Vierdten B u chs Erster Theil/Wein - Garten.
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also verbailt/oder mwerbailt stehen lasten/ so wird ervon Tag zu Tage je länger je klärer/ in 14. Tagen oderdrey Wochen muß man ihn vom Lager abziehen in einFaß/das vorher einen guten Einschlag bekommen; mdiesen süsten Wein muß man um Weynachten in einenZehen-Eymer zwey Seidel Senfs-Mehl in einemSäcklein hinein hangen / darzu absonderlich an einemBand ungefähr 4. Pfund ungesaltzenen Speck / dasSacklein aber/ wann sich der Wein um Ostern oder
Pfingsten zur Arbeit ereignen solte/ muß man etliche-mal wol austrucken/ so benimmt es ihm das Sausen,und bleibt süsse; hat man aber einen verarbeiteten fauren Wein/er sey mng oder alt/ soll man unter zehenEymer anderthalb oder gar zween Eymer von diesemsussenWein mischen / so wird er lieblich zu mucken.Dis Stuck ist mir von einem guten Freund bewährtcommunicirt worden»
e«?. xl.ii.
Bon, rothen Wein.
lMerdenen Oesterreichischen rothen Weinen/ist der berühmteste und bekannteste der Freyn-dörffer/ (welches Gebürge zwischen Tulbingund St.Polten liegt) der weit verführt/und allenthal-ben vor andern den Preiß hat; sonst sind die andernmeistenteils sporige und ringe Wein / die allein imSommer zu trincken/ und nicht so hoch als dieweissengeachtet werden; man presst sie allein/geben sonst demweissenMost eine unangenehme schilchete Farbe / de-ren man wenig achtet; er lässet sich auch nicht so ger-ne abziehen/und verdirbt leichtlich / wann er lang ohneLäger liegen soll.
Erliche sind der Meynung/wann der Matsch (dasist Most und Bälge) beysammen bleibt/ ehe es-ausge-presst wird/ so soll der Wein desto röther werden.
Insgemein glaubt der Pöbel/ der rothe Wein kühle/aber sie sollen wissen / daß es ein sehr geringer Unter-scheid/wann er hell und Rubin-roth ist/nähret er wohl/gebieret ein gutes Geblüt/ ist er aber dick/so belastet erden Magen' schadet dem Miltz und der Leber/ die greif-ten zwar das Haupt mit ihren truncken-machendenDämpssen weniger an/ als die weissen/aber wann siees einnehmen/ so verdunsten sie auch langsamer, c-a-i-nu5 bezeugt/ er habe selbst gesehen / daß die Fechterund Ringer/zu Vermehr- und Stärckung ihrer Kraff-ten/sich des rothen Weins/mit guter Wirckung / be-dienet haben; für junge Leute ist er tauglicher/als fürdie Alten/ bey welchen er/ aus Verminderung der na-türlichen Wärme/ den Stein und Versropffut^ derNieren ursachet.
»ippocrates aber lobet den schwachen rothenWein/als den besten; ^zincta will/ der rothe Wein nährebesser als der weisse; es sey aber/wie ihm wolle / so istdoch der rothe Wein gelobt zu trincken/im Schwindel/Zittern der Glieder/ imBlutspeyen/zuallen Ruhren/in der Ncttica, für Schlangen-Gifft und andere Zu-falle ; so künstlen auch etliche / denen diese Farbe gefäl-lig/ den Wein also roth / oder noch röther zu machen/wann sie zeitige gedörrte Weinschärling/ oderkcldclis in einem saubern Säcklein / oder gedörrteKlapper-Rosen-Blumen hinein hängen.
Andere nehmen Weichsel/ pressen sie/ thun sie in einMost-Faßlein/lassens vergieren/so soll der rothe Weinnoch röther werden
Theils mackens also: Sie nehmen ein kleines Fäß-lein/wie man sonst zum Senff braucht/ füllens mit gu-ten frischen Weichseln o h ne K ern/ dann mit Malvasier
und mit einem Qm'Mel geläuterten Hönig /1. Loth Zucker/1. Loth Zucker-Candi/ item Nagelein/ Muscatnüßund Zimmet-Rinden/ jedes i. Loth/ alles gepulvert undins Fäßlein gethan/eine Stund lang auf den Herd/auf einen warmen Stein gesetzt/ und wanns vergorenhat/ setztmans in einen Keller/ daß es kalt werde/ her-nach wirds tn einem Durchschlag durchgetrieben/in ei,ner Stuben getrocknet / und Kügelein wie die Erbsendarausgemacht/wann man eines tn ein Kandel Weinwirfst/so wird er schön roth und gut.
Man findet sonst auch von dieser Sachen seltzam«Künste / als von gedörrten Hechten- Blut/ imnclolund andern / die theils unsauber/ theils aber unange-nehm/ so billig zu Unterlasten; und wann ja der Fürwitz/was zu versuchen verlangt/ kans mit guten und gesun-den Mitteln geschehen.
GrasD'Zbv in Kleckcamenlis ?arte fccun6Z setztein gutes Mittel/daß man eine starcke zu sich genomme-ne Mahlzeit leichtlich verdauen möge/ also: Hat je-mand eine starcke Mahlzeit gethan/und findet/ daß esihm sehr hart im Magen liege/also/daß ers nicht wohlverdauen kan / und von seinem Nachtschlaffe abgehal-ten w»rd/so wird er Leichterung empfinden / wann ereinen guten Trunck rothen Wein / so warm ers erlei-den kan/ zu sich nimmt und trinctt; man muß aber denalso wärmen/daß die izp'ntu8 nicht ausdünsten/ nem-lich in einem silbernen Becher oder Geschirr/mit einemDectel/ der weit hinein gehe/also/daß er gleichsam hartaus dem Wein liegt/ und denselben berühre/ damit kein5pir,ws in den ledigen feuchten Theil/so zwischen demW ein und Deckel ist/ steigen möge/ welches seine Be-wegung aufhält und verhindert / daß nichts davoncv-iporiren möge.
ttorölius Hutzcnius lib. 7.schreibetvon zweyen Kindern/ deren eines im sechsten / das an-dere im sünfften Monat war/als diese/ so sie gesäugt/gestorben/und in dieser Noth niemand war/ der sie er-nähren konnte/ der eingeflöste Eyerdotter und Geiß-Milch aber nicht von ihnen behalten werden konte/ hatman endlich schtvarh- rothen und fussen dicken Weingenommen/und einem ein Untz eingesiöst/und als mansolches gesehen/daß sie es angenommen/gab man einem2/ und endlich dritthalb / dardurch sind sie lebendig er-halten worden/und als man sie iS.Tage lang also ge-speiset/ hat man ihnen endlich Semmel-Schmollen indiesem Wein geweicket/ und bald darauf ihr Kinder-Mus gegeben; und setzt/ sie leben noch alle beyde ge-sund.
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