Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
506
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De6 Adelichcn Land - und Md-Lebens

Lx?. X^VIZ.

Allerley Einschläge.

As vomehmste Stuckz« allen Einschlägen istder Schwefel/ der wegen seiner Balsamischenund erhaltenden Krafft/ sehr dienlich ist; wellaber dieses .^incraic etwas unrein ist/ kan ihm durchLäuterung solcher Gestalt geholffen werden : Manstossetihn klein in einenMsrser/ thut ihn in einen Ha-sen / undgeust viel Wasser daran/ und lasset ihn eineStund lang sieden / seihet ihn durch ein kleines Sieb/und lässet ihn wieder trocknen/ hemach legt man denSchwefel in emenTiegel/lässet ihn über denFeuerwie-der zergehen/bis daß er luuter wird/ darnach ziehet manihn aus ein grobes Tuch/ und nimmt folgende Stückedarzu: einen Vierding Anis/ vier Loch weisse Veyel-wurtz/ zwey Loth Muscatblühe/ zwey Loth langen Pfes-!fer/ drey Loth weissen Weyrauch/ ein Loth Mastix/drey >Loth Paris-Körner/ stößet die K^cics durcheinander/und/indem man den Schwefel auf das Tuch zeucht /ftreuetmandis Pulver gleichmässig darunter/ weilderSchwefel noch warm ist.

Item man nimmt zu einem Pfund Schwefel / zweyLothzustosseneZimmetrinden/ Nägelein/ c^rciomomiund Anis/ jedes ein Loth/ ein halb Loth Ingwer/zweyLoth Wismuth/ein halb Loth guten Venedifchen weis-sen Weyrauch/ ein halb Loth Muscatblühe/ auch so vielMnfcatnüs und langen Pfeffer/eben so vielBertram/dis alles zerstößet man / thut den Schwefel in eine ver-glasirte Rein oder Pfannen/ auf einer Glut mit einemHöltzlcinzertrieben / bis daß er dünn wird/ darnachschneidet man grobes Tuch zu Plätzlein einer halbenElen lang / und dreyer Finger breit/wann nun derSchwefel zergangen ist / schüttet man das zerstosseneGewürtz hinem / rührts untereinander/ und.zeucht diePlätzlein/ eines nach dem andern/hindurch; zu einemFuder Wein braucht man ein wenig mchr als einesThalers groß. ^

Item man nimmt gereinigten Schwefel/ (wie vorgemeldet) darnach weisse Veyelwurtz/trocknet die in ei-nein Becken über dem Feuer/ stossetihn klein/und siebetihn/ dis Pulver behält man in einem Büchslein / als-dann nimmt man weissen Weyrauch/auch klein geflos-sen; nimmt von diesen beeden eines so viel als des an-

dern/ mischets durcheinander/ und hernach nimmt mandrey oder mehr (nachdem der Materiviel oder wenigist) Haßlene Spane anderthalb Spannen lang undzwey Fingerbreit/ zerlässet den Schwefel/ und zeuchtdie Span dardurch/ und tveil der Schwefel noch anden Spänen warm ist, fprengt man das Pulver daraufzu beeden Seiten/ fo find sie bereitet.

Andere machenden Einschlag aussolcheWcise:Cie

nehmen weisse Veyel-Wurtzen/Weyrauch/Pariskör-ner/ weisse Corallen/Alant-Wurtzen/Zittwer/Aimmet/Muscatblühe/Musiatnüß/Galgant/ Nägelein/ Gaf-fer/Wißmuth/Mastix/Myrchen/ Cronaugel/ weissenZucker/Benedict-Wurtzen/ Anis / Coriander/ Fen-chel/Korn-Blül)e/Kornblumen/Weitzenblühe/welssenWeinstein/weisse Schwalben-Würtz / geläuterte«Schwefel/ und thun diesen aufein weißes Tuch/ noben gedacht worden.

Item nimm von Haselstauden-Hoktz die Kohlen /Nagelein/ Veyelwurtzen/ Muscatnuß/ Kwmetrinden/jedes aufein Loth/mach alles zu Pulver/darnach nimmgeläuterten Schwefel / zerlaß ihn / chue die vermeldteSpecies darein/ und zeuch ein Tuch dadurch.

Item nimm ein Loth Kreen/ so viel Bertramwur-hen/ ein O.uintel Myrrhen/ und so vielMgelein/ Mu-scatnuß/Jngwer/Veyelwurtzen/jedes ein Loth/ein halbLoth Galgant/ langen Pfeffer und weißen Weyrauch/jedes ein Loth/ein O.uintel weissenGalitzensrein/cin LothZimmetrinden/ ein wenig weissen Senff/ ein halb LothPariskörnerund so viel Zittwer/und zwey Pfund xi-parirtcn Schwefel/ machs aufvorige Weife.

Es sind noch viel andere ArtenEinfchläge pl machen/die jedweder nach Belieben mehren undimndernkan:Jn ein Etimeriges Fäßlein ist genug eines halben Ba-tzen groß Tüchlein eingebrannt / dann so man so vielnimmt/so kriegt derWein einenSchwefel-Gefchmack/und wann diß geschiehet/ kan man ein heißes Brod/daserst aus dem Ofen kommt/voneinander brechen/und dieSchmollen alfo heiß aufden Spund legen / und ligenlassen/ bis es kalt wird / es ziehet den bösen Geschmackalleu au sich ; ist das Faß gros/ und der Geschmack zuhefftig/ kanmans zwey oder dreymal wiederholen.

Wie der Wein lang zu erhalten/ daß er beständig bleibe.

f-U-Mev-t bezeuget in seiner cosmo^rapKiZ, daß eri inderJnfel ^cmnosgesehen/daß man ein irdenGeschir:/ einen halben Eymerhaltend/ unter al-temGemaue: gefunden/welches noch voll gucesWeinsgewesen/ der wol über 6oo. Jahr Irinnen gelegen/wieinan aus etlichen Worten / so am Geschir: gestanden/chat vermuthen können; und thut Her: ctc Scrrcs (derdieses erzehlet) auch folgendes darzu/ daß vnno ,^7.der Freyherr von^oucium in^.s"^ue^oc.als er vondem alten zerfallenen Schloß dieses Namens/ Steinausbrechen lassen / anderwärts zu einem Gcbäu anzu-

wenden / habe sich/ imBrechen/ ein Keller unter demalten Gemäuer entdecket/ darinnen ein gantzes Faß ge-funden worden /wovon das Holtz / fo bald es an dieLufft gebracht worden/ zerstoben sey / den Wein aberhabe eine starcke Haut umgeben / welche als man siedurchgeboret / sey ein köstlicher Wein darinnen gewe-sen/nach Gezeugnus der ehrlichen Nachbarschasst/ de-nen besagter Freyher:/ zum Wunder / davon zu versu-chen/ geschickt hat/ und dieser Wein muß nach Alter-thum des längst ruinirten Schlosses / vor unerdenckli--chen Jahren/ hinein seyn gelegtworden.