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Th. 1 (1716)
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288
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Des Aoeltchen Land-und Feld^'ebens

Zum Vierdten / soll (wie oben gedacht) eine Haus-Mutter/ »hr um sine treue/ fieissigc Hauc.halrerin/ oderBeschliesserin umsehen / die «ine gute Erfahrung undglückliche Gedachmushabe/ alles aufschreibe/ wasdasGesindevon Hausrach in Handen/damit sie nichts ver-untreuen oder verwahrlosen mögen/ diein Ställen bet)-dem Melcken/bey Fütterung undWartung des Vichszusehen/mit Milch/Kase/Butter und Schmaltz umge-hen/alle Arbeit anschaffen und ausführen/und von allenRechenschafft geben könne.

Fünfftens/ wann nun eine Haus Mutter alles aufdas beste und vernünfftigste bestelltund angeordnet hat/soll sie gleichwol glauben / es sey noch nichts gethan/wann sie nicht selber ihre Obsicht und Augen dabey ha-be/und Fleiß ankehre/daß alles mit guter Ordnung an-gefangen/vermittelt und geendet werde.

VirZiiio ktaleve??« , in seinem kvmulo. ausführet.Nun redet zwar vielleicht dieser/ nach der eyftrsüchri-gen Gemürhs-ArtseinerLandsleute/ undbin ich nichtder Mtt )Nung/ daß dieses in unserm Teutschland sichso gar nachahmen lasse ; eine Ehr-liebende Frau wirdohne diß die Gebühr und Wolstand ihres Hauswesensju beobachten/ und aus den übermässigen Auswan-dern und täglicher Gesellschaffts - Sucht / eine solcheMässigung und ^ocicration zu ziehen wissen / daß ih-rem Mann kein Verdacht / ihrer Wirthschafft keinSchad/ ihren Kindern keine Ltergernus/ und demgemeinen Pöbel kein Anlaß zur billigen Nachred gege-ben werde.

Zum Gicbenden/ alsosoll eine Haus-Wirthin glei-chen einemSchnecken/daß sie willig und gerne zuHausebleibe / und keiner Schwalben / die allenthalben m der

Zum Sechsten/ daher auch die alten Römer für der! Lufft herumstreiche;keinem May-Mer/der sich an alle

vornehmsten Weiber-Tugenden eine gehalten und gerühmet/wann eine Frau gerne zu Hause bleibe; weil siem einem verschlossenen Ort des Paradises gleichsamdarum erschaffen worden / daß sie gern zwischen denEingang ihres Hauses sich halten solle; die ihre Weiberauf alle Festin und Zusammenkünfften lassen / verursa-chen/ wann sie heßlich sind/ bey andern Verachtung/find sie sch^i / Verlangen. So viel eine Frau guteFreunde ausser des Hauses erwirbt/ so viel Feinde undRachsteller erweckt sie den Ihrigen; im Hause brin-gen die Weiber Hülff und Beystand/ ausser des Hau-ses aber nichts/als Verhinderungen;ihr Thun und Las-sen kan fremden Anwesenden keinen Lust geben / ohneUnlust dessen/ der sie dahin gebracht oder gelassen; ver-mehren sie nichts/ daß sie andere vcrlangen/fo verlichrensie doch/daß sievon andern verlangt werden; dann/ wosie es für unmöglich hielten/ würden sie es nicht verlan-gen/ und/ indem sie es für möglich achten/ kan solchesohne liederliche Einbildung von der Frauen Zucht undTugend/nicht geschehen. Wann eine Frau desjeni-gen Gesellschafft meidet/ von dem sie gewiß/ daß er ihrUnglück suche/warum sucht sie derselben Gespräche/diesie verlangen liederlich und gail zu seyn; die GesellschafftS - Begierd ist eine Eitelkeit / so wohl der Ehe-Männer/als ihrerWeiber/sie wollen durchFürstellungihrer Weiber Schönheit/ bey andern Neid erwecken/und machen/ daß sie offt andere/ die mehr gelten/benei-den müssen / und ererndten an statt des Neids / der an-dern Mißgunst/ wie dieses der Italiänische ^arckele

blühende und auskaimende Bauim anzuhencken/ dergrossen Gesellschafft nachfolge. Sie solle gleichen einerNachtigall / die ihren Jungen das holdftelige Früh-lings-Gesang/ der Gottesfurcht und Tugenden/ offt-malsvorsinge und unterweise ; einer fleissigen Ameise/die auf des annähenden Winters Nothdurfft / ,hrHaus/ ihre Kisten und Kasten / mit emsiger Vorarbeitversehe/und alles zu rath halte,einer treuen Gluck-Htn-ne/ die alle hin-und wieder-gefundene und zusammen-geklaubte Noth-Körnlein den Ihrigen / nach Billig-keit/fieissig und sorgfältig austheile.

Zum Achten/soll sie niemand Fremdes insHaus neh-men oder einigen Bedienten wegthun/ wann beedes ihrMann nicht vorhero weiß und verwilliget/ weil das er-ste eine unbedachtsame/, das letztere aber eine eigensinni-ge zornige Natur (so'beedes dem Weibs-Volck un-rühmlich) bedeutet/ und/wo nicht von dem Mann selb-sten/ doch von andern übel aufgenommen und ungleichausgelegt wird.

ZumNeundten/soll eine Haus-Mutter ihren Haus-Geschäfften und Wirthschaffts - Sachen mit allemFleiß abwarten / sich um Staats-Sachen/ Land-Ne-gierungs-Bedencken/neue Zeitungen/nicht viel beküm-mern / des Hcyraths-Stifftens / und aller dergleichenHandel/mussiggehen/ und weniger / was in fremdenHäusern geschehe/ als was in ihrem eignen Hause vor-gehe/zu wissen sich bemühen/ihrem Beruffgemas leben/den Ihrigen mit gutem Beyspiel vorgehen / und dasübrige GOttes Obsicht befehlen.

XVI.

Was »n Hause und inderKiichezuthun.

HOndiren und Artzney-Sachen/ wollen wir in

^ll^die folgende Capirel verspahren/ in diesem wol-ien wir allein/ was im Hause zu thun/ mit weni-gen berühmen/weil ohne diß einer vernünfftigen Haus-halterin ihre Gebühr nicht unbewust; theils auch/ ausdenen im andern Buch gethanen Erinnerungen / wasmonatlich im Hause sürgenommen/ ersehen/ und sichdarnach richten kan.

Doch/ daß sie erstlich/ alle ihre viel antreffende An-schläge und Vornehmen / vorher mit ihrem Mann be-rathschlage/ und/ wassie einhellig beschliessen/ desto ge-tröstet angreiffe und verrichte/dasGeringere aber auch

anzustellen nicht verabsäume; als/ daß sie zur rechtenZeit/ aufs gantze Jahr/ für ihrem Tisch / fürs Gesindeund die Stalle / Lichter / Seiffen und Kertzen macheoder schaffe / mit Milch / Käsen / Butter/ Schmaltz/Flachs und Hanff/ Hönig / Wachs/ Saffran/ Krautund Rüben/ Eyern/ Essig/ und allen Vorrath vonFleisch/Speck/Schincken/Meel/Gries/ Gersten/ Ha-ber/Korn/ Hirß und Heidenbrein recht umgehe/ damttnichts verderbe/und alles wohl angewendet werdezauchsoll sie guten Bericht wissen/ oder doch einen andernVerständigen dabey haben / wann sie das Garn denWebern übergibt/daß alles recht gearbeite t/ nich ts veu

untreue!/