Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
473
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Vtcrdten Buchö Erster Theil/Wein-Garten.

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c»p. xiv.

Andere Künste/die Reben betreffend.

An kan zweyerley gleich-grosse gerade Reben^nehmen / von unterschiedlicher Art und Far--^ben/ kau sie also spalten / das beederselts dasMarck nicht beleidigt werde / hernach sie festund gehäbe zusammen fügen/mitWachs und leinenTü-chmi verbinden/ wol vermachen (ausser daß man derAugen schone/ unten und oben / wo sie einwurtzen undaustreiben sollen) und also in die Erden setzen/daß zweyAugen oben herausgehen; wann sie wol gewartet undbegossen werden/ (wie in einem Garten geschehen kan )treiben sie/ und bringen hernach vermischte zweyerleyFrüchte/jedes nach seiner Gattung/ schwartz und weißzugleich»

Will man aber/daß sie noch mehr untereinander anFärb und Geschmack sich vermischen /^muß man im-vlajozwey unterschiedlich zarteReben-SHoßlmg neh-men/eines halben Schuhes lang / mehr oder wemger/ohne daß sie vom Stamm abgebrochen werden / undsie also/ ohne Spaltung gehäbe zusammen binden/sowerden sie / wegen ihrer Zärtigkeit / fest zusammenwachsen/das andere Jahr/ im Mertzen/ muß man siegruben/ ein paar Augen ausser der Erden lassen / sowerden beyde ein Holtz in einander vermengt geben/und Früchte bringen/ wie man Begehrt.

Man kan auch einen schönen glatten Reben-Zweig/aus den trachtigen Hecken/ die allbereits getragen/ aus-suchen/die Rinden davon einer flachen Hand breit ab-schalen/mit einem gespaltenen Hafen (wie es die Gärt-nermit den Nagelstöcken machen ) umgeben/ mit guterErden ausfüllen/ mit einem starcken Pfahl anhefflenund anbin den/daß es nicht viel von den Winden mö-ge bewogen werden/auch solche über Winter stehenlaßen/im folgenden Frühling abschneiden/ und an einbeliebiges Ort versetzen/so sollen sie/ wo nicht im ersten/doch im folgenden Herbst Trauben bringen.

Eine wunderbare Wein-Reben zuzurichten / lehret

Lbarles Sorcll 1"c>mo tenio, clc^cicnie univcrlcl! ,

auf folgende Weise: Nimm unterschiedene Wein»Reben/von den Stöcken die allerley Arten und FarbenTrauben bringen/ binde sie gehabe und lest zusammen/stecke sie in ein unten abgeschnittenes Widder - Horn/oder in eine andere hole Röhren / also daß sie oben undunten ausgehen/ stecks also mit dem einen Theil in dieErden/ nach dreyen Iahren werden sie zusammen ge-wachsen und das Horn verfaulet seyn; wo das abernicht wäre / muß man das Horn oder Rohr zerbre-chen/die übrigen Reben/ausgenommen einer/ die amstärcksten und besten gewachsen ist/ abschneiden / sohaltet man dafür/daß solcher Stockvon allerhand Far-

ben und Mm Trauben tragen soll; und dH soll sichauch prsüic<ren lassen mit allen Daumen. Man sagt/wiecickeszrariÄL.470.meldet/ daßder Weinstockeine grosse ^ntipatkiam mit derHafel-Stauden/dem Lorbcer/Rättlch und Kohl-Kram habt/.

seyn/wo ein Wald ausgebrannt worden/aber die Erdemuß m ild und nicht fest seyn; sie haben auch gern/wannman Spreyer/vonFlachs oderRvcken/zii ihren Wur-tzenlegt.

Man kan auch mehr/drey oder vier zarte Neben/ vonnahe beysammen stehendenStöcken zusammen binden/und dardurch dieSeltzsamkett und Verwunderung die-ser Frucht vermehren. Wer sonsten den Reben/daß dieTrauben cinenGewürtz-Geschmack/vder Geruch/vdeisonderbare SWgkeir/ oder Krafft/ den Leib zu ervWnen/dcnSchtaffzubelördern/demGiffczunidcrstehen^oder andere Arhncytsche Wirckungen zu haben / einzu-pfiantzen/ die Wein-Trauben ohne Kern; daß einWeinjrockzuglcich Trauben und O.wen trage ; einenWeinberg über etnenTisch/oder wo man will' und alledergleichen sürwitzige Künste zu machen/ versuchen will/der wisse / ix.ß solche einem Haus-Vaner mchr Hindernus alsBesozderunggeben/ftinHauswesen wol undglücklich anzustellen; doch mag/ wer da will/bey !>>i.niu, c,ritt^nt>no,/ok. öaptilla Ports, Lolcro Ulld alt-

dem Wirthschafft- und Kunst-Büchern nachsuchen»Ich, meines Theils/habe sie mit Fleiß unterlassen / alleunnothwendige Ausschweifte zu vermeyden/ und einenHauswirth lieber davon abzumahnen/als anzusrischcn/weil viel gute Zeit ( die ein köstlich Ding / und ander-wärts bester anzulegen ) damit verspielet/ und unterzwantzig oder dreyssigmal kein guter erwünschter Aus-gang verspühret wird; zudem/ wann man von unter-schiedenen edlen Geschmack und schönen Farben/ odercmcrund der andern Artzney-Krafft Wein haben will/sind sie aufandere Weise leichter und gewisser zu we-jgen zu bringen: Allein diese fürwitzige Künste habe ichschlüßlich ( weil es gantz wahr-ahnlich) beyfügen wol-len/ daß/ wann man/nachdem die Trauben verblühet/allgemach kleine Körnlein angesetzt haben/solche iit einGlas von engen Mundloch und weiten Bauch sachthineinschiebt/doch an den Reben stehen lässet/das Glasvor Lufft nnd Feuchten wol verwahret/ und fest anbin-det/daß es nicht weichen kan / so wird die Traube mdem Glas nicht Minder wachsen zu ihrer Vollkommen-^heit/und wunderlich fürkommen/wie es durch das engeMundloch in das Glas kommen mögen.

Wein-Reben Mangel zu ersetzen.

Lle Kranckheiten und Gebrechen der RebenH entstehen entweder vomGewmer/von Kriegs-Verwüstungen und Leut-Mangel / oder vonUnverstand u nd Unfleiß dessen / der ihrer war-

Thell.

ten soll; dem ersten/ weil es von GOttes Geschick undZulassung entspringt/kan menschlicher Fleiß nicht ent-gehen; das andere aber/ als wann man nicht zu rech-ter Zeit hauet/ftbneidet/dunaet/ vor dem Vieh ver-

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