Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
291
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j

Drittes Buch/ Hauß-Mutter.

^9- i

xvil.

Was zu thun/wann jähling unversehens Gäste kommen.

N Stadten/ws derMarckt vor der Thür ist/daman Fleisch-Bäncke/ Kauffleute/ Früchte/ Ge-würtz/Fisch-MarcktundallerhandZuckerwerck/bey denen A^Zrerisiisten und Zuckerbackern haben kan/ist es leicht/daß man einen jäh erscheinenden Gast/ nachMöglichkeit besser bewirthen kan/ absonderlich/ weilman daselbst auch vielerley gute und edle Geträncke/nach der Wahl haben kan. Aufdem Land aber / woman aufseinen Gut wohnet / muß sowohl der Haus-Herz/ als auch die Frau/ eine weise und vorsichtige An-stellung machen/ daß man/im Fall der Noth/ nicht mitSchand und Spott bestehen möge/ sonderlich müsieni. die Zimmer und Gemächer/ wohin man die Gasteivß-ren will/mit saubern und genügsamen Fahrnussen/als Tischen/Sesseln/Leuchtern/ l.-,voicr. Spalier oderBildern / Fürhängen / saubern Betten / nachdem dasHaus vermag/mobuirt und versehen/und allenthalbensauber und wohlgekehrt und ausgeräumt seyn. 2. Mußder Haus-Wirth Vorsehung thun/daß der Keller mitWein und Vier/ und der Stall mit Heu/ Stroh undHaber/ nach Nothdurfft/ wie auch das fremde Gesind/mit gehöriger Speißund Tranck versorget seyn möge/auch gebürlicheLieger Stätten habe, z. Wann Ein-sätze undFisch- BeHalter vorhanden/sollen sie mitgutenund genügsamen Fischen versehen seyn.Weil aber4.diegröste Sorg und Bemühung der Haus-Mutter ob-liegt/muß sie sich befleissen/inihrenMayer-Hösen/nach--dem die Zeit des Jahrs leiden will / mit jungen - oderMast-Vieh im Frühling und Sommer/ mit Kälbern/jungen Kitzeln/Lämmern und (vpan-Färckeln/sonder-lichvon Eyern/ Milch und Butter/ sich gefaßt zu kal-ten/imWinter/vonSpeck/Brat-Wursten/geraucher-ten Fleisch / Zungen und Schuncken / von allerhandWildpret/ auch Wald-und Feld-Geflügel/ und gutenObst/wie es derOrt undZeit gibt/es frisch oder gedörtt/einen guten Vorrath haben / auch geräucherte Gänse/Span.Farckel/so alles/im Fall der Noch/wohl zu stat-ten kommt. s. Soll das Speis Gewölb nie leer seynvon allerley Sorten / Waitzen und Rocken-Meel/Gries/Haber-Korn/Heiden/ Gersten/ Hirs/ und der-gleichen. Eine fleissige und sorgfältige Haus Mutter/versihet sich aufdas gantze Jahr/ mit Zucker/Gewürtz/Fasten-Speise/ Oel / Hönig / Saltz und Essig ^ einge-machten Quittenwerck/ undsndernFrüchten/ sonder-

lich/mit wol-ausgebackenen Haus-Brod;und weil ge-meiniglich/ wo nicht etwan ein Marckt/ oder grossesDorff nahe vorhanden/ man etwan Hos-Becken hat/die zugleich das Wirths-Haus versehen/kan man auchSemmeln/Eyer-oderMilch-Brod bestellen,'guter Es-fig/jowol gemeiner-als vonRosen-Himbeer-un derglei-chen/auchOliven/Capern/Mandeln/Pistacci/Pricken^Stockfisch/Plateisen/Sardellen/Zibeben/ Weinbeer-lein/ von Birn/ Aepffeln und Weinbeeren/ gesottenenMost/den man das gantzeJahr brauchen kan/item/Ci-troni und Limonien/ wo sie anders zu bekommen und zuerhallen find/item/inEssig-eingemachteCucumern/klei-neMelonen/Fasolen/CicoriundEntivi/Seleri/Häup-tel-Salat/junge Fenchel-Cronen/und dergleichen; derGarten reicht so wol in) Sommer / als auch im HerbstmidWinter/seinen reichenZins her;derMayerhof/jun-ge und alte Henne«/Copaunen/Jndianis.Hüner/End-ten/Gans/und dergleichen;dieTeiche und Bäche/FischeundKrebse;dieKelder/Rebhüner/WachtelundLerchen/auch allerhand kleine Vögel von den Feld-Tennen;dieWalder/Hasen/Rehe/DroschelnundK:ammets>Vö-gel;die Vorraths-Kammern und Gewölber geben/ ne-ben andernGewächsen/auch eingemachte saureCappes-Kraut und Ruben/so nicht allein das Gesinde/ sondernauch zuzeiten/ die Herzschaffren selbst gerne essen; undwann jähe ein unversehener Gast kommt/der nicht langbleibt/kan manvonEyern viel-und guteSpeisen zurich-ten/davon man/absonderlich in Fast-Tägen/ den Hun-ger wol stillen mag; man hat auch Salbey/Saueram-pfer/ die man in Oel oder Butter/ mir wenig Meel/ba-cken/und mitZucker cilso warm wol bestreuen kan/zu ge-schweige» hier/ der von Gries und Meel unterschiedli-chen guten und sattigen Speisen/ die man im Hause(wann die Haus-Mutter eine wolbestellte Kuchen hat)leicht zurichten kan/und wann ein gutes Gesichr und be-reitwilliger Empfang darzu kommt/so wird einGast de-sto lieber mit dem/ was das Haus vermag/ mit dem gu-ten Willen / und ob auch schon (wann man nicht alleshaben kan)in einem und andern etwas abgieng/dennochverlieb nehmen; sollte auch/ weil man auf dem Lande/zujederzeit/ eines und das andere hierinn Erwehnte/ nichtbekommen oder erhalten mag/ was abgehen / wird dasGerne sehen/die freundliche 5raH->tion und die höflicheUnterhaltung allen andern Mangel ersetzen.

xviii.

Von Verwahrung und Austheilung der Vittualien.

S werden in allen wolbestellten Haushaltun-gen/gewisse Ort/Gewölber/ Keller/ Bühnen/und dergleichen/ darzu verordnet/ wo man dieGaben GOttes des mildreichen Vatters/ dieer/dasJahr durch/aus lauter unverdienterGnade/unsMenschen aus der Erden Schoos wachsen lasset/ ver-wahren und aufhalten könn«/ damit man/ das Jahr

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durch/zur Noth und Lust davon zehren/ sich selbst erqui-cken und stärcken/ auch den armen Neben-Menschendienen/und alles zu GOttes Ehr anwenden möge. Alsfür dieFeld-Früchtehat manStädel undKästen/darin-nen man das ungedroschene und gedroschene Getrayd/von allerley Art/hält/davon unsersiebendes Buch han-deln wird. Für Wein/und andersGeträncke/hat man

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Keller/