Drittes Buch/ Haus -Mutter.
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gest ins sechste Jahr unter der Mutter Böttmäßigkeit/ s nen / als der Eltern Fußstapffen willig nachzufolgen/in welcher Zeit sie ihnen gleichwol das Lesen/ Beten / darzu das Früi,-Aufstehen / Bibel-Lesen/ ihr ordentli^
und dte.°ri'.cipjz p-cUtiijeintreuffcnkan/biß sie nachdes Vatters einem vernünfftigen gewis-
senhafftenuntergeben / zu fernerer Voll-kommenheit unterrichtet und angeführet werden.
Die Töchter aber/ gehören von Jugend an/ biß zuihrer Verehlichung/ unter die Flügel der MütterlichenAufsicht/ die sie dann/ absonderlich zum Gehorsam undBrechung ihres Willens und eingebildeter Freyheitdarum desto emsiger erziehen soll/ damit sie/da sie künff-tig im Ehestand nach GOttes Schickung / tretten soll-ten / sie desto leichter ankomme/ ihres Manns Willenund Meynungen unbeschwert nachzuleben/ weil es fastnicht möglich/daß eine Tochter/die ihres freyen Muth-willens / von der zarten Kindheit an/ aus Vernachläs-sigung ihrer Vwtter/ genossen / hernach im Ehestand /sonderlich bey einem eigensinnigen und hartmüthigenMann / ein vergnügtes und glückseliges Leben führensollte oder könnte-
Es ist aber/ Erstlich/ in Auferziehung der Töchter/anallen Orten/ ein so mercklicher Unterscheid/ daß hierin-nen keine gewisse Regeln fürzuschreiben; an etlichenOrten werden siealso eingezogen gehalten/ daß sie sel-ten/ohne an Fest - und Feyertägen/ ausser dem Hausezu sehen; anderswo haben sie alle Freyheit/ nicht alleinju Hause die Visiten anzunehmen/sondern auch andernwieder zu yeben/ bey allen Hochzeiten/ Festinen/Dän-zen und Panqueten zu erscheinen ; an theils Orten /werden sie in der Dicht-Sing-und Mahler-Kunst / jmDantzen/ ja wol auch in Künsten undSprachen unter-richtet ; anderwärts werden sie zu nichts als zur Arbeit/zum Rocken und Nadel/ zur Kuchen - und Haus-Sor-ge angehalten ; an etlichen Orten werden sie also stillund verschwiegen zu seyn/ gewöhnet/ daß sie schier / inGegenwart der Eltern/ kein lautes Worr reden dörs-fen; hingegen anderswo/dörffen sie alles ungescheuhetund frey fürbringen/ was sie ihnen gedencken; da ihrdenn jede Mutter ihre Art gefallen lässt/ und warumeines oder das andere geschiehet / ihre Ursachen zu ge-ben weiß.Wie man nun sich hierinnen nach des Landesund des Orts Gewohnheit/oder nach der End-Ursach/
ches Gebet-Verrichten / nicht wenig Beförderung
bringet.
Drittens / soll sie eine Mutter zur Sauberkeit amLeib / an Lem - Gewand/ an Kleidern ( die nicht kost-bar/ weilen sie daraus erwachsen/ sondern gereimt/ an-ständig und mchl leichtfertig seyn sollen) angewöhnen/unhöff.iche Gebärden/ und unbrauchige Sitten/ anHänden/ Gesicht/ Augen/Stehen/Gehen und allenGebärden bey Zeiten abstellen/Lmt-Schalligkeit/thö-richtes Gelachterund Geschrey verhüten/ sie zur Ei-nigkeit untereinander gewöhnen/ keinen Vorzug (aus-ser wann sie es mirUngehorsam selbst verschulden) eineroder verändern geben/ sondern durch gleiche Lieb undVersorgung / sie zur Einträchtigkeit und Sanfftmuchanbringen.
Vierdtens sollen sie von Jugend auf zur Scham-hafftigkeit und Aussicht gezogen werden/ dabey ihnendie Mutter mit ihrem selbst-eignen Exempel ein treff-liche Beförderung geben kan / sonderlich vor unver-schämten Entblössen/ unter die Fenster/ Thüren/ oderan offene Ort zu stehen/ sich an oder abzukleiden / ^vofremde Augen oder das Gesinde das geringste etwasunanständiges ausführen möchte/ auch vor allem lie-derlichen Thun und Lassen sich zu hüten/ und wann sieihnen übelgezogene und leichtfertige Weiber zum Bey-spielfürstellt/ wie sie vor dergantzen Welt ein Abscheuund Verachtung/hingegen die Schamhafftigkeit vorGOtt und der Weltloblich und angenehm ist / ja daßnichts schön zu halten sey / wo nicht dieKeuscbheit dieVorsteherin / und gleichsam eine wachsame Pförtnerinist/ keine Aergernüssen ins Gemüth einzulassen/ oder daes ohngefähr geschehe / unverzöglich wieder heraus zutreiben/ dardurch GOttes Gnaden-Segen/ der heili-gen Engel Obhut/ und der Menschen Gunst erworben/gewonnen und erhalten/ und des bösen Feindes Nach-stellung vertrieben und zu nicht gemacht/ ja ohnewel-chekeine Schönheit/Hoheit noch Tugend zu der rech-ten beständigen Wolgefälligkeit erwecket und unter-haltenwird.
Fünfftens/ solle sie gute Aufsicht tragen/daß keine
worzudte Eltern ihre Töchter cjcttiniien/richten muß: .ärgerliche leichtsinnige Fabeln/Romanen und Bege-
Alfo will ich auch nicht ckipmiren/ was hier am rath-samsten zu thun/sondern jedem seine Weise heimstellen.Wann nur vor allem die Töchter/
Fürs Andere/zur Gottesfurcht undTugenden ange-strenget werden/ darzu die Mutter eine mercklicheBe-förderung durch ihr eignes Beyspiel/ geben kan. Dannweil wenig erspriessen würde / wann eine Mutter die
bungen/von ihnen gebraucht undgelesen/oder sie zu unschambaren Comoedien / Faßnachr und Possenreisse-reyen/ verdächtiger Geftllschasst und Zusammcnü'nff-ten führen/ oder durch andere darzu ausbitten lassen /weil durch diestii Zunder die unvorsichtigen zarten Her-tzen von des Satans Eingebungen unvermerckt ange-flammet / und auf erfolgende Gelegenheiten/ zu bösen
allerbesten Regeln darzu fürschriebe/und mit ihrnuLe- Stücken angespornet werden; und dieses desto besserben/ Thun und Lassen das Widerspiel zeugete/ wäre! zu erhalten / sollen sie nichtmüssig gehen/stets eine oder
nicht anders/als wann eine Katz ihre Jungen abmah- ^ < - ^ ^ .
nen sollte/der armen unwehrhafften Mäuslein zu ver--schonen/ und fienge sie täglich selbst / in der JungenGegenwart. Ein gutes oder böses Exempel/Hat in den
jungen zarten Gemüthern starcke imprcKonen / undwann eine rechte Aumahnung zum Guten darzu komt/mit dem Leben bestätiget/ auch durch keine gegebeneAergernus widersprochen wird / so kommt es endlich inein solche Gewohnheit/ die sich ihnen die Zeit ihres Le-bens dermaßen einpresset/ daß sie/in allen Begebenhei-ten/und fürfallenden Sachen/ schier nicht anders kön-
die andere/schöne/nützliche Arbeit vor die Hand nehmen/ oder sonst in Einmachung/ conckmng undparliung der Artzneyen/ und allerley ausgebranntenWassern/im Kochen und andern / dem WeiblichenGeschlechte wol-anständigen Künsten/ als Klecklen /Wircken/Zeichnen/Sticken/ Nähen/ Spinnen sichüben / damit sie nicht allein den Müssiggang vermei-den/ sondern auch durch tägliche Übung eine grosse kx-pcricn? ( die ihnen zu künftiger ihrer Haushaltunghochnöthig ist) zur Wirthlichkeit erlangen und über-kommen.
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Kim'