Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
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260
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Deö Adelichen Land-und Feld-Lebens

cv.

Etliche Handwercks-Ordnungm.

^Eil bey Hofhaltungen undWirthschafften dieHandwercker unentberlich / als soll einHaus-Vatter in einem und anöern/ so viel ihm be-trifft / gute Wtssenschaffl haben/ die gemeinen Käuffeund Satzungen/Werth und Verkäuffe/ damit er sichmallen vorfallendenNothdurfften darnach richten/ukidurch schalekhafftigeBeredung oder Uberbietung nichtbeäffet werden möchte /undobwol diecheureund wol-feile Jahre einen mercklichenUnterscheid in allenWah-ren und andernHandwercks-Arbeiten verursachen/da-her auch nichts eigentliches zu6etcrmmiren/so stehetsdoch wol/wann einHaus-Wirth nicht so gar unerfah-ren ist/oder sich von jedem muß bereden lassen/ zu glau-ben/was man ihm fürschwätzt;sondern daß er selbst bey-lauffig den gemeinen Werth/ Güte und Eigenschafftverstehe / sonderlich soll er in dem Zimmer - und Mau-rer -Handwerk nicht gar unbekannt seyn/ daß er w ;sseanzugeben /zu ordnen/und abzustellen/was unrecht unduntauglich ist / soll auch selbst in seiner Eysen-Kammerallerley Vsrrath anHacken / Sagen / Feilen/ Boh-rern /Schneid Messern/ Zangen und Hämmern/ großund klein/ haben / daß er nichtin der Noth erst bey ei-nem andern entnehmen müsse; daß er beylauffig wisse /wie viel Psund-Eysen zu jeden Sortm tausend Nägelkomme: Als taufend Gprantz-Nägel halten beylauf-fig sechzigPsund;doppelteLcitten-Nägelhaltm vier undzwanzig Pfund; Gemeine Latten-Nägel halten zwölffPfund; tausendHuf - Nägel halten zehcn Pfund;Verschlag-Näqel halten acht Pfund; grosse Beheimoder Schindel-Nage! halten vier Pfund/mittlere dreyPftmd/kleine dritthalb Pfund; Schloß-Nägel haltendrey Pfund ; Sper - Nägel tausend halten dritt-halb Pfund. Insgemein gibt man den Lederern füreine grosse Ochsen - Haut zu arbeiten viertzig Meutzer/süreineNeine Ochsen-Haut/Tertzen-Haur undStier-Haut / auch Kühe-Haut dreysigKreutzex; für ein

Kalb-Md Schaff Fell sechs Kreutzer ; für eine Sau-Haut sechs Kreutzer. Mit den Rauchfang-Kehrernists ambesten eine Bestallung aufzurichten/denen gibtman sechs / acht/ zchen ( mehr oder weniger) Gulden/nach dem viel oder wenig Feuer-Stätten sind. DenHof-Schmiden gibt man/wegen des Beschlagen undAderlassens/auchjährlich ein gewisses/mehr oder weni-ger/ wann man sie selbst mitEysen verlegt, oder wannsie das Evsen müssen kauffen / rmgert und steigert mandie Arbeit : Also auch mit den Bindern/darnach er vieloder wenig abzubinden oder zu vollwercken har. MitWeber/ Wagner/Sattler/ Riemer/Wei?-Gärber/Kirschner/ Hafner/Uhrmacher/ Brunng^äber/Mül-ler/Laden-undLatten-SchneideraufdenSäge-Müb-len/Buchbinder / vornehmlich aber Schneider undSchuster / deren man im Haus - Wesen nicht embäh-ren kan / ist nach der Zeit Beschaffenheit umzuge,hen ; das beste ist/wann man eigne Handwercks-Re-gister aufrichtet/jedem/was er verdienet/ und was chmbezahlet worden/aufzeichnet / odergewisse beederseiksunterschriebeneSpann-Zettel mit ihnenausrichttt/da-mit wedereiner noch der andern Parthey/durch Über,sehen oder Muthwill/Unrecht geschehe. BeydenVe,cken wird dasEyrenbrod oder Semmel entweder aufdenRabisch genommen/oder/welches die beste und rich-tigsteRaitung ist/paar bezahlt. DieIager hatmanentweder in Bestallung / oder gibt ihnmihrAager-Recht; also auch den Fischern und Vögelfahern. InSumma/will einEhristlicher Haus-Vatter seinen gu-ten Namen behalten / so sey er mit den Handwerckernrichtig;laß nie nichtsGrosses verfertigen/er dinge dannzuvor /und bleibe ihnen nichts schuldig / so wird er vorandern befördert / ziehet ihm selbst keine Ziel - Schul-den über den Hals / und jederman arbeitet ihm gern/kan auch allzeit vor aNdern/imFaLBedörffens/Hand-wercksleute bekommen.

Was einem Haus-Vatter sonst wol anstehet zu wissen.

S sind noch viel andere Sachen / um derenKundschafft sich einHauS-Vatterchiilich be-werben soll / nicht wie viel fürwitzige Leute/dienichts anders gedencken/ als zu erfahren / wie es in derNachbarschafft / in einem und andern Hause zugehet/was dieser oder jener/ thut und sagt / wie er gesonnensey/ was er isst/ wie er sich gegen dem und jenem erzeigt/und dergleichen unnothwendigeHändel mehr / welchesie nicht allein bep männiglich verhasst machen / son-dern auchverhindern/daß sie meistentheils / wie es inihrem eigenen Hause zugehet/ und was meistens darin,nen Böses geschiehet / am allerwenigsten wissen/ unterihren Gesinde nicht diese / so am fleissigsten arbeiten/sondern die/soihnen die meisten Lügen zutragen / ammeisten lieben / und mit denen / so sie am meisten be-kriegen / am liebsten umgehen. Unser Haus-Vatter

abersok mit anderer Leute Thun Md Lassen / die ihnnichts angehen / unverwoncn seyn / sondern sich be-mühen/Erstlich / semes eigeuen Gesindes Natur undBeschaffenheit zu erlernen / damiter wisse / was unterihnen stecke / wessen er sich gegen jedwedern zu versehenhabe / zu was ein jeder am füglichsten zu gebrauchen/welchem er eines oder das andere am füglichsten ver-trauen möge / und was er beylauffig von jedwedern zufürchten oder zu hoffen/welche nützlich/erträglich/noth-wendig und zu behalten/und welche schädlich / lasier-hafftund abzudancken. Zweytens ist auch gut/ wanner seine nächstumihn wohnendeNachbarschafft machtnimmet/ was eines jedwedern inciinsrion/ zu wavGu-ten oder Bösen man sich gegen ihnen zu versehen oderzu hüten / ob sie freundlich oder hart/ groß-oder klein-müthig / gastfrey oder geitzig / treues oder hoffärt«-

gen