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Des Adeiichcn Land- und Feld-Lebens
Weinberg die Trauben ausschneiden zu lassen/weil desganzen Landes Nutzen daran gelegen/daß der Wein- sein gutes Kauffrecht behalte/und wegen Unersahren-heitoderGeitz etlich er weniger nicht verschlagen wer-de/ und was ist anders / als dieses zu erwarten / wanndie Trauben geleesen werden/ ehe sie ihre vollkommeneZeitigung erreichen.
Dieses nun zu erfahren/muß das Gesicht und derGeschmack verhülfflich seyn/ wann sie süß/ gläntzig undanklebriq seyn/ süß am Geschmack/ das Bälglein sub-til und durchsichtig / und die K örnlein schwartzlichtdurchscheinen/ auch wann man ein Beerlein öffnet/ keinFleisch an den Körnern hangen bleibet / sondern sichgantz rein abledigt/sonderlich/ wann die Kamme/ darandie Beerlein hangen/beginnen bra m und welcklicht zuwerden/ und die Beerlein gern und willig von sich ab-lassen/dann wer leesen will/weil die Kamme noch grünund safftig sind / wird seinen Wein sauer und unge-schmack machen; die Leesermuß man/(wo nicht Un-terthanen sind ) bey Zeiten bestellen/sonderlich gehörenzum Butten-Tragen starcke Männer / so wol wegendes Tragens/als des Ausschüttens in dieMaisch-Bo-dingen.
In Hungarn lässet man die Trauben nicht eher/ alsbissieder Neiffwol abgezahethat / daß sie offt gantzruntzlicht aussehen/ ableescn/ gibt zwar weniger Most/wird aber besser und starcker/ und stehen zu Zeiten dieWeingebürge bis aufMartini nichtgantz völligabge-leesen/ja daß offt gar ein Gefrier dazwischenkommt/davon aber die Weine die Farbe/ sonderlich die erstenzweyZahr/ nicht gern halten / bis man sie etlichmalabzieht.
In Oesterreich aber / nachdem es ein frühes oderspätes Zahr giebt / wird das Leesen meistcnlheiis imOctober angestellt/ und also von jedermanniglich/als
die beste und gelegneste Z<it dm°zu erwählet/ weil dieTrauben sodann ihre beste Zeitigung haben / und auchnochZeit genug ist/ die übrigen Arbeiten im Wenige,bürge/ vor einfallender Kalte/ zu verrichten.
Herr cw kssrcü erzehlet/ daß in der Landschasst Vi-v^rcrs, gegenetliche Leute die Stengel an denTrauben vor dem Leesen umdrähen/oder nach demLce-sen/drey oder vier Tage/ die Trauben aufhangen/ oderan die Lufft auf trockne Erden / oder geflochtene De-cken oder Bretier/ oder wann Regenwetter/ in ein sau-ber Zimmer/ auf denBoden legen/und die Fenster of-fen lassen/damit dieCampe/ ihre Feuchtigkeit verlieren-de/ desto lieblichern Most geben; dis geschieht aber nurbey fürtrefflichen edlen Gewächsen / dann in gemeinwäre es viel zu mühesam.
Wann acht oder vierzehen Tage vordem Leesen einguter fruchtbarer Regen fället/ so macht er die Traubengeschwellen/daß sie hernach desto mehr Most geben/undviel Hauswirthe sind/die mit Fleiß wo es möglich/dar-aufzu harren pflegen/sonderlich/wann ein dürrer heißerSommer gewesen/ wiewol offtermals auch das nasseWetter so lang anhalt/daß es im Leesen grosse Irrungund Hindernus gibt/ und den Most nicht verbessen/ sondern verringert; indem aber unterschiedeneGattungen der Trauben sind / theils in derHitz einschnurffen/und theils die in der Feuchten bald faulen/muß dieses alles in Obacht genommen/und die Anstaltdarnach gethan werden. "
In Summa/ leeset man zu bald/ so wird der Weinvon theils noch unzeitigen Trauben sauer / leeset man! aber zu spat / so wird der Wein von denen faulendenTrauben ungesä mack und übelsarbig.
Man hält dafür / daß das / was im abnehmendenMonden abgelecsen wird / dauerhafftigern Wein gebe/als im wachsenden/doch muß man sich an dieses so ge-