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Th. 1 (1716)
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Des Adeiichen Landend Feld Lebens

Keller/deren im Vierdten Buch sollen gedacht werden.Für das Brod hat man einen nnttelmässigen Ort / we-der zu feucht noch zu trocken. Kür das Fleisch und es-sende Waarhat man lüsstige kühle Gewölber DasObst wird bißweilen eingeschlagen/ bißweilen aber aufden gebretterten Bühnen/ «ufStroh oder Decken ge-legt/ und also/ sonderlich das Winter-Obst/ gar lang/biß im andernFrühling hinauS/und noch langer/erhal-ten. Für die Milch hat man bißweilen frisch? Halter inden Kellern/darinnen sie den Sommer-über/schönundgut bleibet / und gern auswirfst; in 8umma, für Eyer/Käse/Schmaltz/ Butter/ Oel/ Gewürtz/ hat man wol-verwahrte und taugliche Oerter. Das Einkommenund das Ausgeben einer Haushaltung / soll gleichen ei-nem reichen Quell-Brunnen/der nicht aufeinmal aus-geschöpjsc/sondern gemachlich/ nach und nach/ soll flies-sen/ damit der Aulauff/ der in der Wirthschasst jährlichnur einmal geschiehet/ niemai von der Ausgab gar aus-getrocknet / und dadurch dasgantze Haus verwüstetwerde. Gleich aber / wie man im Sprichwort sagt:Der sey nicht reich/ der grossen Reichthum habe/ son-dern der/ welcher vergnügt sey / und solchen wol brau-che. Also ist eineHaus-Mutter nicht darum glückse-lig/ die grossen/ überflüssigen Vorrat!) besitzt/ sonderndiejenige/ die ihn recht und gebührlich anzuwenden undauszutheilen weiß; dann/dieses ist auch die einige End-Ursach aller Bemühung in der Wirthschafft/ daß manselbiger brauchen und gemessen wolle. Wann nun einesorgfältige Haus-Frau allen Vorrath / damit er langynd gut bleiben möge/verwahret hat/ist auch nothwen-dig/daß sie wisse:

Erstlich/zu rechter Zeit ein jedeszumGenußherfur zugeben/ daß sie nicht (wie es etliche vor eine besondereWirthschafft und Erspahrung halten) das Kleisch/Wildpret,wildes Geflügel/ und dergleichen/«rst herge-be / wann es schon verdorben ist / davon fi? so wenigRuhm hat/als wenigen Lust oder Anmuth andere dar-ob nehmen können.

Fürs Andere/mit rechter Maas/ nicht zu wenig/daßweder eines noch das andere genug habe / auch nicht zu

jedem/was ihm gebührt/ damit nicht/ was sie zu Ehren(wann vornehmeGaste vorhanden)haben solle/zur Un-zeit verschleudere/ auf einmal die Ihrigen überschoppe/und andersmal Hunger und Mangel leiden lasse / denGästen das schlechteste/ihren Leuten das beste/das/ wasam längsten bleibt / am ersten / und was leicht verdirbt/am letzten angreiffe/ sondern/ was dem Krancken zurGesundheit und Erquickung/ und den Arbeitsamen zurNahrung dienet/wol unterscheide. Da muß sie entwe-der zum Hervorgeben selbst gegenwärtig seyn/auch ihreTöcyker darzu gewöhnen / daß sie eines und das anderewissen anzutragen / oder aufs wenigste/ soll sie eme ver-

standige/treueBeschliesserin halten/deren sie dasSpeis-Gewölb verrrauen/und auf deren Fleiß undVernunfftsie sich kecklich verlassen könne / die alles nach ihremWillen mache/ und die gebührliche Ausspendung zu ge-legener Zeit / mit massiger Bescheidenheit und gutemVerstand/an ihrer Statt austheile.

Und/ wie es an dem Frauen-Volck ein sonderbarerRuhm ist/wann sie mitWarheit gute Wirthinnen undHaushalterinnen können genennet werden/ also ist ge-wiß/daß ein ehrlicher Mann an seinem Weib/ nach derGottesfurcht und Tugend / nichts so sehr verlangt undwünscher/als daß sie häußlich sev/ weil eine Verschwen-derin ein reiches Haus wol ausoden/ und eine gutefieis-sigeHaus-Mutter ein armes Hauswolbereichemkan.Wie auch der weiseste Salomon in seinen Sprüchen/ein fleissiges Weib ihres Manns Cron / eine unfle.sslgeaber/ emEyter in ftinen Gebeinen/ nennet/ Cap-12.Item/durch weise Weiber wirb das Haus erbauet/eineNärrin aber zerbrichts mit ihrem Thun/Cap. 14>WereineEhe-Krau findet/der findet was gutes/und kan ftö-lich seyn in dem HErm/Cap. 18. und sonderlich das letz-te Capitel selbiges Buchs/welch ein herckchesLob er denehelichen/ fleissigen Haus Müttern mit sonderbaremEyftr ausspricht/dergleichen auch in dem weisen Haus-LehrerJesu Sprach Hin-und wieder/so wolLob-Sprü-cheder Frommen und Hauslichen/ alsDurchziehungder Bösen und Nachlässigen/zu finden: Also/eine Eh-ren-gierigeHaus-'W'rthin diesen hohen und sonder-

viel/damit nichts verwüstet/ und dadurch der Vorrach baren Ruhm mit höchster Sorgfalt täglich nachzustre

bald ausgezehret werde.

Drittens/ nut guter Oilcrelion und Vorsichtigkeit/

bcn/ sich befleißen solle/ so wird sie hm und dort vorGOtt und VW Menschenwol bestehen.

Cz?. XlX.

Vom Speiß-Gewölbe.

As Speiß Gewölbe ist ein kühler/trocknerundtempem-ter Ort/worinnen allerley Vorrath/der zu menschlicherErhaltung/Nothdursst undLust öienet/ erhalten wird/ soll weder zu hoch/noch zu nieder seyn/ und kleine Oessnungen/ vom Auf-gang/biß gegenAbend/haden/mehr frisch/als warm/dieFenster kan man bißweilen öffnen. Wo grosse Wirth-schaften sind / muß man mehr dergleichen Orte haben/ein absonderliches zum Brod / ein anders zu Meel/Gries/Hirsbrein/Haiden/Haber-Korn/ Gersten/ unddergleichen;ein anders zumSaltz/Gewürtz/Zucker/Hö-nig; ein anders zur Milch/ Butter/ Schmaltz/Fasten-Speise; ein anders zu Kraut und Rüben; wieder einenbelvndernOrtzumEssig/gesottenen/süssenWein/Aepf-

fel-oder Birnen-Safft; wieder ein anders zum Fleisch/Speck / Schuncken/ und andern geräucherten AleWund Fischen; Item/ wohin man das eingemachte Hir»schen und Schweinen-Wildpret/inEssig und sonst ein-gemachteFische; Item/wo man dasgedörtteObst/Aepf-fel-tindBirnen-Spalten/Awetschgen/Weichsel/Pfer-sich/ sauber/ schön und langwürig erhalten kan. Einejede fleißige Haus-Mutter muß sich dißfalls nach derGelegenheit ihres Hauses richten/und alles bequemen/wie einesjedwedern Art und Natur/ und des OrtesBeschaffenheit zugibt/ damit sie jederzeit finden kön-ne/ und herausnehmen / was sie zur Haus-Noth-dursst/ in fürfallender Begebenheit / bedörffen möch-te. Wie übel und beschwerlich würde esseyn/wann/wie