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Th. 1 (1716)
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494
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De6 Adeltchen Land- und Feld-Lebenö

XXXV.

Vom Gruben/ Sencken/oder Grössten.

U diesem Werck gehöret / dem Frühling undSommer durch /gebührende Fürsichtigkeit / da-

mit man den alten Stöcken nicht gar zu viel

Schößlmg wegnehme/sondern allzeit etwas übriglas-se/damit sie können gegrubt/verjüngt und fortgebrachtwerden/ sonst trägt er sich endlich aus/ und kan hernachkeine gedeylicke Reben mehr schössen / da hingegen/wann man fleißig davon grubt/-man die Gattung beyjmmerwakrender Fruchtbarkeit erhalten knn/ und obifthonder älteabstrrbt/ er doch seines gieicken Nach-kömmlinge und Erben hinter sich verlädt. Das Gru-ben ist gleichsam der beste Saame/ dardurch einWein-gebürg bey seiner Güte und Trächtigkeit erhalten wird/dann / werkte Weinkörner ansehen/ und davon Nu-tzen hoffen wolte/ würde lang vergeblich harren müssen.

Ist also der beste und sicherste Weg das Gruben/das geschieht im Herbst/wann das Laub abgefallen/andenen Stöcken/ die man vorhero/ weil sie noch Trau-ben gehabt/als der Mühe werth / angemerckt hat;Das andere Gruben geschiehet zu Ende des Aprils/oder Anfang desMayens/und Heisset dasBlatgrubcn/wird aber nicht in allen Gebürgen erlaubet/ weil dar-durch die zarten Schößlinge leicht verletzt und abge-

^Wann die Hecken oder Reben hoch ist und frucht-bar/hangt man Körblein oder zertheilte Häfelein dar-an/füllt sie mit Erden/übers Jahr schneidet man sie ab/und setzt sie weiter; also kan man auch den Seven-baum und andere Gewächse vermehren.

Man grubt nach dem Vollschein bis auf vier Tagezum Neumonden/in diesem aber muß man sich vornem-lich nach des Wein-Gartens Lager undBeschassmheitrichten; an gaben/dürren und trocknen Orten müßendie Gruben tiesser/ und aufzwey Schuch gemacht wer-den/damit das abfallende Regenwaßer die Wurtzennicbt so bald entblöße / sondern ihre Nahrung von demGrunde behalten möge; in ebenen Weinbergen sindein Schuch und ein halber genugsam tieft'/ im feuchtenGrundeaber ist ein Schuch schon recht/weil sie tiessereingelegt/eher faulen als einwurtzeln möchten / so mußauch der Weinstöcke Art vorher wohl betrachtet seyn/was grosse und freche/ auch was matte und ausgehun-gerte Schößling treibt. ,

Gar von den alten abgematteten Stöcken ist besser/den gantzen Stock einsencken/und ob er schon nur eineReben hatte/ dennoch dieselbe einlegen / dardurch wirder gleichsam wieder verjünget; je frischer und stärckerdas Holtz an eiuem Stock tst/je besser taugts zum Gru-ben/daß man wol osst von einem solchem geile» und fre-chen Wemstock zwey oder drey Reben grubev kan; al-les aber wcis klein Holk hat/istzumGruben nicht taug-lich was aber starckes Holtz hat/da kan man die Rebendesto «anger einlegen/damit sie desto besser wurtzen/undder Erden Nahrung an sich ziehen können.

Es muß aber vornemlich in die Grössten gute Dungvon Geflügel/schassen und Geißen gelegt seyn; wieauch die Alten gewolt haben/ soll man eine Hand volldürre Wem-Trebern miede Gruben thun/ zu rotherGattung von weißen Trauben/ und zu weißen von ro-then/neben der Dung/ dieses soll den Stock verstar-cken/jenes aber verursachen/daß sich die Wurtzen destoeher ausbreiten. ^

Es scheinet doch Vernunsst-mässiger / wann derGrund nur nicht gar zu schlecht ist, daß bey dcm crsicnGruben das Düngen unterlassen/ bey dem letten Vm-setzen aber desto fleissiger verrichtet werde/indem a cs/was aus einem schlechten in einen bessern Grund lom-met/lieber gedeyet/ als was Anfangs in einer outenfetten Erden verwöhnet / hernach mit einer geringenvorlieb nehmen muß; welches bey allen Pfannen undUmsetzen eine allgemeine unfehlbare Regel ist/ darnachsich alle gute Haushalter zu rich ten pflegen.

Das Gruben aber heißet so viel/ daß man an einemguten fruchtbaren wohlgearteten Stock eine Rebennimmt/lässet sie am Stock stehen/oeugt sie unter sich ineine nächst dabey zubereitete Gruben/deckt sie in derMitten mit Erden / und lässet das eine Ende eiwannvier oder fünssFinger breit heraus gehen/also/ daß einpaar Augen daran sind/die in der freyen Lusst verblei-ben ; die darzu gebrauchte Reben aber muß wolreiffesHM haben/sonst taugts nicht.

Alle diese Arbeit muß bey trockenem Wetter an ei-nem schönen stillen Tage geschehen/wo aber (wie cömanches Jahr konwit) das Holtz nur halb/ oder garnicht xeisswird / muß man das Gruben selbiges Jahrgar Unterlassen/weil es doch nicht bekleiden/und alleMühe umsonst angelegt würde/darum kan man nichtalleJahr gruben/ sondern allein/ wann ein warmerSommer und schöner Herbst ist gewesen.

TheMmachen die Gruben Kme-tieff/ein halbeElen/oder ein wenig mehr lang / die werden vorher im Früh-ling ausgefaßt/ damit der Grund durch Sonnen undRegen fein ermarbe und abliege.Mit der Neben Gnlcgung muß man nicht weniger fürsichtig umgehen/ daßman sie im Biegen nicht breche/ die geile Spitzlein ander eingelegten Reben schneidet man ab/ und lasset nurem wenig Herfür gehen/man steckt auch halbe Stehendarzu/damit man sie im Frühling zu finden weiß; ansdie gegrubten Weinstöcke hat ein Haus-Vatter wohlaufsehen zu lassen/ daß sie nicht von denen Weimierlenselbst oder andern gestohlen/und hernach verkaufst wer-den ; darum erihm alle Herbst eine Verzeichnuß soll ge-ben lassen/wie viel man gegrubt/und im Frühling nach-sehen/ wohin sie gebraucht sind.

Das Jahr/wann es geschauret hat/ soll man nichtgruben; die Reben werden vor einem Jahr nickt vonihrer Mutter - Reben abgefthnitten / und also m derGrube gelassen/ bis sie selbst Wurtzeln kriegen/so dannlöset man sie ab von dem alten Stock/und versetzet sieweiter.