Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
470
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^ 470 <?es Aoeilcyen Lc

das rechte Zweig abgestossen oder zerbrochen würde/man solches von denen andern Schößlingen wieder er-setzen möge; alsdann mußmanauch die ausgestande-nen und verdorbenen Stöcke hinweg thun / und frischean ihrer Stelle einsetzen/ doch müßen diese schon Wur-tzen haben/und fast bey dem Alter seyn/wie die übrigenStöcke. Im vierdten Jahr wird der neue W«inbergim abnehmenden Monden geschnitten/damit derStamdesto kräfftiger sich ergrössere/ welches (wo es im wach-! senden Monden geschieht) nicht seyn kan/ weil sich alleKrafft in tue Reben begibt / welche auf diese Weise indem Stammen sich conccmrirt. und denselben stärcket;man lasset jedem Stock diesesmal auch nicht mehr alsj ein Aug/ wanns zum drittenmal beschnitten wird / last! man ihm zwey Augen / und das kan man folgends /nachdem der Stamm dick und starckist / vermehrenbis aufvier oder fünffAugen/je naher die Schöslingam Stammen sich befinden / je tauerhaffter sie sindwider die Winde/ und je mehr sie tragen/ und das ge-schicht im dritten oder vierdten Hahr gemeiniglich / undje besser sie gewartet und unterhalten sind/ je reichlicherstellen sie sich wieder ein.

Wann nun die sünff ersten Jahr verstrichen / undder Stamm groß genug ist/hebt man an zu trachten/daß er Frucht bringe / als last man ihnen gewöhnlichdrey Augen/damit sie sich übertragen; wo freche schönegrosse Stöcke sind / last man ihnen mehr / und mußman sich disfalls nach des OrtsGewonheitrichten/lie-der aber zu wenig/als zu viel Augen lassen.

Die alten Stöcke zu schneiden / soll ein Weinhauerdas vergangene Leesen bevbachtsn/isi es reich gewesen/lasse er weniger/ ists aber schlecht und sparsam gewe-sen/ lasse er mehr Augen. Die gewisseste Prob ist/daßdu ihm mehr Augen lassen must/ wann der Stock nichtmit denen Schüben und Augen/die du ihm geladen/ zu-frieden ist/sondern aus dem hartenHoltzftischeSchös-ling zu treiben beginnet / weil er zu viel überflüssigeFeuchten / und mehr Nahrung hat/ als er seinen Re-ben mitzutheilen schuldig ist / aufdiesem Fall kan manihm künfftig mehr Augen lassen / damit seine Krafft zudeinem Nutzen / und nicht vergeblich in die unnützenNeben-Schösling angewendet seye.

Im Gegentheil/wann die ihme gelasiene Augen /'schwacheSchübe machen und kurtz bleiben/ists ein Zei-chen/daß er übersetzt worden; also kan ein vernünffti-ger Baumann einem und dem andern begegnen/damitjedem / nach seinem Vermögen/ derBillichkeit nach/fortgeholffen werde. Der Schnitt muß aber dem letz-ten Auge/ so hoch als möglich/geschehen/damit wannja das Holtz oben (wie offt geschicht) ein wenig zu wel-cken anfienge / das Aug davon unbetrübt sey. DerSchnittsoll nie gleich durch / sondern nach der Zwerchabhangicht gehen/damit dasRegen-Wasser/so wol alsihr eigenes/ so sie allzeit im Frühling nach dem Schnittvon sich c,eben / desto leichter abflicsse / und die Augennicht verletze; also kan der höchste Theil des Schnittsbleiben/ wo das nächste Aug stehet/ damit das Wasserauf der andern Seiten absincke. Theils thun denScbmtt also/ daß seine höchste Seiten sich gegen denOrt kehre / wo die meisten Wetter und Regen herkom-men/ und deraestalt den ^cknitt etwas von den Win-den 'Und Unqewitter abkehren / so die Vernunfft billi-chet/ daß es nickt übel qethan seye,

-und Feld-Lebens

Wann der Stamm allzufrech treibt/ last man bis-weilen einen Neben-Zweig stehen/daraus man mit derZeit noch einenStamm sormiren/ und also des StockswilligeFruchtbarkeit befördern/den altenStamm aber/wann er untauglich/ gar abkommen lasten/ und also denStock gleichsam wieder verjüngern kan; je niedrigeraber dieser gehalten wird/ je bestandiger dauret er; dasBeschneiden kan in künftigen Jahren umgewechseltwerden/ daß man Heuer im wachsenden/und das fol-gende Jahr lm abnehmenden schneidet/und so fortan;also wird der Wurtzel und Stammen so wol/ als denReben/ einmal ums anderegeholffen.

Man glaubt/ daß den Reben das Eiß nicht schade/wann man solche selbst/oder das Wein-Messer/ damitsie beschnitten werden/ mitBaum-Oel und Knoblochbeschmieret.Je eher die Wein-Reben beschnitten wird/je mehr Holtz macht sie/ und je später solche s geschiehet/je mehr Frucht bringt sie/ wie solches piimu«, coiu.mcll.,»?^Iacku», (.onttantinus und Oclccntius ein-hällig bezeugen;es soll aberdasSchneiden aufdas spä-teste vorbey seyn / wann im Frühling Tag und Nachtgleich sind; doch ist auch in diesem cvnkitmio äsns k(.'iimat.s zu beobachten.

Die Zeit des Beschneidens muß nach der StöckeEigenschafft/ und des Gewitters Beschaffenheit früherund spater seyn ; ligt der Weinberg an einer warmenAnhöhe/ in einem dürren Grunde/und die Reben klein,märckig sind/ muß man ihn desto balder; hingegen ligter eben/ in gutem feuchten Erdreich/ und hat Reben/diegrosses Marck haben/ desto langsamer schneiden. Nie,mals soll man diese Arbeit an einem feuchten / trüben/kalten/ windigen Tag/ sondern allezeit bey schönem/stil,len/ warmen Wetter verrichten. So kan auch ein be,scheidener Weinhauer in diesem Maas halten/wann ersiehet / daß seine Stöcke mehr Holtz als Früchte brin-gen/ daß er ihn etwas später/und wann sie mehrFrüch-teals Holtz bringen/ desto zeitlicher schneide/ damitweder an einem/ noch dem andern einiger Überflußseye / und der Abgang beederseits ersetzet werde/ weildie Frucht ohne Holtz nicht kommen/ und das Holtzohne Frucht kein gutes Leesen geben kan.

Vor allen Dingen muß man die Weinzierlen wolnachsehen lassen/ ob sie mit dem Reben-Schnitt recktumgehen/ nicht zu viel oder zu wenig Augen lafjen/ undsollen die Macht/nicht haben einige Bögen zu verkauf-en/dann wofern ihnen diß passirt wird/ so nehmen sieden Stöcken zu viel gutes Holtz / undsehen mehr aufihren eigenen/ als des Henn Nutzen. Es muß auchdieses bey den alten Reben in gute Betrachtung kom-men/ ob der Grund feist oder mager / dann die frechenund geilen Weinstöcke / die gute fette Herberg haben/und die mehr Frucht ernehren können / denen kan manwol mehr Augen lassen / damit sie sich nicht von sichselbst mit unnützen Holtz überladen; hingegen abermuß denen schwachen Stöcken / die schlechten Bodenhaben/ desto weniger/ und aufs höchste nur zwey/ oderyar nur ein Aug gelassen werden.

So sind auch die unterschiedlicheSorten derWein-stöcke mit dem Schnitt zu unterscheiden/ denn diese/wodie Augen weit voneinander stehen/ müssen schon höhergescbnitten seyn/ als die/ da die Augen enge bey einan-der stchen; also nach dem der Boden gut/ u nd die Re-

ben