Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
487
Einzelbild herunterladen
 

Vierdttn Buchs Erster Theil/ Wein-Garten.

4«7

Tüchern umwunden/ so schadet ihm kein Donner/ wieHer: von Nanzauin seinem geschriebenenHaus-Buchbezeuget.

Ein heimliche verborgene Kunst zu dem Wein: Nimden Most von der Presse/geuß ihn in ein grosses Faß/und laß ihn setzen/ zapff ihn hernach ab / daß der Un-flach auf den Boden bleibt/ drumbzäpffdasFaß einegute Spann oberhalb des Bodens an) thue HäßleneSchemen in ein anders Faß/und gieß den abgelassenenMost darein dardurch wird er also gereinigt/ daß erkeine Unsauberkeit in sich behält/die ihm schaden könnte;mit diesem Wein magst du viel Wein gutmachen/nachdeinem Gutgeduncken/er wird mild und wolgeschmac?/man muß ihn in einem guten kalten Keller erhalten /bleibt.süß und starck/ wie ein Meth.

Wann du den Wein süß behalten wilt /so nimm einHalbe Stnss-Mehl/ thue es hinein/ ehe er ansangt zujjeren/und schlag ihn mitStäben oderStecken eine hal-be Stund wol untereinander/ so bleibt dieser Wein al-lezeit siiß; Oder nimm auf einen halben Dreyling zweyHcind-vollNessel-Saamen/und ein Loth weissenWey-rauch/ thue es in ein Säcklein/und hängts hinein/ sobleibt er süß.

Wer die Gelegenheit und Mittel hat/ thut am be-sten/ man laß die alten Wein in einen absonderlichen /und die Moste in einen andern Keller legen / well man

aber wol seyn/ daß em alter lang-gelegener Wein/auchdurch die frische etzullircnde Geister eines neuen undguten Mostes/ sich erquicken und verstärken konnte.

Wann der Wein die Färb ändert/daß man besorg?/er möchte abstehen/kan man drey oder vierDutzct dünewelsche Nüsse nehmen/ anzünden/ brennender hineinwerffen/und das Faß daraufwol vermachen/ daß keinDunst heraus möge.

Einem abgestandenen Wein istalsozuhelssen: Laßihn in einem saubern Faß ligen bis zum Leesen/ thue ihnhernach in eine Bobingen auf frische Trebern/laß ihnetliche Tage darauf / daß er jiere; kommt er auf ein-mal nicht zu recht / so thus zum andern und dritten-mal/ doch daß er allzeit auf frische Trebern gezogenwerde/man muß ihn hernach in saubere frische Haß ein-füllen/ und vorher einen guten Einschlag geben; dochsind solche Wein nicht lang zu behalten/ man soll da-mit forttrachten/ wei!dabey langwührigeDauerhaff-tigkeit nicht wol zu hosten ist; im Fall ja etwan keineAnwehrung vorhanden / kan man Brandwein darausbrennen lassen / oder Essig daraus machen/ welchesschier eine bessere Wirthschasst ist/ weil der Essig wanner sclM'ssund gut ist/ nicht m viel geringerm Kauss ist/als der Wein selbst.

xxvii.

Von der Glauren und Agrest.

O grosse'Weinleesensind/ pflegt man für das! Gesind auch einen Tranck anzusetzen/ folgen-

der Gestalt: Man schöpffet vorher» sauber

Bronnen, Wasser / so viel man bedarss im Vor-rat!) zu haben/ und so bald der Most hinweg kommt /giest man solches auf die Trebern in die Bodingje eherje besser/daß dieTrebern mit demWasser bedeckt seynd;die Treber müssen mit Stössein von einandergestampf-fet seyn'also lässet man das Waster darüber stehen/sowirds bald anfangen zu jieren; darnach giest man vonTag zu Tage ein wenig Wasser nach/ daß mans amjieren nicht verhindere/ wana man zuviel aufeinmaldaran güsse / so wird das Wasser die Krafft und dieFärb an sich ziehen/und je weniger Wasser und mehrTreber genommen sind/ jestärcker und besser wird es;in zwey oder drey Tagen wird die erste Glauren herausgenommen/ und im Faß eingefüllt/ die bleibt osstermalgut/ bis wieder zum Leesen; darnach giest man auf ebendieselbigen Trebern zum andern/ auch bisweilen zumdrittenmal/ muß aber allzeit die letzt-gemachte am er-sten ausgetruncken seyn; diese werden wol zu ZeitenmitWasser nachgefüllt/ mögen aber schwerlich langerals bis Weyhnachten bleiben;das Bronnen-Wassertaugt am besten darzu.

Die Bodingen aber werden durch dieTrebern(wansie lang darinn bleiben)fehr verderbt/ daß sie auch her-nach beykünfftigen Leesen/den Vkost schlechter machen/wann sie nicht wol in acht genommen/ und die Treber/so bald die Glauren herab ist/ heraus gethan / sauber

I Theil.

und reinlich mit warmen Wasser ausgefegt/gesaubett/gewaschen / abgetrocknet/und also meinen lüfftigenOrt hingestellt und aufbehalten werden.

Am besten ist/ auch dieses Fleisses/ welcher einen undden andern Wege hiebey anzuwenden/ daß man eigneBodingen zu denGlauren habe/die man sonst zn nichtsander? brauche. Theils machens anf diese Weise nochbesser: Man nimmt gute safftige Birnen/ soviel manwill/ stöst sie/ und wirffts auf die Trebern / so bald derWein davon ist/ und lasts also miteinander jieren; derMost wird abgeschöpsst und inFässer eingefüllt/wanner nunmehr eine rechte Farbansich genommen / er ij?Ueblich zu trincken. und wahrt bis zu End des Mayens zauf diese Trebern kan man wieder Wasser angiessen /und eine andere geringere Glauren machen.

Agrest/ Ompkzcium.ciu Verjvs, ist/ der aus unreif-sen Weintrauben gepreste unddurchgesiegcne Safft/welchen man in zugespünnte Fäßlein legt / und imfaller lang dauren soll / oben darauf ein wenig frischesBaum-oderMandel-Oelgiesset/ sonst schimmelt undverdirbt er; ist im andern Grad kalt/und trocken im er-sten / kan in der Kuchen / als ein evnäim-m der Spei-sen/ und in hitzigen Krmckheiten/als einArtzney ge-braucht werden / übertrifft in der Kühlung den Essigweindaher auch in den wolbestellten Apotheckern 8vnipu» von Agrest/widcr den Sod und hihige Zufalledes Magens und der Leber/ pr -rpsrirtwird /wieHenElßholh in seinem Tisch-Buch M L. toi. --6 «.bezeu-get.