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Th. 1 (1716)
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286
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Des Adeltchen Land- und Feld-Lebens

Erstlich/ daß/ weil es unmöglich sattt / daß nicht von

^ohm und unzeitigen/hitzigen Gemüthern/ m fürfallen-den Neuerungen / aLerley Ocnsuren / ^tichel-Reden/Meynungen und LonMuren / weißlich und unweiß-Äch/fürüber gehen/ auch sich der Ohren-Bläfer/ Ver-läumder/ Lügner und Tifchen-Taschm-Träger genugfinden / die aus einer Mucken einen Elephanten/ undaus einem Faden ein Schiff Seil machen / die Gemü-eher ineinander zu Hetzen / oder doch sich damit beyzulie-den und zujukauffen;als ist Vernunsit undGedulc hier-innen bey einer Christlichen Haus-Frauen höchstnoth-wendtg/ nicht alleui durch den Prob Stein der Weis-heit/ das Gold von dem Messing zu unterscheiden/ son-dern auckdie Gedult / geringe und nicht EhrenrührigeGeschwätz vorbey geben/ fünsse lassen gerad seyn/ undnicht alles auf das schärffeste zu Poltzcn drehen /dadurch werden die falschen Anheher verführet / diehalsstarrigen Feinde beschämet / die Mttelmässgengemildert / und die Frommen und Einfältigen gewon,nen.

Zum Andern/weil die anfänglichen Erzeigungen vongrosierWlchtigkeit sind/einen guten oder bösenNamenzu erlangen/soll sich eine Christliche Haus-Frau defleis-fen/die arme Leute/ nicht allein von ihren Unterthanen/sondern auch von auswendigen Hsnschaffren gerne fürsich zu lassen/ sie anzuhören/ ihren Anliegen/ Noth/Kranckheit und Gebrechen / gerne und willig abzuhelf-fen/esheisset: Vox -li,Vox lDci.gememerUrkund/GOttes Mund; dadurch sie aus einen kleinen geringenSämlein der Gutthatigkeit und Freundlichkeit / ihr ei-nen grossen und unsterblichen LobS-Baum pflantzenundauserziehen / auch dadurch bey der gantzenNach-barschafft sich berühmt und beliebt machen kan.

Zum Dritten/weil das Frauen-Volck meistentbeilsin einer solchen conli-üau on gebohren/ daß man sie inVerdacht hat,sie seyen karg/ geitzig/ gespährig/ und ha-be» nicht gerne Gäste-Nun ist wol d«Warheit/daß an

vielen Orten eine grosse Krippenreuterey und Zulauff/auch von solchenPersonen/die vomSauffen/derSpiel-Sucht/Zanck-Händeln/ und andern bösen Lastern/tze-schreyet sind / und man es daher einer ehrlichen Fraue«sch,er nicht übel nehmen sollte / dergleichenGesinde umihren Mann ungerne zu wissen / so kommen aber dochbißweilen ehrliche/ gute Leute aus der Nachbarschasit/Freund-und Bekandtschafft zu erhalten/und aus guterMeynung und ^tfcÄion/ sieheimzusuchen/ und mußdennoch dasUnschuldige deeSchuldigen entgelten/undsich mit einer kahlen Entschuldigung und merklichenGedicht abfertigen lassen; da soll nun einetugendsameHaus-Frau sich hüten / ihren eignen und auch ihresManns guten Namen/ keinen Schand Fiecken anzu-hängen/sondern solchen fortzupyantzen/mitallerEhrer-bietungundGutwilligkeitsich zu erzeigen/sonderlich ge-gen dem Frauen - Volck offenhertzig und vertraulichumgehen/ weil diese/ ihrer angebohrnen Art ingedenck/desto leichter errathen können/ was sie,m Schild führe/und aus einem geringen Verdacht/offt einegewisseFol-geschliessen/und damit sie und ihrHaue hernach bey dergantzenNachbarschafft austragen,alles vermehren undverbessern/oder vielmehr verärgern.

Juin Vierdten/dieses nun zu verhüten/solle eine ehr-liche Haut. Mutter die Gaste nicht weniger/ als derMann / mit Freundlichkeit und guter Au empfange»/gerne sehen/wöl bewirthen/und keinen Unwillen spürenlassenzalle kleine Ungelegenheitenciitlimuiiren/ unddaö'srsc.ta mcnt,nach ihres Hauses Vermögen sauber undwol gekocht/wo nicht mit wenigenUberfiuß/doch genüg-lich und geschwinde/daß sie nicht lang über die Ze,t war-ten dörffteu/ wol bestellen/ sonderlich auch/ daß für dasGesinde keinAbgang sey/die ain allerärgsten/zu befriedi-gen/und das meiste schaden können. Doch hat sich einsverständigeHaus-Frau in allen» nach der Lands AttuSihrer Nachbarn Gebrauch/ in diesem und andern (waslöblich und gut ist) zu richten und zu verhalten.

xiv.

Warnung vor Aberglauben.

Aß ist der andereVerdacht/damit meistentheilsdas Frauen-Volck sich muß bezeyhen lassen;und die Warheit zu bekennen / sind in Wirth-schafft Sachen/ auch denen / so den Mann be-treffen / so viel Aberglauben / theils von den Heyden/theils von der Einfalt und Leichtglaul igkeit hergeflos-sen /daß auch sehr wenig Manner sind/ die sich gantz da-von ausnehmen dörffen; will nur etliche namhafft ma-chen : Als daßman in den Lchalt-Jahren keinjunqesVieh abnehmen/oder einigen Baum peltzen solle. Daßder Ascher-Mittwoch des Frühlings/ der Pfingsttagdaraus des Sommers/ Verfolgende Hreytagdes Herb-stes/ und der Samstag des Winters Witterungen be-deute. Daß Urbani/Mariä Himmelfahrt/ Laurentii/Matthai-Tag schön und gewitterich/ ein gut-oderschlechtes Wein-Jahr vorsage/ daß der Weyhnachts-Tag absonderliche Pi opbezeyungen in sich halte/ nach-dem er aufeinen oder andern Tag in der Wochen ein-falle. Daß man nach den zwöiff Unter Nachten dieWitterungen der zwölff Monaten des gantzen Jahrs

proZnotticirenwill. Wann die Eychen wol blühen/soll ein gutes Schmaltz Jahr kommen.Wie der Guck-guck 2 oder z Tagenach Zgpl. schreye / soll dasKorn im Werth seyn/schreye er wenig / solle es wolfeil/thue er viel Schlage/ soll es theuer werden. WannsanS.Johannis-Tag regne/solleine nasseErndte seyn/sollen auch die Nüsse gern verderben; die Wiegen vonder Martins-Gans/foll nassen oder trocknen Sommerbedeuten / wsnn viel oder wenig Weisses daran ist.Item/daß S. Pauli Tag/ mit unterschiedlichen Wet-ter/auch ein gutes oder böses Jahr vorweise. Daß manam Michaelis-Tag einen Epch Apffel eröffnen / obereine Maden odce Spinnen in sich habe/ oder gar leersey/ dadurch Fruchtbarkeit/ Sterben oder Theurungvorzeige So viel Reiste vor Michaelis fallen/ so vielFröste sollen in folgendem Mayen nach Georgi fallen.Daß man von dem ersten Schnee die Tage/biß aufdennachfolgenden Neumonden / zehlen und glauben soll/es werden den Winrer-durch/so viel Schnee fallen/wieviel Tagevon dem ersten Schnee-Fali/biß aufdenNeu-

Mon- !