Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
468
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Des Adelichen Land-und Feld^Lcbenö

ix.

Wohin und durch was Mittel die Weinberge zu machen.

Er beste Ort darzu ist ein Neubruch/ der nechsteein Korn - Feld / der schlechteste ein eralteterWeinberg/ wann aber dieser zugerichtet wird/muß er also tief umgraben seyn/daß alle die altenStöckeund Wurtzeln/so offt tief imGrunde liegen/völlig/gantzund gar mögen erhoben und ausgebreiret/und den Zun-gen angehenden Stöcken der Platz gantz allein gelas-sen werdea/sonst kan nichts recht gedeyen/ weil die altenStöcke/wo sie darinn gelassen werden/in^o oder mehrJahren nicht gantz verfaulen.

Die Erde aber sey/ wie sie wolle/ muß sie doch aufan-derthalbSchuh tief umgehauen/und dasOberste zu un-terst/und das Unterste zu oberst gekehret werden/ damitder gute Grund in luperkcic re^rs, da er allzeit am be-sten/hinein zur Wurtzel/ und die unterige roheErde her-auswärts-kommende/ ven der Sonne und GewittersKrafft möge gekocht und ermildert seyn; also kan manalle Steine/ und was tauglich ist/herausklauben; dieErde / damit sie desto besser miteinander sich vermische/muß einmal von unten nach der Höhe/ zum andernmalnach der Zwerg gehauet / und allzeit gleich und sauberzugeebel seyn/ hernach werden / nach Herzn clc LcrrcsRaht/ anderthalb Schuh-voneinander Schnüre/rsli«l-weise/den Platz durch/und so dann wieder Creutz-weise/ nach der Zwerg/ andere Schnür/ in gleicher vi-N»ntz/ ausgezogen/ daß allerseits gleich-wincklete kleineViereck anderthalb Schuh breit und lang erscheinen/alsdann hat man ein eisern Instrument/ formirt / wieder Zimmerleute grosse Bohrer/ unten etwas rundlichzugespitzt und wolgesiahlet/ in die z.Schuhe lang / undsodick/ wie ein ziemlicher Hauen-Stiel; der ObersteTheil hat ein starckes Zwerg-Holtz/ wie ein Näbinger/damit man ihn mit Händen regieren und eindruckenkan/ und wann man will / daß er einmal so tief/ als dosandere/ in die Erde gehe/ so wird an dem Ort/ welchesausserhalb der Erden bleiben soll/ein starckesZwerg-El-sen(wie aneinenKnebel-Spies/aber ohneSchache)an-geschmiedet/daraufkan man auch im Emsencken/den ei-nen Fuß setzen / damit es desto geschwinder in die Erdedringe; doch ist zu wissen/ daß zu den Würtzlingeneinestärctere und dickere eiserne Stange oder Star: Ste«!cken vonnöthen / weil die Wurtzen einen grossen Platz/ jdamit man sie nicht abreisse/ haben müssen; mir diesemnun / macht man zwischen die von den Stricken gezoge--mn/viereckichten Lpacien/just in dieMitte/die Löcher ingehöriger gleicher Tiefe / fenckt die beschnittene Würtz-ling oder Satz-Reben gemahlich und fansst hinein/undschließt hernach die Oeffnung wieder mit Erde zu.

Diß gehet aber nur in wol ties-undgut-gehauenmWeinbergen an/dann/wer in den harten- oder übel-zu-gerichteten Gchndey/ auf diese Weise/ diejungen Re-

ben/ mit-oderohne Wurtzen einsencken wollte / würdesich sehrbetriegen / und kleinen Nutzen daher zu hoffenhaben/ wiewol ich davor halte/ daß sich diese Herren äc5errcs Meynung / mit den Schnüren / unbequemlichpraäicirenlaßt/ atlsUrsach/ man gleichsam meinemGitter gehen/und alle Tritt genau einrichten muß/ undvermeyne/ wann man nur eine gemeine Reb-Schnur/wie dieGävMer brauchen/gerad und starck aufzieht/unddie Reben/ harr darneben/ in einer gewissen Maas ein-legt/ und so eine Neyhe fertig/ also mit der andern forbfätzret/es soll geschwinder und unmühsamer abgehen.

Wird man nun die Weinstöcke m eine solche Ord-nung bringen/ gibt es nicht allem ein hoHseeliges/ ange-nehmes Allsehen/sondern ist auch alle Arbeit dcsto leich-ter zu verrichten; wann aber die Reben schon grosseWurtzen haben/ die in denen auf solche Weift gedM,tenLüchern leichtlich brechen / ists gewisser/man macheGrafften/und lege sie nacheinander in einerWe>cichasstund guten Ordnung ein/ so bekommen sie besser/ undwird die Wurtze! nichtzertrümmert/dieMan doch einenWeg/als den andern/unten mit einein schärften glattenMesser ein wenig abstutzen muß/ solchen sie der ErdenGafft desto geschwinder an sich; dabey ist auch der Er-den Eigenschafft/ob sie sandigt/ leimichl/ eben/ oder ab-hängig ist/ da mandieGräben an einem Ort etwasfeuchter oder tiefer macht/ nur nicht gar zutief/ weil desBodens innerliche Bitterkeit / wo solche mir der gutenErde vermengt wird/der Pflantze Schaden bringt.

Von denen Satzungen müssen die obersten schwa-chen Gipffel/sodle alten 5iaKc»Z genannt/abgeschnittenwerden / weil sie unfruchtbar sind / und nur von denWinden umgetrieben/das StZmmlein nicht gerne ein-wmtzeln lassen.Von den Augen/die dem alten Holtz amnachstensind/ ist die beste Fruchtbarkeit zu hoffen/ undzweifelsohne / Haben die Alten darum ein wenig altesHoltz bey jeglichem Sätzling haben wollen / nicht eben/als ob solches so viel zur Feuchtigkeit nothwendig wäre/sondern sich vor der BetriegerArglistigkeit vorzusehen/dann/wo diesesZeichcn nichtzu sehen/konnrcn sie aus ei--ner langenRcben 2.oder z.Satzlinge machen/ und alsodenKausser hinrersLichr führen / welches aber/ wannein wenig altes Holtz dabey bleiben muß/nicht geschehenkan. Ist auch Hencis 8erlcs neben denen Allen derMeynung/ daß es besser sey/ man setze die Satz-Rebengeraden!) nicht gebogen ein/widerden allgemeinen undüblichen Brauch/ weil sie viel eher bekleiden/ und derSafft viel leichter gerad übersich steigt / als wann ererst durch krumme Abweege fortdrivgeyjM/ faulet auch nicht sogerne.

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