Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
532
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Bon lebendigen Zäunen und GeHägen.

Je lebendigen GeHäge/werden darum von vie-len zu Verwahrung ihrer Garten gebraucht /weil sie nicht allein im Sommer/ wegen ihresschönen ausschlagenden grünen Laubes und unter-mengten Blühen / ein angenehmes Ansehen geben/sondern auch/wann sie einmal recht dick ineinander ge-wachsen/weder oben noch unten jemanden einzusteigenoder durchzukriechen gestatten; ihre schärft'-stechendeDornenundStachel sind zugleich die Wache/und auchdas Gewehr / damtt sie/als wie mit Picquen undSchwerdtern/ der Diebe Einbruch begegnen; so magauch kein Meyer-Geflügel / zu geschweige» grösserThier/jemals dardurch kriechen oder einbrechen/undden Garten beschädigen; sie dauren auch/ wann sie ein-mal recht gepflantzt sind/ so lang als der Garten selbst/und je älter sie werden / je härter und stachlichter ver-wachsen sie ineinander/und verwahren dardurch/wasihnen anvertrauet wird/ desto besser,j Wann die jungen Schößlinge von Jugend auf in-einander geflochten werden / scheinen sie gleich einerMauren/und lassen sich/ wann sie also erstarren / nicht. mehrvoneinander zwingen; schön stehen sie/wann man! sie in gleicher Linien setzet/ oben und auf beeden Sei-ten/ in-und auswendig glatt abstutzet/ als wie andereGarten-Spalier/sie erfordern aber einen guten fettenGrund/ wann sie wohl fortkommen follen.

Die Frantzosen rühmen vor allen andern Stauden/den Weißdorn/ i'äubespmc, in Oesterreich Meelbeer-oder wilderDörnlein-Strauc!) genant/davon man ent-

weder die Beer im Herbst zum Saamen nimmt/oderin Wäldern hin und wieder/wo sie wachsen/ die kleinenBeysätzlinge von den alten Stauden ausgräbt/ vorheraber im Herbst / der den Winter-über offen bleibe/ ei-nen Graben macht/ eines Schuhes tieffund breit/undneben demselbigen wieder einen von gleicher Weitenund Tieften/ ?araiic>, daß zwischen beeden GrubeneinWeriFschuch Spgcium verbleibe/hernach im Frühling/wann etwan Feuchtigkeit und Waßer darinnen wäre/schöpftet mans aus/ füllet die Gräben wieder halb vollvon der ausgehebten Erden/ säet den Weißdorn-Saa--men/wann er vorhero ein drey Tage im Mistbrod undWasjer eingeweicht worden/hinein/und deckt ihn mitleichter Erden zu/so sängt er in vier Wochen schon a»!zu kaimen; so bald die Schößlinge anfangen Übersichtzu steigen/muß man sie an gerade Stäblem anbinden/^und einwärts richten / oder wann man Sählinge mitWmhen von den alten Stauden nimmt/und fetzt sie'nach Gebühr/ in die erst-angedeuten Gruben / je einenSchuch weit eines von dem andern / und schneidet sievhngefehr drey Finger hoch von der Erden ab/ wannzwey Jahr fürüber/ stutzt man sie noch einmal nn Volp!monden/ damit sie desto dicker nachwachsen; dis ge-!schicht meistens im Mertzen/und im folgenden Herbstwerden die neuen Schößlinge ineinander geflochte.i/die man/ nachdem sie wachsen/ alfo einrichtet / daß sieeinwärts einander umfangen und verwickeln/ daß vonvielen einander umfangendenSträuchen gleichsam nureine Mauer wird.