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Th. 1 (1716)
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540
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De6 Adelichen Landend Feld-Lebenö

xi.

Vom Zweig-Brechen.

Jt demZweige-Brechen ist sich ebener Massenwol vorzusehen/ weil es gleichsam der Saameist/ daraus der zukünfftige Baum werden muß;es gehen bey etlichen viel abergläubische Ding mitunter/ die ein weiser Haus-Vatter billicher auslachen/als nachahmen solle. Diese aber soll er gleichwolals unverwerffliche Regeln / m Betrachtung ziehen -i. Daß er den Baum / davon man Zweige begeh-ret/vorhei wohl betrachte/ was er für ein Obst tra-ge/ob es groß/ klein/süß/ sauer / oder obs der Mühewehrt / ob er gern und viel trage / in was Grund erstehe/ob er alt oder jung/frisch oder halb verdorben/nurZierey und Wurmstichen beladen/oder mit einem ge,simden Stammen versehen/ob er dasselbe Jahr vor-her viel oder wenig getragen / ob die Blühe und Aestemchtvom Reiff oder Schauer verderbt worden. Un-fehlbar ists/ daß ein alter Baum/ wann er nur nochfrisch ist/ und gern tragt/ die allerbesten Zweige gibt/daoon am ehesten Frucht zu hoffen; hingegen die schö-nen jungen/gailen/früchtigen Baumtein/ wann sieschon zwey-oder mehrmal getragen / zwar schöne fetteReMein, bringen / die gern bekaimen und resch aus-schiessen/ aber gemeiniglich mehr Holtz als Frucht ge-ben/ darauf man vfft mit Verdruß viel Jahr lang war-ten muß.

2. Müssen die Zweige erst anfangen Augen zu gewin-nen/ und nicht zu weit heraus seyn / oder wann sieschon auseinander gehen wollen / weil sie hernach diefremde Nahrung um so viel unlieber annehmen/ je grös-ser und starcker sie gewachsen sind; daher man auch mitdem Stein-Obst/ sonderlich mitKerschen/Amarellen/Weichselnund dergleichen/so lang nicht warten muß;und wie es ein Jahr ehe warmer/ als das andere wird/also müssen sie auch spater und früher/ nachdem der Au-genschein ihren Trieb anzeigt/gebrochen werden.

z. Daher auch die Zeit so punÄuei nicht vorzuschrei-ben; viel halten dafür / daß die im kcbrusrio gebroche-ne Zweige nicht leichtlich mißrathen/ ja/daß das in die-sem Monat gepeltzte Obst nicht soll wurmig werden/welches aber mcht durchaus/ sondern cum ^>i»,und mehrentheils von dem Stein-Obst zu verstehen ist/indem die in diesem Monat allzuscharffe frostige Lufft/die neu ausgepfropfftenReislein leichtlich erfrören/undalso die angelegte Mühwaltung verfehlen lassen wür-de. Etliche wollen/ man solls im wachsenden Monden/drey oder vier Tage nach dem Neumonden (etliche solang vor dem Neumonden ) vor Anfang der Sonnenvornehmen/und glauben/daß wieviel Tage man vordem Neumonden peltze / in so viel Jahren trage ein

BaUM. Lurculi scl inlcrcncium cs>pi ctcdcnt vcrlusOrientcm.in quikus mult^e zcmmulze, czus vcZeläsollen übersich gebrochen werden. InSumma/ ein Gärtner muß sich in diesem Fall alleinnachderZeitrichten/nachdem die Bäume frühe oderspat austreiben/also solches im Mcrtzen / April / bis-weilen wol gar im Anfang des Mavens verrichten/al-lein soll er sich befleifjen/daß es bey schönem Werter ge-schehe ; das früh-zeitige Obst wird eher/ das Winter-

Obst aber spater darum gepeltzt, weil auch eines zeitli-cher als andere ausschlägt.

4- Die Reiser müssen nicht sernbon dem Gipssel ge,gen Osten und Süden / ^Lrc lercno, gebrochen wer-den ; viel Haltens für gewiß / daß die Reiser aufwärts/und nicht abwärts sollen gebrochen seyn/ und sey sich zuhüten/daß das Reislein nicht aus den Händen entfalle/gleichsam/als solle selbiger Baum kem Obst behalten/sondern alles abfallen lassen/ tecl viäctur lupe-Mio-ncm quanljam s^erc; wiewol viel unter den altenBauren-Regeln nicht zu verachten sind/und alleDingein der Wirthschafft ihre gewissecsmioncs und Beden-cken haben/ die man nicht leichtlich übertretten solle.

Von der Peltz-Schulsind/ wie gehört/ unterschied'liche Meynungen/lst aber nicht zu zweiffeln / daß es eherbekleibe und beständiger sey / was bey dem Neumondgeimpfft wird/ als bey dem Vollschein/ob sie schon beydiesem eher/ auch mehr tragen / doch verzehren sie auchihre angebohrneKrafft eher/ nach dem Sprüchworl:

(^uoct t.uö Kt, cito perir.

Vincen?o 1'anzrg gibt diese Regel: 8i tszlianoisorcoli, cis cui kanno 5 vcnir i irutti, k l.una msncanle, e conlcrvsti lotto 1 crrs,inscriscono s I-vnscrcsccntc,iüczucI1'ronco,c>ual clcVe porZer -limcnto rsmi (j'^IonAartiz^usIl in maniera

no lonZKi c srutli kcant^. Die beste Peltz-Zeit soll seynNachmittag und gegen Abend / weil die Feuchtigkeitder Nacht das Zweiglein desto besser erfrische/ soll auchweder Wind noch Regen seyn / und die Messer sollensauber/ scharff-schneidend und sonst zu nichts/ sonderlichweder zu Knobloch/Zwtebel/oder andere scharffeDingezu schneiden/gebraucht werden.

Also seyen die donjunctioncs 8c Oppositionell,,n« cum Loie, Laturno Kc lviarle, dem Peltzen zuwi-der/auch wann der Mond in lioniz jznci, odertcrrcizist/ als imWldder/Löwen / Schützen/Stier/ Jung,frau undSttinbock/die andern Himmels-Steliungen/

alsdie LoniiZurationc» 1.uns cum Vcncrc 8c /ove,zuvoraus cum /^ercurio. wann der Mond die andernsechs diiZnz ^oclisci durchwandert / sind gut und sehrfruchtbar. Wiewol in diefem viel widerwärtige Mey-nungen von den ttorliculk urs Scriptoribu» vorfallen;HerrElßholtz hält das Zeichen des Krebses und Scor-pions zum Peltzcn böse/hingegen denStierundStem-bock gut; also ist in diesen sich weder auf eines noch dasandere viel zu verlassen: deswegen soll ein Hauß-Val,ter in diesen und andern WirthsschafftS- Sachen ausder Sternen ?o5,cion und der himmlichen intlueitzenWirckung nicht allzusorgfältig sich vergaffen/ sondernmehr darnach trachten/ daß er zu allen Garten- undFeld-Arbeiten Hellesund stilles Wetter/ womöglich/erwähle.

5. Das Peltz-Zweiglein soll man von einem jährigenSchub / etwan einen Schuh lang mehr oder weni,ger/wie es sich schicket/ abbrechen/und ein wenig al-tes Holtz / wenigst zween Finger breit daran laßen/nicht als ob es eben seyn müste/ sondern mehr darum/daß man die Zweige offt nicht gleich auspeltz t / undum

Sand