theils machens auch mHönigoderMieß/ oderseuchteHadernmit ein wenigErden ein/ oder in eine frische Ruben/oder machen dar-zu einen Taig von Mehl / Hönig und Baum-Oel/ wieHerr Eißholtz meldet.

Das gewisseste aber ist in einem Fäßlein/oder in ei,ner langen Schachtel; wann sie in dem Grund einge.

macht