Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
539
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Vterdten Puchö Andei

schmackes/aus einem frühen ein spates/ja aus einemKüttenstalnmeinBirn-oder Apffel-Baum wird/ 6cvi« vcrsÄ.olso daß jener Poet nicht unrecht sagt:

inicrc 5urcuto»

?!anris 8c arborum ca<jucsm?rolc novZ rcpars sencÄam.

Daher diese Kunst nicht aliein dem gemeinen Wesennützlich/sondern auch grossen Fürsten und Herren an-ständig und üblich ist. Herr cw Serrcs bezeuget / daßfssncjlcuz I. Königin Franckreich unter andern tu-gendsamen Übungen/ auch in Peltzung der guten undedlen Obst-Bäume wol erfahren und kündig gewesen.

Im fetten Erdreich soll man die Stämme/ daraufman peltzen will/etwas höher abnehmen/ in dürren undmagern Grund aber kurtz / man soll Birne auf Birne/Aepffel aufAepffel/ und in allerhand Sorten gleich aufgleiches peltzen / so kommt und gedeyet alles bester/dann/ob ein Widriges zu Zeiten schon gerathet/so dau-ret es doch länger nicht / als die natürliche Anmuth ei-nes jeden Gewächses mit sich bringet/ daß es / wasfremd ist/ nicht gern in die Lang ernähret / auch dasFremde selbst offt lieber verdirbt/ als den ungewöhnli-chen Safft bestandig annimmt; der Stamm theiletzwar dem Peltz-Zweige / den er tragt / seine Safft undTugend auch zum Theil mit/ er macht sie aber niemalsihr Gesellschafft verändern.

Ich habe auch selbst vornehmecavslicrs und vawcsgekennt/die eine Freude damit gehabt/ und sich selbsthierinnen cxsrcirt haben; will die alten Geschichten

VvnLvro, Latone, ^ttslo, Oioclctisn», <üonksnti-

no. und andern tapffern berühmten Leuten / allhiernicht anziehen/ den Leser mit unnöthigen lähren Redennicht aufzuhalten.

Es sind aber von den bekanntesten und gebräuchlich-sten Peltzen viererlei) Arten / in den Kern/ in die Rin-den/das Aeuglein und das Röhrlein; wie nun die erstenzwey in dem Kern uvd in die Rinden / alfo haben auchdie letzten zwey/ etlichermassen/ eine Aehnlichkeit.

Diese zwo Arten schicken sich zwar zuallenBäumen/doch müssen beede der Stamm/ und was darauf ge-impfft wird/nahe bey der Stelle und an derHand seyn;die ersten zwey aber mögen auch aus der Fernen herge-brachte Peltz-Zweige beherbergen/weil man solche et-liche Wochen lang verwahren und behalten kan. Aufwelche Weife man auch aus fremden Ländern Früchtebekommt/so weder durch das Aeugeln noch das Röhr-len geschiehet. Das vornehmste im Peltzen ist/daß sowol desWildlings als desPeltz-Zweigleins Natur undÜbereinstimmung zu beobachten/ dann ob wol zu Zeitenfürwitzige Proben gerathen/ so dauren sie doch nichtlang/ tragen auch nicht so reichlich/ und soll man nie ei-nem fchwachenWildling einenZweig von einem flüchti-gen Ast-reichenBaum aufsetzen/sondern lieber dasWi-dechiel/am liebsten abergleiches aufgleichespfropffen.

So dunckets mich eine schlechte Wirthschafft seyn/wann man gute Zweige aufwilde Bäume/ als Erlen/Ulmen/Weiden und dergleichen peltzen wolte / indemsiegantz ungleicher Natur / dann entweder werden siegarnicht bekommen/ oder doch einen widerwärtigenseltsamen bösen Geschmack an sich haben»

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er Theil/Obst-Garten. 559

Artlich ist/was ^anara ttb. s.ioi Z97 ,erzchlet/habe vor 8<->. Jahre» ein Bauren Zung ?or-clam seinem Vatter/als er gepeltzt hat/zugesehen/ undsolches zu versuchen/ einen Apffel-Zweig aufemen jun-gen Nuß-Stammen eingepropfft/der Bauer/weil erden Nuß-Baum für verlohren gehalten / wollte denSohn schlagen/der ihm aber zu einem seiner Freundeentlausten/ bis der Vatter gesehen/daß der Zweig zuwachsen anfieng / hat er den Sohn wieder zu Gnadenangenommen/und verhofft / eine seltsame Frucht zu er-langen/seyen aberjustsolcheAcpffeldarausworden/wieder Baum getragen/ davon der Zweig gebrochen wor-den ; 'rsnaks sey selbst zu dem Bauren gereiset/ und disWunder besehen und gefunden/ den Bauren aber ge-fragt : Warum er solches nicht öffter probirethabe?Daraufer geantwortet: Er solle nur umsehen / obereinigen Nußbaum bey ihm finde/die hab er alle mit öff-ters wiederholter doch allzeit vergebner Prob zu Grun-de gerichtet und verderbt. Daher aus einem Exempelkeine Regel zu machen/viel weniger gute und fruchtbareBäume/aus Fürwitz solcher eitlen Proben / in Gefahroder Verderb zu setzen.

Ich wolte auch dieses (was ich oben von einemBauren gedacht habe) nicht rathen nachzuthun/der dieWildling/ so bald sie sind im Auswärts gebracht wor-den/ in der Stuben gepeltzt/ und hernach gleich daraufversetzt hat/weilen beede des Saffts bedürfftig / derStamm die Nahrung/ die er dem Zw eiglein/so gleich-samdurstig aus ihm zu saugen begehrt/erst vorhero ausder Erden erbetteln muß / und seine Wurtzen den or<ji-nari-Anzug noch nicht haben/ also wenig mittheilenkönnen/ daher vermuthlich miteinander verderben müs-sen; Also wegen einer oder der andern gerathenen Probder gewöhnliche sichere Weg nicht zu verlassen; und istweit besser/ die ausgegrabenen und wieder versetzte»!Wildlinge haben vorher m derPeltz-Schul rechtschaf-fen eingewurtzelt/daßsie schon ihres Wachsthums An-zeigung geben/ so dann daraus gepeltzt/ dann also wirdein Zweig in einem Jahr mehr/ als sonst in dreyen auf-schiessen/ eher Frucht bringen/und längerausdauren.

Die Zeit zu peltzen betreffend/ haben viel unterschie-dene Meynungen: Herr Laurcnberg berichtet/ er habevielmals zu Ende des Februar» glücklich gepeltzt ^glau-ben auch etliche/daß ein um selbige Zeit gepeltzterBaumvon den Würmern/an seinen Früchten unangefochtenbleibe: Andere peltzen zwey oder drey Tag vor demVollmond/ oder fo viel Tag hernach; die Vernünff-tigsten binden sich weder an eines noch an das andere/sondern wann der Safft in den Baum übersich steigt/fangen sie an zu peltzen/ so es nur still und heiter Wettergibt.

HerrDümler ist neben andern der Meynung/ daßdiePeltzreiser aufstecken im letzten Viertel des Aprils/also auch das Aeuglein im letzten Viertel des Mayen/allzeit drey Tage vor dem Neumonden/ ( wofern dieBaum im vierdten Jahr tragen sollen) geschehen müsse.

Alles Peltzen aber/ waserley Art es sey / muß gesche-hen/weil die Knospen an den Zweigen noch geschlossensind/ und eher sie sich anfangen zu eröffnen / ja eher sie'anfangen zu schieben. i

Vyy nj 65?.