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Th. 1 (1716)
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472
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De6 Ädelichen Land- und Feld - Lebens.

dem Garten/ können aber nicht so wol reisswerden/weileines dem andern die Sonne nimm? / und vom Schat-ten daran verhindert w'ird/es sey dann/daß sievoln?)?it-tqg nach Mitternacht gerichtet/ Osten zu einer/ und A-bend zurandern Seite/von Norden aber einige Schirmmungund Vorstand haben.

DieHöhe der Hecken wird nach der Mauer oder desGeländers/auch desGewitttrs Beschaffmheit da!d hö-her/bald niedriger geziegelt.Jn Italien und Savoyen/wsdie Trauben an den BäumenRepen-weise erhöhet/

und dazwischen Aecker mit Getraid gebauet werden^braucht man insgemein nicht alle Baume/ sondernnurdiejenigen/ die kenn bittere Wurtzen haben / als Nuß-Baum/ Eschen/ Dörnel-Baum/Felder oder Wey,den / so von den Alten darzu gebraucht worden / jetztaber haben Kirschen-und Weichsel - Bäume bey denmeistenden Vorzug;andereBäume/diegrossen Schat-ten mit den Aesten machen / und mit derWurtzen wei-ten Platz einnehmen / sind zu diesem HandelGlicht dienlich?

XXIll.

Wie man die Reben peltzt.

As Peltzen scheinet eine unnorhwendige Sachein der Wirthschafft zu seyn/ aber gleich nützlichund curiv8 ;da6 Peltzen ist darum erfunden/daßman erstlich die Reben / so gar kleines Marck nehinen/und dahernicht gern einwurtzeln/dnrch dieseKunst fort-bringen/ und dasichetwan in unserm Wein-Gebürge/!ein-oder anderStock finde/von schlechter und geringerGattung/oder der wenig Frucht brachte/ man ausden,selben eine bessere Art aufpeltzen / und alsobald wiederverbessern könnte. Die Alten Habens auf solche Weiseverrichtet:Erstlich haben sie denStock nach derZwerg/von unten-an/biß oben/so hoch/alsihnen gefallen/an ei-nem festen Ort durchbohret/ und unten Peltz. Zweighineingesteckt/daß er dasgantzeLoch ausgefüllt/ sie ha-ben den Zweig zwar gesäubert / und von aller grobenRinden unten entledigt / aber nicht gar geschalet/ nochdie Augen verwüstet / darnach haben sie den Zweig 4.Finger hoch oben abgeschnitten/ und i. oder 2. Augengelassen / das Loch haben sie mit Wax oder Laim ver-macht/und mit Rinden und Tüchern sorgfältig verbun-den/ daß keine Feuchten noch Winde haben eindringenkönnen / derStamm war vorher etwanemen Schuhhoch über der Erden abgeschnitten/und dcrZweig wardvon dem nächsten guten edlenStock genommen/durch-geschoben /(weil dieAugen noch gar klein und subtil sind)aber nicht abgeschnitten/ und ein baar Jahr also an sei-ner Mutter gelassen/biß er desneuenLaffts gewohnet/hernach wieder abgeschnitten.

Weilman aber diese Gelegenheit mcht überall habenkan/ daß ein guter edler Stock/ davon man peltzen kan/so nahe an den schlechten stehet/ daß man nach Beliebendamit verfahren könnte; daher es thulicher/ wiewol un-gewisser,daß man denGtamm/daraufman peltzen w.ll/nur halb / biß auf den Kern (ohne Verletzung dejselbi-gen) durchbohret / dahinein man einen andern Zweig/mit einem scharffen Messer wol zugespitzt/und/nach derGrösse des Löchleins vergleicht/ doch / daß man dasMarck nicht berühre/so fest man kan/hinemsteckt/biß erdie Höle völlig ausfülle, darnach mir Wax oder Laimwol vermacht und gebührlich verbundenes Loch mußman von obenherabwärts bohren/ mir einem von glei-cher Grösse geformten Hohlbohrer/ dann dieser^t^

bet nicht so leicht/ fasset auch den Holtz-Staub rein insich/und besser/ als die andern Näbinger; undaufdieseWeife Habens die Alten (laut LoiumcllT 1.4.0.29. undi.4 .c. l Zeugnus) meistentheils im Brauch ge-habt.

Zu unsern Zeiten aber/werden sie/wie die Bäume/indieSpaltengepfropfft/allein istdiß derUnterschied/daßdie Weinstöcke von der Erdengantz enkbiöst/ einen hal-den Schuh/oder etwas wenigs mehr/drunten glatt ad,geschnitten / und also (doch mit Verschonung desMarcks) gespaltet/ und 2. Zweiglein/ die zugerichtet/und mit derRinden auswärts gekehret werden/darnachwerden sie sacht verwahrt und verbunden / wie dieBaum-Peltzer/ und laßt aus dem Grunde nur 2. Au-gen an jedem Zweige heraus ragen/das üdrige wird mitErden bcdcckt.

Diese Art ist aber nicht dauerhafft / weil aus dem ge 5spaltenen Stamme der hauffig - fliessende Safft die,Zweige zu ei sticken pflegt; diesem vorzukommen/ magman unterhalb desgepeltzten Orts / den Stamm eröff-nen / daß d,e uberflüffige Feuchtigkeit dort ihren Aus-gang habe/wie sie also Ichwerlich lang leden mögen.

Darum thuns etliche aufdiese Weise : Sie macheneine weite und tieft Grude um den Stock/ den sie pelbenwollen/ an welchem sie seine Aeste mit den Spitzen von-einander breiten/ aufwartsbiegen/ 4. Finger oberhalbder Krümme/ einen Schuh tief unter der Erden/ wer-den die Aeste glatt abgeschnitten / mir einem scharffenMesser z. Finger tief gespalten/ und wird ein Zweigzweyeckichl geschnitten/ daß beederseits die gebliebeneRmden/mit des Stamms Rinden übereinstimme; da-her muß auch Zweig und Stamm von gleicher Grösseerwählet werden / man bindets hernach nach Gebühr/und verlchuus mit Erden/ daßallein-. Augen aus derErdesich hervor thun. '

Alle diese Peltzungen geschehen im Frühling/ beystil-lem fchonen Wetter / bald vor-oder nach dem Neu-Monden; die Zweige nimmt man gerne von den klein-märckichen Reben/ die man ohne Schaden besser be-!schneiden kan / und nimmtdie Augen / die nächstam alten Holtz stehen.