Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
531
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Vierdtm Buchs Anderer Theil/ Obj? Garten.

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Es ist Zwar dieses eine nicht geringe Mühe; so manaberbedenckt/ daß man durch diese einige Arbeit/wannsie treulich verrichtet wird / auf etlich hundert Jahrdem Garten helffen/ und seinen Kindern und Kinds-Kindern/aufs wenigste der Nach-Welt / damit nu-tzen und dienen/auch ihn selbst noch mit Freuden ge-nießen kan/soll man sich eine solche Arbeit nicht daurenlassen/sondern gedencken / daß ein wahres Sprüch-wortist: Guter Anfang/ halb ausgemacht; hinge-

gen? wann mans durch NachlWgkeir unterläßet / dieBaume nimmermehr recht und nach Verlangen ge-deyen mögen/ und er mehr Schand und Schaden/ alsEhr und Nutzen dabey zu gcwarten habe. Ich will aberhier von Prüfung/ Beschaffenheit oder Verbesserungdes Grundes weiter nichts gedencken/sondern den gün-stigen Leser in das siebende Buch/ vom Ackerbau / hin-weisen/daselbst wird er von dieser Materi mehr zu fin-den haben. «

Lx?. IV.

BonEmschliessung und Verwahrung des Obst-Gartens.

S ist zwar das beste und daucrhafftigste/wannman die Mittel hat/daß man eine Mauer mitKalch herum mache/ wo aber Kalch nicht ver-Handen/nimmt man nur Steine/ fügt sie zu-sammen mit Leimen/ und bewirffts hernach auswen-dig mit gutem Zeuge/ wann aber die Stein breit undglatt sind/legt mans also gerad aufeinander. Die le-bendigen Zaune sind auch schön und nutzlich/nehmenaber einen grossen Platz ein / und mit ihren Wurtzenthun sie den angrantzenden Gewächsen grossen Scha-den/ zudem/ wo sie einmal/ durch Untreu der diebischenLeute/oder Unvermögendes Grundes/anfangen aus-zustehen/sind sie mit harter Mühe wieder zu reparircn.Bey den Mauren fallt dieses bedencklich für / wannlerOrt weit und groß ist/daß sie sehr viel kosten/sindie zu nieder / kan man leicht drüber steigen / sind sieF hoch / stehlen sie denen näcMangrantzenden Bäu-men/ sonderlich / wo sie gegen Morgen und Mittagrehen/ die Sonnen weg / und hindern sie also an ih-rem Aufnehmen; daher nehmen etliche nur Palija-den/ oder hohe eychene Pfahle / die unten gebranntsind/ und lassen sie auswendig mit Epheu bewachsen;sind aber die Palisaden nur von Tannen- oder Fich-ten-Holtz/ so dauren sie auch über 10 und die eyche-ncn über 15. Jahr schwerlich / offr auch wol nicht solang/doch nach der Mauer halte ich die eychene Pfäh-le darum für die besten/ weil sie/ wann sie recht unten-her gebrennt/in anderthalb oder zwey klaffteriger Län-ge/und rechter Dicke gemacht / oben recht gespitzt/und mitFichtenen/Tannenen oder Föhrenen Aesten/oben unterhalb der Spitzen eingeädert ( wie mans inOesterreich nennet) oder dicht eingeflochten/ und inrecht gehöriger Tieffe gesetzt werden/nicht allein an tro-ckenen Orten lang dauren/ wider den Wind beständigseynd/die Sonne und den Lusst nicht aufhalten/sondernauch/wann sie unten in dem Grunde/ (wie an feuch-ten Orten eher sich zutragt) schon abfaulen/ nochmalenkönnen abgeschnitten/ gebrennt/und wiewol eine Elenkürtzer/ doch dannoch zu znnlicher guter VerwahrungI eingefetzt werden. Die Pfahle oder Zaunstecken / wieman sie in Oesterreich nennet/müssen so nahe aneinan-der untenher stehen/daß keine Henne oder anders Ge-flügel durchschlissen/bisweilen auch diescdarffen Spi-tzen obenher mit Dornen umlegt/ damit sie nicht hinauffliegen/und also den Garten belästigen können; dann/

ob sie gleich anfangs nur die Würmlein und Kaserlem! suchen/so ihnenwolzu gönnen/und depen Gewächsennutz wäre/so werden sie doch/wann sie einmal den jun-gen Salat/ SparLei und die zarten Pflantzcn kosten/! so verleckert darauf/ daß sie/zudem auch ihrer Art »mch/mit Scharren und Kratzen in den neu-angebauetenBettlein / oder auch an den niedrigen zarten Pel-tzern grossen Schaden thun/auch das Gras in denenObst-Gärten mit ihrem Mist und Unsauberkeit verun-reinigen.

Die Pfauen sind aufdenen Garten sehr verderb-liche Thiere / doch mehr in dem Krauter-und Blu-men- als in dem Baum-Garten / wiewol sie hierinnen/so wol wegen des Grases/als auch der Peltzer/ nicht zugedulten sind/am besten ists/ wann man ihnen nur deneinen Flügel stutzet / so mögen sie sich nicht in die Höheschwingen/fallen gleich übereinander/ und können we-nigerauffliegen/ als wann man ihnen beede Flügel ab-schneidet/ dann der ungleiche Trieb und Lufftfang dergantzen und abgestutzten Flügel / treibt an einem Ortzu viel/ am andern zu wenig / daß sie umstürtzen und fal-len müssen. Und da auch dieses alles nicht wäre/ istsdoch vonnöthen/ daß ein Garten geschlossen sey/wegenUntreu und Dieberey der Leute/ die am liebsten ernd-ten/ wo sie nicht gesäet haben. Unter den besten Mit-teln/dieses zu verwehren/ist eines/ ( sonderlich wannder Grund feucht ist)daß man Wasser-Graben her,um führe/müssen aber doch zum wenigsten 8. oder 9.Schuh breit/ und 6. oder 7. Schuh tieffseyn/ welchesman an ebnen Orten/ wo man Wasser hat/ desto leicht-licher kan zu wegen bringen / sie müssen aber lcsrpirtseyn/wie die Baumeister zu reden pflegen / und mitRasen bescht/ oder mit einen l'erss verwahret; ( wic-wol dieses bey einem harten leimichten Grund nichtallzeit nothwendig) man muß sie aber allzeit im andernund dritten Jahr räumen lassen/ sonst werden sie vollSchlams und Unflats/ das ausgeräumte Koth schlagtman übereinander/und lassets faulen / fo ist es in dieGarten und aufdas Feld/ wanns ein Jahr oder zweysich abgelegen hat/ sehr dienstlich ; zu dem kan manauch Fische zum Lust und eignen seinen Nutzen darin-nen halten; und wol/auch sonderlich ausienher/Wei-den/Erlen und Alberbaum darum pflantzen / so hatman doppelten Gewinn davon zu hoffen.