Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
254
Einzelbild herunterladen
 

254

Des Adelichen Land - und Feld - Lebens

t

schafft und Krafften vorgesetzt und verordnet hat/ esgeschehe dann durch des gnädigen GOttes Wunder-land/ wie an dem frommen König Hiskia: Aber ver-

kürtzen kan der Mensch sein Leben gar leicht/wann! etder Unmässigkeit und Trunckcnheit/ oder ander» Lasstern ergeben ist.

Vom Alter/ und Ursachen des Todes.

Jr sehen an vielen Beyspielen der Natur die

Ursachen/ so wol des Alters als des Todes; sobald ein Baum also hoch gewachsen ist/ daß erFrucht bringet/ und sich allenthalben mit Aesten undBlättern ausbreitet / so bleibt erzwar lang in diesemStande/ wann nicht äußerliche gewaltsame Zufälledieses verhindern; er bleibe aber in seiner VcZ.rsnonso lang er wolle/ so kommt er doch endlich in Abneh-men/ daß erWipssel- dür: / oder sonst von Wurm-Brand / und andern Ungeziefer/ verwüstet und ange-sprenget wird/ biß er endlich gar verdorret; Also derMensch hat sein Wachsthum/Zunehmen/Stillstand/Abnehmen/ und endlich den Tod. Und wie mancherBaume/ der das Ansehen hat/ als sey er frisch und grü-nend/in einer Stund von den Wetterleuchten (dieLa-teiner nennen es ?icjek->lioncm) kan verderbt/ und vonob?n an / bis in die Wurtzen versengt/ ausgedörrt undzu Schaden gemacht werden: Also kan auch wol eingesunder starcker Mensch/durch eine unvermuthetegähe Bewegung / hefftiges Gemüthes-Anligen/so wolFreud als Zorn und Trauren/alle seine Lebens-Geistermit so gewaltsamen Anstoß ausdünstet/daß er des gä-ben Todes dahin stirbet/ also daß manchmal ein gesun-der Mensch dem Tod gleich so nahe ist/ als ein krancker.Bey den Alten aber Heisset es: Ein Liecht / je länger esbrennet/ je mehr wird das Wachs oder Jnslet daranverzehret/und wann solches wegist/so muß es leschen :Also wann das ttumiclum rsclicaic in dem Menschenvonder natürlichenHitz zerschmeltzetund austrocknet/folget das Alter und endlich der Tod. Das Alter istanders nichts / als ein kaltes und trocknes 7>mpcra.ment, welches aus Abnehmung der Lebens - Feuchtig-keit/ und Ausleschung der natürlichen Wärme entste-het/die LebensGeister verschwinden/dieHaut schnurf-fet/ und faltet sich; und weil diese Eindörrung des »uMläi rsclicsiie mehr Feuchten verlanget/als trinckt manauch / solche zu ersetzen/ etwas mehr / und isset auch soviel als vorhin/ in Meynung/ den Abgang der Kräfften/durch Beysetzung der Speisen/zu ersetzen/ weil aber derMagen je länger je schwächer wird/ so wird die Nah-rung langsamer/ und nicht gantz völlig verdauet / näh-ret weniger/macht mehr Überfluß UNd kxcrcmcnla ,und schwächet nach und nach die gantzeLubttsntz desmenschlichen Cörpers. Die Aegiptier haben vorgege-ben/das menschlicheHertz vermehre sich biß aufdas 50.Jahr jährlich um 2.Ö.uintel/nach diesen nehme es von

Jahr zu Jahrwiederum2.O.uintelab/ biß es endlichsterben müsse aus Abgang des Hertzens; dieses aberist so wol wlder die ^nalvml-z, als tägliche Erfahrung.Es sind wol andere und warhafftigere Ursachen des Al-ters/ als neben der natürlichen Abnahm aller Sinnen/vornemlich ein unordentlich unmassigesLeben / diß be-fördert und anticipiret das Alter/ das Hertz wird ge-presset/das Hirn schwindelt/die Lebens-Geister verwe-ben/ der Athem wird übelriechend/die Haut wird runz-lecht/ der Rucken wird krumm und gebeugt / die Nasewird Messend/ das Gesicht dunckel und umnebelt/ dieHaar gehen aus/ die Zahne werden wackelnd und aus-fallend/ in Summa/ >I a tou» jours czucic^ue t'cr, quilock-, wie jener Frantzos sagt: Er hat allzeit ein roglesEisen; und wie Her: clc wionlsjzncsagt: Das Po-dagra/ Sand und Stein und Undauen sindZufälle derlangen Jahre/ wie aufden langen Reysen/Hitz/ Regenund Winde. Wer aber/wie nach der Länge schon aus-geführt worden/ ein nüchtern massiges Leben führt/ derist zwar nicht von dem Alter/ aber von vielen verdrießli-chen und beschwerlichen Zuständen desAlters befreyet;denn er hat zwoStützen/dmaufer sansst und wolruhet/die Gedächtnus eines tugendhassc-geführten zeitlichen/und die Hoffnung eines bessern und wett-erwünschternewigen Lebens; und lässet darum nicht ab von seinenguten Wirckungen/ob schon der Tod nahe ist/so wenigals die Wettlauffer/ je näher sie das Ziel erreichen/ jeschneller sie ihren Laussverdoppeln; das Alter macht sienicht verächtlich / sondern desto Ehrwürdiger; sie Wa-chens wie ein guter Schiffmann / wann er dem Portnahe kommt/ wickelt er die Segel zusammen/und lauf-fet mit sachtem Trieb/ bis er anläudet: Also je näher siean des Todes Port kommen/ je sorgfältiger werden sie/die Segel Vermenschlichen Begierden undWirckun-gen einzuwinden und einzubinden;und wann einHaus-Vatter sich bemühet/aufdas künfftigeJahr Vorrathzu verschaffen/ soll billich ein ehrlicher AlterLedencken/auf was Weisse er ewiglich wol und selig leben möge ;also wird ihm der Tod zu einer sichern Friedens-Fahr/ein sansster ruhiger Schlaff; und wird ihm (wiedasäherne Schlanglein Moysis zwar die Gestalt / abernicht das Gisst/die Zähne oderBoßheit einer Schlan-gengehabt) mehr eine heilsame Cur/ unfehlbare Hei-lung und GesunSmachung/ als ein Plag oder Straffewerden.

eil.

Lebens-Ordnung eines Alten.

As Vornehmste/ so einer alten erlebten Per- ! tem Wolstand/und das geschiehet/wann man selbigenson in Obacht zu nehmen / ist der Magen / so nicht mit mehr Speisen überfüllet/als die natürlichelang derselbe in seiner natürlichen Vision Wärme zu verdäuen genugsam ist ; und wie dieseerhalten wird/ so lang bleibt der menschliche Leib in gu- ^ Wärme/ davon die Lebens-'Geister ihre Nahrung ha,

^ ben/