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Des Adelichen Land-uud Feld - Lebens
Zeit erfordert wird/mag er unterdessen wol/ was wich-tige und imporrirliche Geheimnussen sind / bey sich be-halten/ sonderlich/wanns solche geheime Rathschläge
Land-Schaden entstehen könnte. Wir wollen aberhier beschließen/weil wir in dem andern Capitel/dieses
„ zweyten Buchs/genugsam von dieser Matena gehan-
ünd Vorhaben bttrisst / die dasgemeine Wesen an- delt/ dahin ich auch den Künftigen Leser wiljgewieftytreffen/aus deren Offe»bahrung/ ein gemeiner' haben.
<Ix?. XIV.
Wie die Kinder gegen ihre Eltern sich verhalten sollen.
S wäre zu wünschen / daß unter den Christennimand möchte gefunden werden / der nicht ge-nugsam wissen solte/ wie GOtt / der allgemeineSchöpfte? und Vatter / uns ernstlich eingebundenund befohlen habe/ welcher Gestalt die Eltern von denKindern/ mit Ehr / Lieb und k-lpcä sotten beobachtetund gehorsamst werden; so ist doch der höllische Wi-dersacher/der alle GöttlicheOrdnung/so viel »hm mög-lich/ zu zerrütten suchet/ immerdar geschäfftig/mitWi-dersetzlichkeit/Trotz/Ungehorsam/und andern Lastern/die Gemüther der Kinder anzuhetzen/Göttlichen Ge-boten zu widerstreben; und das allerbetübteste ist/daß die Eltern meistentheils selbst an diesem Schuldtragen/ indem sie ihre Kinder in der Jugend nicht / wiesich gebühret/ in der schärften Zucht/(als es billich seynsolte) auferziehen/sondern/(aus unordentlicher Lie-be betrogen)sie in ihrem eigenen Muthwillen lassenerstarcken und zunehmen / bis sie end.ich aus einemkrummenHoltz kein gerades mehr machen können.Da-her/an der ersten Zucht und Unterweisung der Ki.id er/hauptsachlich viel gelegen/daß es auch gar die Heyöen/aus dem Licht der Natur/in acht genommen / und derweise 8oion unter andern seinen Gesetzen/auch diesesseinen Atheniensern gegeben: Daß/ welche Eltern dieAuferziehung und Unterrichtung ihrer Kinder/wie esbillich wäre/nicht ernstlich ihnen liessen angelegen seyn/denen sotten sie/weder Ehr in ihrem Alter/noch Unter-haltung in ihrerArmuth zu leisten schuldig seyn/wärenauch zu keiner Wldergettung und Dankbarkeit solcheKinder ferner verbunden/ ausser daß sie solche/nach ih-r/m Tode/zum Grabe bestätten sotten; Zweiffels oh-ne die schlafferige Nachlässigkeit der Eltern damit an-zuspornen/ daß sie mehr Fleiß und Fürsorg / auf ihreKinder und ihr selbst eigene Wolfahrt/ anwendensotten/ wolten sie anders das/uslalionis von ihnen zugemessen/ künfftig erwarten.
Es ist sonst unter den Gelehrten eine Frage: Ob dieLiebe der Eltern gegen die Kinder/oder aber dieser/ge-gen jenen/grösser sey ; und ttatuiren die meisten das Er?ste/indem man sagt imSprüchwort:EinVatter könnesechs Kinder ernähren/ aber sechs Kinder nicht einenVatter: weil die Liebe ihre Unsterblichkeit und Ver-ewigungverlanget/und die Eltern an den Kindern dieFortpflanzung iind Erhaltung gleichsam ihrer selbst/und ihresGeschlechts/sehen und hochhalten; da hinge-gen der Kinder Zuneigung gegen die Eitern deßwegenetwas laulichter/weil sie/wegen annahendenTodes derEltern/ ob ihrer selbst-eigencn Sterblichkeit ein Ad-scheuen tragen; sey also die Liebe der Eitern die abstei-ge/welches leicht ankommet/ der Kinder Lieb aber dieaufsteiae/darzu man mehr Mühe undStärcke bedarft/nicht anders wie eine Kugel Berg-ab/aus eigener Be-
wegung/ willig läufst/ Berg-auf aber nicht / als mitgrvssemGewalt kan gebracht werden.Andere hingegenwollen dieses nicht zugeben/ und vermeynen / die Lleb/als etwas himmlisches / steige/ ihrer natürlichen Nei-gung nach/lieber auf-als abwärts; ja wir habenCxem-pel/daß eine Mutter ihr Kind gegessen / hingegen emeTochter ihren alten Vatter gesauget hat; und es soltebey wolgenaturten und tugendsamen Kindern diesesvon Rechrs-wegen seyn/daß sie nach Göttlichen undmenschlichen Rechten / ihre Eltern lieben und ehrensotten/ wollen sie anders des Göttlichen verheissenenSeegsns/der allen gehorsamen Kindern versprochenjst/theilhafftig werden.
Gebühret also 1. ausGöttlichen Befehl/daß sie ihreerlebteEttern mit aller hertzlicherGegemLiebe betreuensollen/weil sie von ihnen erzeugt und erzogen worden/ihr Wesen/Leib undLeben(nächstGOtt)ihnen zu dan-cken/die auch ihren zarten Milch-Jahren die erstenSämiein derGottessurcht und aller ChMichenSit-ten und Tugenden eingeflößet haben. -.Sollen sie ih-ren Eltern mit möglichsten kcsp-Ä und Ehrerbietungbegegnen/weil/so wol der Eltern Ehr/ als auch ihreSchande zugleich aufdieKinde: erbet/und wo sie selbstdesselben gutenNamen nit möglichstesFleisses inHoch-achtung bringen / so richten sie zu Grunde/und verun-ehren ihr selbst eigenes Ansehen undWolfahrt; wannauch die Eltern/aus hohem Alter/gleich kindisch undaberwitzig oder wunderlich / seltzam und unerträglichwürden/sollen sie es mitSanfftmuth und Gedult clilN-m u iiren/und aufalle Welse sich/ihnen alle Anlaß undUrsachen zu allem Unlust zu benehmen/ bemühen/ undgedencken/daß sie denHimmel/zeitlich-und ewigeSee,gen / hingegen aber auch die Hölle an ihnen verdienenkönnen / daraus sie wählen mögen/was sie wollen/sonderlich aber sollen sie gewiß glauben / daß sie allesdiß/ was sie an ihren Eltern thun / Gutes oder Böses/gleichermaßen von ihren Kindern/ausGöttlicherVer-hangnuß und Widergeltung / zu gewarten haben.z.Sind sie ihrenEltern schuldig denKindlichenGehor-sam/wegen des scharffenGöttlichenGebots kxocl am2O. und Oeutsi-onom. am s.Cap^Du sott deinenVat-ter und deine Mutter ehren; mit der angehencktenschönen Verheissung: Auf daß du lang lebest/ und daßdirs wolgehe. 4. Sollen sie/wo sie von GOtt gesegnetsind/nach allen Vermögen/ihren alten unvermöqli-chen Eltern an die Hand gehen / und damit die GOttund Menschen wolgefällige kindliche Danckbarkeit er-scheinen lassen/so werden sie nicht allein in diesemLebenGOttesSeegen und derMenschen Huld/gleicheTmiund Vorsorgung wieder von ihren Kindern/ sondernauch dort die himmlische Freud und Seligkeit fröhlichzu gewarten haben.