Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
232
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Des Atcüchen Land- und Feld Lebens

Adern austheilet / und in die Puls-Adern durch Auf-und Abhauchung unterhalt; die Gall und das Miltzsind Gefasse/ darmn die bittern/ schwachen und gelbenFeuchtigkeiten ihren Sitz nehmen; Das Geblüt / somit steter circulation den Cörperdurchwandelt/wirdin derLebergekvcht/und vomHertzen/durch die vcnamcavam.mdieübrigenAderngesendet/ und wiederauf-genommen i in Summa / es sind drey Krässten in demMenschen/wiedreyerley Stände in ememgemeinenWesen: die unterste ist die nährende Kraftr/gleichsamwie Bauren undHa-ndwercker/die alleSpeisen in demMagen zuricbten/kochen/gebehren/ anziehen/ erhalten/austreiben/ und vertheilen; die nächste Kraffr ist diesinnliche/ als Kauff und Handels-Leute / die allerleyfremdeWahren einbringen/und diese beede sind gleich-sam als wie Unterthanen der obrigen verpflichtet undunterthänig; die hö chste und obristeKrafft ist im Kopff

und Hirn/(wie schon gedacht) wo der Verstand/dieWille/dieEinbildungund Gedachtnuß/wie dieObrig-keit und Raths-Herren alles verwalten.

Der Mensch hat eineGleichheit wegen seinesLeibeswit der Erden / wegen seiner viererley compicxivnenmit den Elementen/wegen seinesZu- und Abnehm ensmit den Gewachsen/wegen der Sinnlichkeit mit denThieren/ wegen der Lebens Geister mit der Lufft/we-gen des Verstandes mit den Engeln - wegen der un-sterblichen Seelen mit GOtt. Und wie derallwersesteGOtt die obriste Leitung und Führung der gantzenWelt zeiget; also soll der Mensch / als ein EbenbildGottes/aufs wenigst die kleine Welt/ seine selbst eigneBeschaffenheit und Natur/und wie er solch sein < .u.bcrno drüber vernünfftig und langwührig fortsetzensoll/wissen und verstehen.

Warum der Mensch die kleine Welt heisse!

Egen der Gleichheit und Aehnlichkeit/die der'Mensch mit den grossen Welt-Gebau / als inememSpiegel/zeigei/ist er von den alrenWer-sen^-->L--c°^^, eme kleine Wen/aus folgenden Ur-jachen genennet worden:Werldas menfchücheHauptrund geformet ist wie derHrmmel/die sieben Planetensind diesiebenVertieffungenindemHaupt/als2. derAugen/ 2. der Ohren/2, der Nasen/und eme des Mun-des ; also ist das Haupt der Himmel; der Magen dieErden; die Lunge die Luftt / und das Hertz das Feuer.

In dergrossenWeltist der s>rinms Kiotor undUni vsrll, GOTT der Allerhöchste: in dem menschli-chenCörper ist dieSeele dasOber-Haupt.Die wach-sendeKrafft indem Lebens-Geist/ die sinnliche m demLeibe selbst / und die verständliche Krasst ist m derSeelen. Die Biliosische Feuchtigkeit gleicher demFeuer/die Pflegmalische dem Wasser/die Blut-reicheder Lufft/die Melancholische der Erden. Die Blut-Adern sind dieWasser-Flüsse/dieBlasen ist dezOccsn.das Fleisch ist die Erden / dre Gebeine sind die Felsen/das Haar ist das Gras/die Kranckhetten sind die ivi«.reora.die Winde sind die Gedancken / die Gemüths-Bewegungen sind die Ungewitter. Die sieben Jn-Sterne sind von etlichen also eingetheilt worderi: dasHertz ist dieSonne; dasHlrn derMond; dieLeber der^

I^XXVlll.

Warlnn?!acc> den Menschen einen umgekehrten Baum nenne?

Jupim; dasMiltz derSaturnus; dieGall derMars;die Nleren dre Venus / und die Lunge der Mercurius.Wie m der grossen Welt die Dünste und feuchtenDämpffe aus der Erden und dem Meer überfiel) stei-gen/ sich in ein Gewülek zusammen fügen/ und endlich^imRegen durchTropffen wieder herab fallen; also stei-gen aus dem Magen Des Menschens die Dämpfte ü-bersich in das Haupt/ und werden daselbst zu Cathar-ren/die endlich wieder abwärts sincken.DasHirn hateine Gleichheit mit dem Monden; weil es/wie dersel-be/zu- und abnimmt; desMenschen gesundesWacheuist der Tag/ das Schlaffen ist die Nacht / dieBewe-gung und !<es^irslion des Hertzens ist die BewegungderLustt-Z^kTrö; dieVergnügung ist das heitere schö-ne Wetter/ die Traurigkeit ist die gewülckige finstereZeit/die Flüsse und Catharr sind die A/lcccora aus kal-ten und feuchten/die Schwindel aber fallende Suchtund Unsinnigkelt sind die klercora aus trocknen undhitzigen Dämpften; die Sonn durchschauet und er,wärmet den gantzen Erd-Erayß/un diefts grosseWelt-Augkan von dem kleinen menschlichenAuge gantz ge-jasset und gesehen werden.Aus diesem allen siehet mandie wunderbare ^armonis.und aus was Ursachen derMensch die kleine Welt genennet wird.

Aß plzto den Menschen Hrbori in vcrlse/einen^umgekehrten Baum / verglichen/ ist darum ge-schehen: Indem der Baum vor! unten auf-wärts/ der Mensch aber von oben abwärts also / undgleichsam umgekehrt wircket/ und daß des BaumesWurtzen / davon er den gantzen Stammen/ Aesten/Blühe und Früchten ihren Wachsthum ertheilet/ inder Erden haftren/ daraus er seinen Safft und Nah-rung sauget/der Mensch aber seinen Grund und Fun-dament oben imHauptundGehirn hat/welches durchdie Nerven und !Vieciu>iam lpinsi" m,demgantzenLeibe

sein Incrementum und Zunehmen/und durch dieSpi'riws snimalcg seine Bewegung und Vegetation aus-spendet/ und wie ein Baum übersich seinen StammundAeste austreibet/also treibt dasHirn abwarts/dieA4^cjuilZm lpinsi.-m durch den Ruckgrad/davon auchalle Nerven und Flächsen/als Aeste entspringen. DerBaum muß Erden und Wasser haben/ wann er qe-deyen solle/und der Mensch Essen und Trincken zu Un-terhalt feines Lebens; des Baums Vermehrung ge-schiehet durch den Safft/ der von dessen Wurtzen ausder Erden gesogen/und den Stamm und Aesten zuge-

flößet