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Th. 1 (1716)
Entstehung
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275
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Drittes Buch/ Hau6-Mutter.

275

Armen / Krancken und nothdürfftigen Haus-Armen/ j Ihrigen Glück/ Wolergehen unv Seegen beständigsich mit Haus-Mittels/Rath und Allmofen gebührlich bauen/und was hier abgebrochen wird/ in der andernannehmen. Aufdiesen löblichen und festen Grund der, zukünfftigen Welt/mit ewigen Freuden/desto gewisse"Gottesfurcht/ wird sie unfehlbar ihr eigenes und der, und unfehlbarer ju gewartey haben»

m.

Gebühr gegen ihrem Ehe - Mann.

AndieGöttlichen allweifen Befehle in menfch- l auch ihre eigene Schande; und eine Frau/ so derglei-

in l chen einfaltigen Hafengucker vderSiemann verlanget/

ist gleich als wann sie einen blindenIührer lieber habenwolte/ als einen fehenden.

Zum Dritten/wie nun die Bescheidenheit und Kwcier^ition der erste Grad ist/ ein gutes Vertrauen zu er-wecken : Also ist ein gutes Vertrauen der edle Saame/daraus die wahrhaffre bestandige Liebe ihren Ursprungfastet/ oder aufs wenigste die Wiege/ darinn sie einge-schlaffere / gestillet und erzogen wird; daher wann ein-mal rechte Liebe/ durch vernünftiges Unterhalten/ indes Mannes Hertzen gepflantzet wtrd / hat sich ein ehr-lichesWeib solcher allzeit zu versichern/oder doch solche(wanngleich etwan trübe Wölcklein zu Zeiten sich ein-mifcheu) nicht gantzlich zu verlieren.

Zum Vierdlen/ soll sie sich in des Mannes Art undWeist schicken / und ihr nicht einbilden/ daß er ihremNumor und Gebrauch folgen müsse oder solle; undwann sie ihm mit Lieb/ Bitten und gutenWorten nichtandern kan/foll sie endlich / wie der kcko, die Stimmevon sich geben/ die ihr vorgesagt wird/ oder/wie ein gu-ter Spiegel die Gestalt/ die man ihm vorstellet/ wiedergegenweifen. Es sind viel angebohrne Unarten / disdurch ^anfftmmh und liebreiche Anweisung verbes-sert/durch verhaßte undfcharffeAufruckung aber viel-fältig können verärgert werden. Und weil der SittenUngleichheit/der Liebe gantzlich zuwider / soll sie sich be-fleissen/durch gütige Freundlichkeit/und holdfelige Bey-wohnung/ sieh ihres Manns «um»,-gleichförmig zu

lichem Leben allenthalben in gebührliche Obacht genommen/ und mit demüthiger Erge-bung vollzogen würden / könnte man manches Unglü-ckes/manches Hertzenleids/ manches Zancks undKrie-ges/ auch mancher grosser Land-und Haus, Straffenbefreyet und entlediget leben. Weil aber die verderbteNatur und Unart vermeynet/die Gebot/die siemit Lustvollbringen sollte/ seyen ein Zwang und Verhinderungeingebildeter Freyheit/ als widersetzet sie sich / so vielsie kan/ biß sie mit Schaden erfahre/ wieviel besseressey/ GOtt mit willigem Hertzen dienm/ als hernachdurch schwehreZwangs-Mittel/ in die Bande des Ge-horsams gefesselt/ und darüber seiner Ruhe entsetzet/der gantzen Welt zum Mahrlein und Schauspiel für-gestellet werden.

Ein von üblen Sitten und boßhafftigem Gemüthegezeichnetes Wecks-Bild/wird alles verachten; eintugendfames Hertz aber/ wird hingegen allezeit in denSchrancken der Billigkeit sich inne halten/ und willig-lich sich demjenigen/ was GOtt Heisset und haben will/rmterwerssen.

Und erstlich dem Mann / als ihrem von GOtt für-gefetztem Haupt/mit Gehorsam und Beystand/in allenbilligen und möglichen Dingen / an die Hand gehen/seinen weifen und vernünfftigen Rath - und Anschlägennicht freventlich widerbellen/ fondern mit stillem Geistund sansstmüthiger Gedult seinen Willen vollziehen /und/ woferne sie in einem und andern anstehet/und ihreine bessere Meinung (wie ossr geschehen kan) einfallet/solches fein bescheidentlich andeuten/dieUrsachen erläu-tern / und schließlich seinem endlichen AusspruchVoll-zug leisten; nicht trotzig/ halsstarrig und gehäßig wi-dersprechen/und mit ihrem Kopssoben hinaus und nir-gends anfahren wollen/ fondern nachgeben/ und sichversichern/ daß es ihr rühmlicher fey/vor ein vernünffci-ges/ als boßhassriges Weib/für gedultig und sanfftmü-thig/ als für frech und halsstarrig angesehen zu werden.

Fürs Andere/wird bey der gantzenWelt für bekanntund unfehlbar angenommen/ daß eines Mannes Ehr/Ansehen und guter Name/mit seinem Weib/ein gleich,jamunzertheiltesGutsey/ wovon sie / wie der Mondvon der Sonnen/ ihren Glantz empfanget / und da ereinigen Verlust daran leidet / sie mit gleichem Unlustumnebelt wird : Also wann ein ehrliches Weib ihresMannes Einfalt/ UnVollkommenheit/ Fehler / böseSitten ulid Unartigkeiten verhehlen und bemäntelnhilfst/ obs schon andere Leute mercken / wirds ihr dochein Ruhm seyn/ daß sie sich mit Vernunsst darein zuschicken weiß. Ein Mann / der seines Weibes Thunund Lassen öffentlich bey andern verunglimpfft/ zeiget/dcß er eine thörichte Wahl gethan; ein Weib aber/ die

machen/ in seinem Leid/ Trost/ in seiner Freude/Ver-gnügung / in seinem Unlust / Mitleiden / und in seinenFehlern/Stillschweigung und Verhelung zeigen; alsowird sie ihr gesammtes Leben suß/ alleZufalle ertrag-lich/und desMannes Gegen-Lieb allzeit unverbrüchlichmachen und erhalten.

Zum Fünffren/soll sie friedfertig seyn/ nicht alles zurUnzeit zu Marckt bringen/ oder den Mann (wann erzsrnmüthig ist) anhetzen/sonderlich in Sachen/ die sie(als etwan unter dein Gesinde) selbst abhandeln undvergleichen kan. Hingegen aber da grosse und wichtigeHändel fürfallel! / solle sie auch nichts verhalten/es mitsanfftmüthiger Bescheidenheit fürbringen / und ihreMeynung andeuten / wie sie glaube/ daß der Sachenam besten möchte abgeholffen werden.

ZumSechsten/ wann derMelnn etwan sauer-sehendund ergrimmt nach Hause kommt/ kan ihm ein Weibdurch Gedultund Stillschweigen / viel benehmen/bißderanfeurende Verdruß nach und nach exkalire undverrauchet ist; dahingegen / wann sie ihn mit bösenund üppigen Worten anfähret/ sie das Übel arger ma-chen/ und aus einem kleinen Fünckel ein großes Feueranzünden kan. Zu welchem Gebrechen sie ihn geneigt

dergleichen begehet/ zeiget / daß sie ein boßhassriges weiß/muß sie verhüten/ihm nichtAnlaß darzuzugeben;Gemüth habe/und eröffnet mit desMannes Unglimpff^ als wann er zum Zorn geneigt ist / mit Gedult seine

Mm ii

Anfeu-