Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
491
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Vicrdten Buchs Erster Theil/ Wem-Garten.

xxxu.

Allerley Kräuter-Wein zu machen.

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Nter den Kräuter - Weinen wird der Zitwerfast für den trefflichsten / und der Wetmuth-Wein für den gemeinesten und bräuchkchstengehalten:Den gutenZittwer-Wein nunzu machen/nimmt man den ersten Schuß vom Räftl oder an-zern edlen süssen Trauben/gleich von der Preß/sovielnan will/setzt ihn in einSchafffrischesWasser /daßsichdas Läger am Boden setze/ hernach thut man es in ei^nen grossen vernenün Kessel/lässt es bey einem hellen^cuer/ ohne Rauch/ biß auf zwey Drittel/ oder gar dieHelffte einsieden/ biß man vermeynet/ es fey süß genug/doch daß es nicht gar zu braun werde;hernach läU mnnihn über Nachr im Keller liehen/ und Morgens fülltman ihn mein sauber Fäßiein;(hatman des Mostesnicht genug so sieder man mehr/ nur daß einer so süß seyals der andere) wann nun das Fäßlem gefüllt ist/ undetwas überbleibet das mag man in einem klemernFäß«lein/ oder andern Geschirr/ zum Nachfüllen behalten /wann lnan bald daraus trinckr/ aber man muß so dannstets nachfüllen/ weil er immerzu ein wenig gastet /sonstist er nach Weyhnachten am besten zu trincken; je rief-fer im Winter hinein/je besser ; will man ihn anzapftfen/und doch nur davon trincken wann Gast kommen/ >und hat keinen gesottenenMost znm Nachfüllen/so magman ihn nur wol und feste verbailen/ so bleibt er gutbiß ausden letztenT:opffen/aber weil er noch gästet/und,biß auf Weyhnachten/ muß man ihn nicht feste zubai-!len/ sondern nur das Bail oder einen breiten Steindarauf legen.

Wann nun das Fäßlem voll/und in den Keller anseine Stelle gelegt ist/ so nimmt man auf einem EymerMost folgende StückEin Loch gute Zimmet / einhalb Loth Zitwer/ Näqelem und weissen Ingwer einhalb Loth/Galgam/Paris-Körner und langen Pfeffer!jedes einQuiutel/ V'uscarnus/ Conander/Cubeben/je- ^des ein halb Qumtu/diß alles / doch nicht gar zu klein/ ^untereinander gesrossen / in ein langes sauber leinenesSäcklein gethan/ ins FäHlein gehenckt / und darinnengelassen/ so lang der Wein währet; will man füllen/so muß es gesottener/nicht gemeiner Wein seyn;da aberdieKrafftdes Zitwers mit der Zeit möchte abnehmen/mag man das Gewürtz trocknen / das veraltet heraus-klauben/und frisches an dessen Stelle thun.

Wermuth-Wem wird ausvielerleyWeise gsmacht:Man legt in ein Fäßiein eineLeg Hagenbüchenc^chei-ten / die wol gewassert und wol wieder abgetrocknetseynd/ darnach ein Leg Wermuth-Kraut/sauber undwol in der Lufft gedörret/ darnach wieder ein Lege sol-che Scheinen/ und wieder das Kraut/ schier biß auf dieHelffte/giest guten Preß-Most daran/ undlässts alsostehen.

Oder man siedet Wermuth oder andere Krauter/wie auch Gewürtz/wie man will/in demMostdas dritteTheil ein/schäumt es am Sieden fleissig ab / lassts alsoüber Nacht stehen/ Morgens soll man ibn durch einenSack oderSieb gehen lassen/und in ein Faßlein thun /giest zwey oder dreymal so viel Most darzu; also kanman auch andere Krauter-Wein/ von Roßmarin /

Alant/Salvey/Fenchel/Anis/Augentrost / und an-dern dergleichen Kräutern / zur Zeit des Leesens be-reiten.

Etliche halten sehr viel auf folgenden Krauter-Wein/der dienet für die böse Lufft/ stärcket Hirn/Hertz/ Ma-gen/ Lunge/ Leber und Miltz / treibet den Sandaus den Nieren und Blasen/ reiniget das Geblüt inden Adern/ auch zwischen Haut und Fleisch / und istallenthalben gesund: Man nimmt Wermuth-Blät-ter/ Majoran/ Melissen/jedes ein Hand-voll/cs-^ulb-ncciiäli, Roßmarin/ Salve/ Lavendel/Alantwur-tzen/ klein zerschnitten/ jedes ein Hand voll/wolzeitigezerstossene Kranawethbeer fünff gute Handvoll/fri-sche Lorbeer einen Vierdieng / frische Weinrauten--Blatter drey Handvoll/ Veyelwurtzen vier Loth kleingeschnitten/diese Stücke alle lasst man in einem zwcy-Eymer,Fäßlein verschlagen/ geust alsdann einen Krugvollgesottenen Most darauf/darinnen vier Hand,vollgeschnitten Steinwurtzeln gesotten / und verschlagtdas Faßeinen Tag lang/des andern Tags füllt mandas Säßlein ju mit frischen Most / und last es «eri-gieren; wann er sich nun geläutert hat/ so thut manfolgende Stücke in ein langes enges Säcklen/ alsZitwer/ Calmus/ Bibenell/ Angelica/ Ingwer/ Muj-catblühe/Zimmetrinden/jedes zwey Loth/Galgant dreyLoth / ungeriebenen Saffran ein sechzehen Theil /Gasser ein Quintel/schneidet oder stosset alles/ hencktsin Wein / verbailt das Fäßlein etliche Tage/ dochdaß es durch das Dampff-Zäpffel Lufft habe / her-nach thut man früh Morgens nüchtern und Abendseinen Trunck davon.

Andere machen die Wermuth-und andere Krau-ter-Wein auffolgende Weise: Siethun frischen oderdörren Wermuth in ein Sacklein/ giessen den Weinwarm oder kalt dardurch/so lang/biß er denGeschmackan sich nimmt/ darnach thun sie Zucker hinein / so vielvonnöthen ist/oder sie hängen das gedörrteKraut in ei-nem langen schmalen Tacklein in dem Most/ biß er denGeschmack an sich zeucht; wann man unter alle der-gleichen im Herbst eingesetzte Kräuter-Wein / einMulter voll guter Weintrauben abröhreltodergantzevermenget/verbailt das Fäßlein/ und lästden Most insich selber gieren/ (doch daß ein Dampff-Löchlein sey /mit einem Höltzlein nicht allzu sest zugesteckt) so wird erdesto lieblicher und besser; man mag ihm auch mit aller-hand guten Gewürtz einen edlern Geschmack zuwegenbringen.

Den Wermuch-Safft macht man also : Wer-muth/ Cardobenedict/ Centauer dürr/ jedes eine gute' Handvoll/ zwey Loth frische Alantwurtzen/einegantzePomerantzen/ alles klein zerschnitten/ und in ein weitesGlas oder glasirten Krug gethan / und ein KandelBrandwein daran gegossen/wol vermacht/un 4.W0-chen im Keller stehen lassen/ darnach durch ein saubersTuch gesiegelt und aufbehalten/ bleibt übers Jahr gut;wann man aber den Wermuth-Saffr gar lieblicb zumWein-vermischen haben will/ muß man die dürrenWe rmuth-Knöpfflein in ein G las thun/ daß es halb

Qqq iij voll