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Des Adelichen Land-und Feld - Lebens
XVI.
Wie die Dienstöoten gegen ihre Herrschasst sich erweisen sollen.
Ey den alten Völckern / so wolJuden alsHetden/insonderheit bey den Römern/ hat man al-les/was man in Schlachten / Eroberung derStädte/Gewinnung oder Durchstreiffung der feind-lichen Länder/beederleyGeschlechts/Mann undWeib/gefangen genommen / fürKsechte und Leibeigene ge«halten/daß nicl>t allein ihre eigene Leiber/sondern auchalle diejenige/die von ihnen sind erzeugt und gebohrenworden/ leibeigen haben seyn müssen / die haben imnalle und jede Arbeiten / was man ihnen befohlen hat/thun müssen; wann sie starck und groß waren/habensie denPferden gewartet/die Felder und Gärten ge-bauet/und mit Umgraben/Aeckern und Egen versehen/ohne Lohn/ausser der geringen Unterhaltung/ daß sienicht gar haben dörffen Hunger sterben/übel bekleidet/-und fast wie heutiges Tages bey den Tmcken/ Moh-ren undAfricanem dieRudez-Knechte und angeschnnd-teSclavcnnnd korc^cn; ja sie haben müssen alle ver-ächtlichste Arbeit verrichten / heimliche Gemach-aus-.fegen/ und andere häßliche / chöttliche Dienste ihrerHerrschafft leisten/sind darzu mit einem Brandmalam Arm / theils wol gar an der Stirnen bezeichnetworden/über welche ihreHerren das)us Vit-e Sc !>jccisgehabt; wiewol dieser harte Zwang von libcrio >!c.rone ^cirianc» etwas gelindert worden / nichts desto-weniger hat sie ein Herr peirschen lassen / so offt es ihmgefallen / und sind eigene Leute darzu bestellt gewesen/die sie/ in Gegenwart ihrer Herren selbst/oder derjeni-gen/so sie darzu abgeordnet/die kxcculion verrichten'müssen; offt/wannihr Herr ohngefehr/nicht aus ihrer ISchuld/von andern ist erwürgt worden/ musten alleSclaven ihr Leben lassen/vielmal mit-wilden Thieren/und unter sich selbst auf Leib And Leben kämpften.Bey jetzigen Zeiten gehen die Mahumetaner / Perser/Tartern/ Araber/Mohren und Africaner nicht viel ge-linder mit den gefangenen Christen um / die führen siezusamm gekuppelt aufdenMarckt/da werden sie/wannein Kauffer will/gantz nackend ausgez-ogen/Jtmg undAlt/Mann und Weib/an allen Orten (ob kein Akan-gel an ihrem Leibe) besichtiget / ja gar die Zahne imMund/und sind die Übeln und grausamenTractamen-ten nicht auszusprechen/welchedie armen Christen vondiesen Barbarischen Völckern ausstehen und erdultenmüssen.
UnterunsChristengehet/GOtt seyDanck/das Ge-setz der Christ!. Liebe/ nunmehr völlig im Schwang/und sind alle Dienstbotten der harren Lcibeigenschafft/(aujjer an wenig Orten) völlig befreynDle anfangsviel^claven gehabt/haben denselben Wohnungen unFeldbau eingegeben / dafür sie jährlich der HerrschafftgewisseZkbeiten verrichten/und ein benanntes Getraydoder Geld/als Steuer und Dienst/ abrichten müssen.Was aber die Dienstbotten in der eigenthümlichenHaushaltung anbetrifft/werden dieselben mehr>j.irc?als^crvi genannt / weil sie an theils Orten vonden Unterthanen aufgewisseJahr/und um bestimmtenLohn/ an theils Orten aber auch von Frembden / diesich gutwillig bestellen lassen/ von Jahr zu Jahr ge-dingt undaufgenommen/und können jährlich/ aufac-
coräirte Termin/ihren Dienst aufsagen/und einen an-dern suchen/wiewol diese Dienstbotten das meiste Lobdavon tragen/ d ie an einem Ort lang im Dienst blei-ben/la Iu.ioke22S 6cIIz lervitü , cieäito Zlscrvilore
1.Weil nun die Dienstbotten von ihrenHerrschaff-ten redlich bezahlt werden/auch/nach derselbenTod/ih-re Lid-Lohn/neben andern^reciilvren/absonderlich be-freyet sind/als will ihnen auch gebühren/daß sie ihrenDienst treulich und wol versehen / und vor allen ihreHerren ehren und lieben sollen / wie der H. Paulus inseinen Episteln an die Epheser am 6. und an die Colos-seramz.Cap. besichlet: Daß die Knechte sollen ge-horsam seyn ihren leiblichen Herrn/ in Einfältigkeit ih-res Hertzen/.als Christo selbst/ nicht mitDienst alleinfür Augen/als Menschen zu gefallen / sondern: als dieKnechte Christi/ daß sie solchen Göttlichen Willenthun von Hertzen/ mit gutem Willen / ja sie sollen sichdüncken lassen/daß sisGOtt selbst/ und nicht denMn-schen dienen/und wissen/was ein jedlichcr Gutes thue/werde er empfangen/ er sey Knecht oder Freyer. Die-senguten Willen nun/ kan eine Herrschasst/mit Ver-nnnfft/Sanfflmuth und Gütigkeit/leichtlich zu wegenbringen und erhalten.
2. Soll das Gesind auch ihrerHerrschafft/so wol inihrer Gegenwarr/als auch in Abwcsen/ treu seyn / sodas vornehmste Band ist/ des Herrn Huld zu erwer-ben/und zumachen/daß er solches wieder zu erkennen/angetrieben wird solte er aber hier nicht erkanntlichseyn/ ist doch kein Zweiffel/ daß es GOtt/der allsehen-de Richter/ zu seiner Zeit / reichlich belohnen werde.Wann man sich auf jemanden verlassen darfs erwecktes em gutes Vertrauen/und aus diesem wächset emebilliche Zuneigung/eines solchen Menschen GlückundWolstand/ so viel möglich/ zu befördern.
z.Das Gefmd soll verschwiegen / bescheiden undarbeitsam seyn/ und wie ?i-mtus in kliiit- sagt:
komini iervo luosOomitos oporletbabcre oculvs Lc msnusOrationcmquc.
4. Auch sollen sie ihrerHerrschafft/wann ihnen Bil-liches anbefohlen wird/ Gehorsam leisten/ fleissig undgeschwind thun / was sie sollen; hingegen soll ihnenHerr und Frau nichts auftragen / was sie/ ohneVerletzung ihres Gewissens/nicht leisten können/ son-dern allein das befehlen/was recht/ billich und erbar/vor GOtt und der Welt zu verantworten ist.
5. Vor allen Dingen soll sich das Gesind nicht ge-wöhnen zum Widerbellen/allzeit das letzte Wort zuführen/ zu keinem Ding schweigen wollen / indem vielSachen im Hausstand vorfallen/da schon etwan dieHerrschafft irrt oder unrecht hat/ daß sie ( wann dieDienstbotten vernünffrig schweigen koniien/sonderlich,so sich grosse Hitzigkeit spühren lässet>mdlich selbst sol-'ches erkennen/in sich gehen/und durchSanffttnuch auf!gutenWege gebracht werde/dardurch bleibt im Haus-'wesen gutesVernchmen/Fried undEimgkeit/und wer-den viel grosseHandel vermittelt und ausgehoben/ diesonst das gantze Haus hätten anflammen können.