Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
509
Einzelbild herunterladen
 

Vterdten Buchö Erster Theil/Wetn-Garten.

5O9

Geringe Wein zu stärcken.

Iewol die geringen / röhrichten Wein (wieman sie in Oesterreich nennet) zum Speise-Weinen am bequemsten sind/ und ein guterHaus -Vatter allzeit den schlechtesten am ersten an-areisst/ und die besten und stärckesten zum Verkaussoder auf die Jahr spchret/ so sind doch etliche Ge-bürgt/die durchaus wenig starcke Wein und meistenslgeringe Gattung tragen. Wann man nun nicht^allesbald wegbringen kan oder soll/ kan denen Wei-nen mit folgenden Mitteln geholffen werden ; mußdoch meistens durch Gewürtz / nachdem eines oderdas andere annehmlich ist / geschehen : Nimm ein!Loth Enzian/ ein Loch Zucker-Candi/ ein Loth Zim-imetrinden/ ein Loth Muscatblühe/ laß alles in Weinin einem Kessel sieden / gieß es durch einen Trachterdurch ein Tuch in das Faß/ verspünde es wol/ undlaß vier Wochen ligm.

Item nimm ein Pfund Galgant/ zwo Hand-vollJssopen/eine Hand-voll Majoran/thue es in einSack-lem/ thue darzu eine Maas gebrannten Wein/ und gießihn hinein.

Item nimm eine fichtene Rmden/daran Harh ist /brich sie klein/hernach nimm Schritten von Wachhol-der -Holtz/ alles im Most gehangen / und ihn darübervergieren lassen/nachmals nimms wieder heraus.

Oder mmm Zimmet / Zucker und gefeiltes Hirsch-i

Horn in gleicher Quantität/Hangs hinein/er wird in achtTagen gut.

Item nimm gemalenen Senff / und zerflossenenRautxn-oderNuben-Saamen/jedeseinen Vierding/!in ein Säcklein/hängs s. oder 7. Tag in den Wein/ erwird schön und starck.

Das beste Mittel (wie oben schon gedacht) ist/ daßman die Most von geringer Gattung nicht vollfüllt /sondern einer Spannen oder mehr lähr lässet/ daß siealso gezwungen unter sich arbeiten müssen.

Oder man machts auf solche Weise: Wann imHerbst die Wein anfangen zu gieren/ lässet man einTheil davon ab / nimmt des besten und süssesten Mo-stes/ den man haben kan/ giesset ihn hinein/ aber also/daß das Faß nicht voll wird/und wann er über sich willgieren/ so geust man von dem sussen Most abermal/thutes in 5. oder 6. Stunden / unv sihe zu/ daß der Mostnicht übersich lauste.

Ändere nehmen ein Loth schönen Weyrauch/ und soviel rothe Myrchen/pnlvern sie/Hängens in einenSäck-lein ins Faß/ so bleibt er gut und starck.

Stärcken Wein zu machen/ der bald voll macht:Nimm ein Loth Weinrauten-Saamcn / stoß ihn zuPulver/nimm einen VierdingZucker auch gestoßen/je-des absonderlich in ein Säcklein gethan/ und in denWein gehanckt/so wird er starck.

dz?. l-l.

Brandwein aus Weinlager.

En subtilesten 8pir>tum Vm. soll man derge-stalt aus dem Most bekommen / wann mangleich nach dem Leesen/ so der Most anfängtzugleren/ bey dem Bailoben einen kccipicntcn an-legt/so gehen die 8pintus. (die sonsten vergeblich aus-dünsten^« das Glas; Oder wann man im Winter/beyHesstiger Kälte/einen stärcken Wein in einen verdecktenverglasirten Geschirr an die Lusst setzet/ und Morgensdas Eys zerschlägt/ und den conccrtirtenSpiritum, inder mitten heraus/ zusammen sammlet.

Aus dem Läger aber/ von dem Wein/ welches sonst/dem Ansehen nach/ein greuelhafftes abscheulichesDingist/kan man doch durch die viluiiation einen soedlen/durchdringenden und krässtigenauch lieblichen 5piri.wm bringen / der die Schwachen stärcken/ die Kran-ckengesund machen / und mit seiner geistreichen Dilata-tion den gantzen Leib uno alle innerliche Glieder pcne.ti-ireimnd erquicken kan/ wann er zu rechter Zeit/ mitmassiger Bescheidenheit/gebraucht wird. Und scheinetdie vikiiistion aus der geheimesten ?t,ilolopkia derNatur entsprossen seyn/wann man in acht nimmt/wiedie Sone dieAufdünstungen derWasser an sich zeucht/die in demGewölcke zusammen geballet/wieder von derSonnen zu Thau/ Regen/ Reiffund Schnee / zertrie-ben und heraus geflösset werden. Und ist in dem Men-schen selbst/ als der eine kleine Welt ist/ offenbar/ daß

durch Kochung des Magens / so durch die Hitze desH ertzens/ der Leber/ und des Gebotes geschiehet / dieDämpffe über sich getrieben/m LcrebrocosZuiirt undper catkzrros wieder herab zu fallen angetrieben sind.

Aus diesem haben die stharffsinnigen ?Kiiosoplii .durch Nachahmung der Natur/die Art desDistillirenserfunden. Das Ausbrennen des Weingelagers nun/erfordert anfangs ein fast lindes Feuer/ so lang nocheinige Feuchtigkeit vorhanden / aber wann selbige ver-dunstet hat/ muß man das Feuer je langer je mehr stär-cken/alsolang / bis die Geister aufzusteigen angetriebensind.

In den Kühl-Fässern/ dardurch die Röhren gehen/werden selbigemeistentheils stracks untersich gerichtet/und unten dem kccivientcn eingemacht/ solle zwar eineErkühlung der Geister verursachen/ aber weil solche vielzu schwach ist/indem sich die leiblichen Geister und sub-tilen Krässten des Weins unmassig erhitzen / also istbesser/ daß die Röhren nichtgerade/sondern Serpen-tin - und Schlangen - weise durch das kalte Wasser imFaß gerichtet seyen / damit die Geister ohne UnterlaßKühlungen und Erquickung erlangen/ und nicht entzün-det oder gar verbrennet werden mögen. Das Gelägerje von einem stärckern und bessern Wein es herrühret/je krasstiger und edler der Brandwein wird; es mußaber das Geläger/ wanns aus dem Faß kommt/ nicht

lang

i