Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
536
Einzelbild herunterladen
 

De6 Adelichen Land-und Feld - Lebens

536

verrichtm beginnet/ wiewol etliche derMeynung/rs seysicherer im Frühling/ sowol wegen der Kalte/ als auchwegen der Mäuse und anders Ungeziefers / sv zu einesjeden Gefallen stehet.

Die Bettlem mögen die Lcinge nach Belieben / dieBreiten aber nicht weiter haben/ als daß man beeder-seitsausdieHelffte des Bettes leichtlich reichen / unddas Unkrant desto bequemlicher hauen und ausjettenkan/ohne daß lnan/welches ihnen sehr schädlich / mitden Füssen daraufumsteigen darss. Wann dieSaatimSeptember oderOctobervollendet ist/werden sie denWinter über aufgehen / vor dessen Kalte müssen sie mitStroh /Tannen-Gras oder Brettern verwahret seyn/so werden sie zwar nicht überflüssig darunter aufwach-sen können / allein die Wurtzen wird sich diese Zeit überverstärken/daß sie hernach bey ankommendem Früh-ling desto tapfferer übersich dringen können/wird ihnenauch also der Frost desto weniger schaden; so bald sieansangen aufzugehen / muß ihnen alles Gras beyseitsgeräumt seyn/so genießen sie den Winter durch der Er-den Nahrung allein/ und verstarcken sich desto besser/wann man aber die Erden aufriegelt/ muß man nicht zutieff eingreiffen / damit die Wurtzen nicht beleidigetwerden.

Man muß im ersten Jahr die zarten Schößling nichtbeschneiden/ bis sie etwas grösser kommen/ nur daß sie/wann gar dürr Wetter einfällt / bisweilen gewässertseyen; im Anfang des Junii kan man die neu-ausge-henden Bäumlein/vor der Sonnen Hitz zu beschirmen/mit frischem zarten Wald-Farren,Kraut bedecken/ umsie vordem Ungeziefer zu beschirmen / im Winter kanman dieses zwischen dieNeyen der Bäumlein eingra-ben/ und den Grund damit verbessern.

NW und Stein-Obst aber werden zwar auch umdiese Zeit angcbauet/abcrZeil-wcise/4. Finger rieff/undso weit voneinander in die Erden gesetzt; theils wollen/man soll den Spitz an den Stein-Kernen untersteh/theils übersich kehren / welche aber beederseits ( wieich mich erst neulich berichten lasten ) irren / dann/aus dem Spitz beedes Wurtzen und Stammen kom-men ; derowegen der beste Rath/ daß man alle derglei-chenSaamen/so einen Kern oderSpitzlein haben/nachder Seiten/ daß sich das Kcimlein gerad aufdie rechteoder lincke Hand kehre/ so wird wedereines noch dasandere anBeschleunigung ihres Austreibens gehindert.VomhartemStein-Obst/als Pfersichen/ Marillen/Mandeln / soll man die Kern am Setzen nicht offnenoderauffchlagen/sondern lieber drey oder vier Tag vor-her einweichen/weilen dem offnen und aufgeschlagenendas Ungeziefer/ Maus und Wurme gefährlich sind/und will man den Geschmack verbesiern/kan das Was-ser /darinnen sie geweicht sind/mit Zucker oder andern> wohlriechenden Specien/ vermischt seyn.

Das Stein-Obst mag man wol also leichter fort-bringen/ daß mans im feuchten Sand einlegt / und ineinem Keller/Gewolbe/oder Zimmer auskeimen lässet;etliche setzen das Stein-Obst nach Weyhnachten inGeschirr/und wann sie aufgegangen/ setzet mans in dieBetten/etliche Spannen weitvoneinander/ und lässetsie also ein Jahr oder zwey stehen/bis sie erstarcken/ undhernack in ihre Stände mögen gebracht werden/so mitdem Kern-Obst gleichermaßen sich prsAic!ren lässet.Darum ist der Sand am besten/ weil die in der Kern-

Schule folgende Erizen hernach/durch bessern Grur.dauch ihnen desto anständiger ist/ und die Erde p-r Lra.-jus solle gebessert werden; wiewol es der Natur ge-mässer scheinet / daß diejenigen Kern / die gleich imHerbst ausgesäet worden / wann sieden Winter ein-mal überstanden haben / hernach allzeit den Winter-Frost desto unschädlicher erdulten/sie bleiben also an«derthalb Jahr/mehr oder weniger/ nachdem sie fort-kommen / in der Kern-Schul / hernach werden sieausgenommen/ und mdiePeltz-Schul versetzt/ dar-innen sie auch eine Zeitlang zu bleiben haben ; dis istjedoch nur vom Kern-Obst zu verstehen / darauf manzu peltzen pfleget / das Stein-Obst aber/ weites wei-ter voneinander zu setzen ist/mag so lang in der Kern-Schul verharren , bis man ihm einen bleiblichcnStand aussiehet/ allda es allzeit stehen solle. DasKern-Obst halte ich wol dafür / was von edler Art ist/dörffte eben so wenig abgepeltzt werden / wann man al-lein desto öffter/ das ist / drey oder viermal umsetzenwolte/so würde ihre Frucht so geschlacht und 6et>cstseyn/als das Obst gewesen/ daraus der Kern genom-men worden.

Und dieser Meynung ist Herr Heinrich von Nantzau/Königlicher Statthalter in Holstein/ ein trefflicher mitvielen Gaben gezierter / wohlerfahrner und gelehrterHerr/welcher es auch bestätiget in seinem geschriebenenHaus-Buch und kianulcripto. so zu BredenbergmHolstein in seinemSchlvß/als es dieKäyserlichen Völ-cker.^. 1627. im währenden Dännemarckischen Kriegeingenommen/ gesunden/und von Herrn Veit Kitzing/nachmalen Obristen von der HlliZicria .weggenom-men/von seinem Tochtermann/ Herrn Hans GeorgVögten / des Knöringschen Regiments Obrisren-Wachtmeister ererbt worden/ich es aber änno 1646.zu Drufendorff/ mit seiner Verwilligung abschreibenlassen; vermeldet nun woibesiigter Herr von Rantzaueben dieses/ und sagt/ daß die Baum viel langwührigerund besier/auch nicht so viel Zufallen unterworssen sind/als diegepeltzten.

Dis bestattiget auchJoh.Royer/daß ihm etliche sol-che versetzteKern-Bäumleingebluhet/undschöneFrüch^te getragen / daß er sich darüber verwundern müssen/gantz anderer und fremder Art/ dergleichen er vor niegehabt/ also haben sie sich verändert durch den Kern;Ich will hier (spricht er ferner) nur zweyer Arten Aepf-sel gedencken / so ich von Kernen erzeuget; der eineBaum trägt Aepffel / welche auf einer Seiten schönrothfärbig/aufder andern aber recht gelb/ und inwen-dig Schnee-weiß/ sehr lieblich und wolschmeckend ;dcrander trägt nicht allein sehr schöne und ansehnlicheAepf-fel/ sondern bringt auch zweymahl seine Früchte imJahr/ zum erstenmale blühet er mit den andern Bäumen/und hat darauf seine zeitige Aepffe>/ zum ander-mal blühet er um i>. )ob. öapt. wieder/ aber die Aepffelbleiben klein/und werden nicht reiff/ist gleichwol etwa?fremdes und seltzames; man muß aber (sagt er weiter)beyden gezeugten Kern-Bäum!ein dieses in acht neh-men/wann sie nun fein erwachsen sind/und zur Vcrpflantzung tüchtig/ daß man diejenigen / so spitze undstachlicbte Zweige haben/wie Dornen/ zuvor mit guterArt pftopffe/weil dieselben wild sind/und hemach/wannes Zeit ist/an ihren Ort versetze; die andern aber/so fei-ne reme glatte Aeste haben/ und dicke runde Knospe n/

darf