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Th. 1 (1716)
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Be6 Adettchen Land-mw Feld - Lebe«6

Bomwcissen Wein.

Er bequemeste / grmeineste uird gesundesteTrancktn Oesterreich/wann ermassiglich -undmit Bescheidenheit gebraucht wird / ist derweisse Wein/der hell/C ilron-farb ltcht/ dochaufCrystallsich lenckend / durchsichtig/vom natürli-chen guten Wein-Geschmacf/ und von nuttelmässkgerStärcke P; der gesmrdeste wird dieser gehalten/ derin solchen Wein-Gebürgen wächset/ dieuicht gedun-get sind ; a^er dis wrrd an wenig Orten zu findenseyn/ wann er.nur sonst klar/ und am Geschmack undGeruch unverwerfflich ist/ man mag ihn schon pMrcnlassen.

Die Araber (laut Herrn Carrichters Erzehlung)geben ihm folgende Tugenden/ er bessere die Dauung/treibe den Harn/ gebühre schöne Fach/ bring einen gu-ten Geruch/stärcke dte Natur/ erquicke das Gemüihund Geblüt/erwecke die Hoffnung/mache den Men-schen kühn und siarck/mache/ daß man der Traurigkeitzum Theil vergesse.

Die iVieciicihm und wieder bezeugen/ daß er denMagen envanne und stärcke/ das Hirn mit reinen Le-bens-Geistern erfülle / das abnehmende Gesicht be-kräftige/den Schlaffbefördere / das Hertz mit natür-lichen lauen Dünsten erfreue/in Ohnmachten das leb-hasste Geblüt wiederbringe/zum erharteteu Miltz und>vi ei^nckoiia diene/dem Gisst widerstehe; etliche trin-cken zwar den alten Wein/ und halten ihn der Gesund-heit am fürträglichsten; der gelehrte Bulognesische^icusaber/öaltksssr?is->nelli will/num sidum non exccclat, er soll nicht alter als einesJahrs seyn/den man speiset/wegen der grossen Hitz/die sich mit seinen Jahren vermehret.

Was auf hohen Gebürgen wachset/ist gesünder/alsin der Ebene/oder gar in den Gründen / er steiget baldins Haupt/ und verdünstet auch bald wieder/ ist einerdurchdringenden Art / zertheilet und löset auf die zä-hen schleimichten Feuchtigkeiten / treibt den Harn undSchweiß/ sonderlich die/ so vom Lalcno ge-

nannt werden; die nicht starck und geistig / sondernröhricht/ lind und picczusnl sind/ die zum gemeinenTrunck/sonderlich imSommer/ am allernützlichsten/den Durst löschen/und dem Haupt uicht schaden/ denjungen Leuten aber/sonderlich den Kindern / ist er/ we-gen der hitzigen compicxron, so beiderseits sich findet/ungesund/daß?!alo,Hen jungen Leuten vor den, acht-zehenden Jahr keinen Wein zu versuchen/ hat erlaubenwollen.

Der Wein/ wann «jährlich oder noch jünger ist/isthitzig im ersten bis zum Anfang des andern Grads /wener aber alt ist/ wird er schier bis aufden dritten Gradhitzig gehalten/daher dieser den alten Leuten / jener aberden jungen bequemer; allein daß kein Mißbrauch mitunterlausse/und das alte Spichwort/ die c^uici nimis,wol beobachtet werde/inBedenckcn/so groß seine Güteund Nutzbarkeit ist / wann er zur Nothdurfft beschei-deutlich genossen wird/ um so viel grösser ist der Scha-de/der aus dem'Mißbrauch entspringet/ weiches alles/Weirläufftigkeit zu verhüten/ ich gerne übergehe.

Ich solle wol absonderlich hier insgcmein von desWeins Eigenschafft und Wirkungen Meldung thun/aber dessen sind alle Kräuter- Artzney- und Wirll?-schafft-Bücher so voll/ daß ich solches al-hicr nicht wie-derholen mögen. l'snarü sagt in seinem Beschluß desersten Buchs, daß die wilden Turteltauben/ durch denMein/ihrer wilden Art vergessen/und in den Häusernbrüten ; die Bienen mit Wcin besprüht/ im Schwär-men nicht weggehen; die Wcinhesscn einen unfrucht-baren Baum trächtig machen/ ohne wasder Mein inder Artzney und Kuchen für Nutzen schafft.

Sonderlich ist der Wein alten Leuten/ deren Milcher billich Heisset/gesund/dann / weil sie trvckner Eigen,schafft sind/ befeuchtet er sie/ weil sie kalt sind / erwär-met er sie/ weil sie traurig sind/ erfreuet er sie/ und weilendlich die Lekens-Geifier in ihnen schwach werden/stärcket und mehret er sie/ so fern er mäsjig genommen/und aller Überfluß und Mißbrauch verhütet wird.

Wie guter Wein zuerkennen und zu kühlen sey.

l SAP) Tliche glauben, daß man/den gerechten gutenMllWWein zuerkennen / den Mund auswaschen/^»W und drey oder vier Bissen Brod aus Wasservorher esien/und den Wein daraufkosten soll;dann gantz nüchtern/ oder gantz satt solches versuchen/beniint einem Menschen den Geschmack; man soll auchvorher keinen andern Weingetruncken haben. Aufsüs-ses H oltz/alten gesaltzenen Kas/und gewürtzteSpeisen/hat der saure Wein auch einen guten Geschmack/ daherman sich dessen zu enthalten. Im Winter sind dieWein stärker als im Sommer/circa 5oillitia gutemk k«v,t6"Xuiirc> wandeln sie sich gerne/und die um dieseZeitenHrenguten Geschmack behalten/sind billich für-' en; etliche glaub en^ da ß / wann man Wein ko-

sten will/ und vorher von einem Apffel esse/soll man desWeins Eigenschafft/desto subtiler ausnehmen/ so ichaber für ungewiß halte.

Wer Wein verkauften will/weise sie bey schönemHellem Wetter; wer sie aber kauften will / kans auchwolbeyRegenwetter thun. Man hält auch dis für einebewahrte Prob / daß man ein wenig Weins mittenaus dem Faß nehme/und den über einem Feucr eiwal-len lasst/u?d was Geschmacks er hat / wann er laitworden/ dessen hat man sich auch in seinem Alter zu ver-sichern.

Wer Wein kosten will/muß nur ein wenig in denMund fassen/ ihn nicht gleich hinab schlingen / sondernauf der Zungen ein wenig behalten/ undesösster als

einmal