Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
465
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Vlerocen Buchs Erste

Die Vorsichtigkeit aber einer guten und trächtigenRebens-Gattung sich zu bewerben/ ist eines von den»omehmstenStucken/ wann dieses wol gerathet/ daßsie von guter Art / und dem Herbergs - Grunde ange-nehm sind/ so »st der Weinberg auf das allerbeste verse-hen / und kommen alle künfstige Bemühungen destoieichter an/weil verhoffentlich gulerNutzen davon zu er-warten. Darum ist das erste «Dtuck die rechte Wahl/woder gemeine Ruffund die alt-hergebrachte Ersah,rung gure Früchte weiß und offenbart / daselbst die Re-ben zu erwählen/ und etliche wenige mehr aufgewandteUnkosten nicht anzusehen« Zum andern/wann es Stö-cke giebt/ tue nicht gut thun wollen/ solche bald auszu-mustern.

Die Reben von weiten Orten kerbringen zu lassen/ist eine sorgliche Wagnuö, «jcht allein der Güte halber/sondern auch/ wegen der LufftundGrundes/ da erst zuerfahren/wie es ihnen bekommen moä-le; dcherbeßer/jurLeesens-Zeitbey dee Nachbai schafft/die gute/ köstli-che und lang-wahrende Lagk"- Weine bauen / sicb dar-um bemühen/und um gute Bezahlung/durch ihreHülf-se/seinen Wein Garten bewohnt machen; essry dann/daß(wieofft geschiehet,in solcherNachbarschaffr weniggute Sorten von Weinstöcken vorhanden/da ist es un-verbotten/an fremden Orten(wo Grund und Gewitterdemunsrigen nicht allerdings ungleichMchen herzuho,lcn/sonderlich/wann die Art besser/ edier und früchtigerist,-und setztHer: 6- 8crres .daß etiicheHerren mFmnck-reich gar aus Griechenland und Malta die Reben / mitgutem Glück/ haben/holen und sitzen iaffen.

In diesen aber muß man gewahrsam umgehm / dieMubeselbsi über sich nehmen/tind an die Wem-trachU-geOrl/zurLesensZeil/0k>er e^ wenig vochero hm-undwieder reisen / und den Augenschein lelbsteinnehmen-/und also nach Belieben handeln. Wer sich allein mrsgute VerheissungmverlassenwiA/wird warhasstig oj?cbetrogen/und in diesen Sachen irr^u/ ziehet viel andereUngelegenheiten nach sich.

Ssist auch vonnöthen / wo man^on WeiN-Rebenherbringt/ daß man von dem Hauer-Volck sich unter-weisen lasse / wie sie mit den Rcbm in einem und andernumgehen; sonderlich achte ich nützlich seyn/ gute Artenlieber daher zu nehmen/wo map später/als wo man frü-her zu leesen pflegt/ weil es gewiß/ sie werden unfehlbaranttnem warmernOrt gut thunchingegen zweiffechafft/wann sie von einem heissen /sonnichtenLand genommen/ob sie in einem kailern Boden zur vollkommenen Gute/und rechter Zeitigung gelangen mochten; das ist gewiß/je gleichförmiger derselbe Ört demdeinigen in allemist/jemehr ist auch die Hoffnung/daß sie wol gerathen undweniger fehlschlagen werden; und/obschon bißweilen ineinem undandern ein geringer Unterscheid / ist er dochnicht sonderlich zu achten/wayn schondie Weinstöcke soköstlich/als in chrerMutter-Erden nicht tragen sollten/sieaufsweniqsie die gemeine Art übertreffen werden/wann man sie nur in einen gleichmassigen / oder dochnicht allzu ungleichen Stand/ al6 sie vor gewesen/ brin-gen will. Unrathsam aber wäre/wann man von Wein-Hecken/ Bögen nehmen wollte/niedere Stöcke/ odervon niedern Stöcken/Weinhecke davon zu ziegeln/son-

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dern man nehme von gleicher Art/ gleiches sortzupflan-tzen,

^ Auch istdiß nicht aus der Acht zu lassen/ daß man dieReben lieber in einem geringen/ oder durch mittelmässi-gen/äls in einem reichen und guten Wein-Jahr erwäh-le idann/wsi! in einem guten Leesen/wann dasGewittergut ^i/ auch die sonst geringen Stöcke/ sich »nit Wein-Beeren anfassen / kan man dahero offt verführet seyn;hingegen an delyenigen Weinstöcken / die in schlechtenLeesen daöIhrige treulich rhun/isi nicht zu zweiffeln/daßsie bey gutem Wetter nicht weniger ermangeln wer-den.

Auf dieNamen derTrauben/hat sich einHaus-Vat-ter darum nicht sonderüch zt« gründen/weil sie an einemOrt nicht/wie an demandern/ genannt sind/ auch nichtan emem/me an dem andernOrt/gemthen/oderWeinbringen/ die lang liegen können/ unddieFarbund denGeschmack nicht halten/ auf welches vor alles zu sehen; habe aber der Stock einen Namen/ wie er immerwolle / wann er nur die übrigen erforderten Tugenden fhat/ soHat er schon genug/ wann man nur kein Bösesfür Gutes erwählet/ weil gleiche Mühe/ gleicher Unko-sten/ungleiche Belohnung aber davon genommen/ unddem ersten Irrthum/ mir Verlierung der Zeit und desNutzens / sehr langsam miö mit grossem Schaden wie-der zurecht geholffen wird.

Die Reben/so von gutenStöcken kommen/sind den-noch nicht alle von gleicher Güte/ sondern alleindiese zuerwählen/die aus einem vierdlgen zarten Holtz neu aus-gerrieben haben/und nicht diese/so aus dem harten altenStock auswuchern/nnd von umenheraufschiessen/weilsolche zwar vielHoltz/aber keineFrüchte geben/so wenigsoll man auch von den geraden hohenSchößlingen neh-men/sondern nur von denen/die in Mitten des Stocks/und ein wenig gekrümint und gebogen sich befinden/wann gleich die andern frecher und schöner aussehen/geben sie doch nur viel Schütten und keine Trauben.Auch ist dieses in Acht zu halten/sonderlich/wann sie na-he beysammen stehen/weildiese/welche sich weitvonem,ander g-'sonderr zeigen/wenig Hoffnung emigerFrucht-barkeit/geben.

Im übrigen soll man keine Reben aus einem Wein-tm'g nehmen / welcher den Sommer vorhero vom 'Schauer getroffen worden / weil das Holtz/ so hernachwachst/ zu diesem Werck zu jung und zu hatt ist/ daß esnicht gedeyen kan,

Theils sind zwar der Meynung/daß aus den grobenTrauben/die nicht so lieblich zu essen sind/ die besten undbeständigsten Weine wachsen; ist aber glaubwürdiger/daß eine wolschmeckende süsseTraube einen gleich gutenWein bringe/es wäre dann/ daßjene/ durch Lange derZeit/ sich abliegen / milder / und zumTrunck bequemerwürden/wie etliche Früchte sind/ die erst am Liegen zumEssen tauglich werden: Also soll man die Reben zu sam-len/allein geschickten/ treuen und fleissigen Weinhauernvertrauen / die jegliche Art undGattung besonderszu-sammen richten/ sie fein also abnehmen/ daß auch et-was von dem alten vierdigen Holtz unten daran ver-bleibe / uvd das nahe gy dev Gliedert! glatt abgeschnit-ten sey.

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