Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
151
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Anderes Buch/ Hauß-Vatter.

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Frost ausziehet/daß er aussenher conciirt erscheinet/ o-der dardurch alles Eyß heraus gelocket wird/ so macheman dieses Ungu-m: Nimm gesottenes Baum-Oel 8>Loth/Bocks-Jnßlet4- Loth/Wachs 6. Loth/ laß es al-les untereinander zerschmeltzen/ daßeswottempcrirteine Salbe werde/davon soll man etwas in einem Ge-schinlein zergehen lassen/ und wanns zergangen ist/ miteinem Federlein/alle vier Stunde/ das erfrorne Glieddamit anstreichen/ hernach ein Tüchlein in die Salbengenetzt/un warm übergelegt/ist ein zwar schlechtes/dochgewissesMittel dasLeben wiedemm in einGlied zu brin-gen/und soll man im Winter sich beflissen/ diese Sal-ben aus der Reyse? stets bey sich zu fuhren; im Fallman zur Winters-Zeit/ an kalten und morastigen Or-ten/ über See/Teuche/ Flüsse/und naßländige eysichreOerter reysen muß/ und entweder fähret oder reutet/ istes sicherer / absteigen und gehen/ und soll man einenWegweiser haben/ der voran die Gelegenheit weise;dieSchuhe oderStiesel soll man mitFiltz aufderSoh-en füttern laßen / so gehet man sicherer / und glitschetnicht so bald/ doch muß man im Gehen den ganhenLeib etwas vorwärts neigen/ weil meistentheils denen/dieaufdem Eyse fallen / die Füsie vorwärts ausglei-ten/ und man mehrist auf den Nucken / selten vor-wärts fället / das eontrspcso und Gegen-Gewichtzugeben/wie ich von einem ehrlichen Schweitzer.)c,t,.n icoiaus Bauman/ der unter den Colloredischen Re-giment mein Hauptman war / vielmals gesehen/ daßer es offt im Winter p^Äici ri hat; das beste ist/ wannman im solchen Fall langsiunund aussichtig gehet/reu-tet oder fähret/und mit einem Stecken das Eyß (woman zweiffelt) bißweilen stösset und fühlet/ ob es et--wan nicht brüchig sey:am sichersten ist/ jemand voran-gehen lassen/ dem die Gelegenheit desOrts wol bekantftye/ weil/ wo es Bronnen-Quellen gibt/ das Eyß nieso starck haltet/und hat man sich also wol in acht zu neh-men ; wan manGeld bey sich führt/soll mans nicht un-vorsichtig viel vorweisen und damit prahlen/weiln dar-durch der Geitz und Muthwill angespornet/so vielBö«ses und unglückliche Fälle nach sich ziehen kan; am be-sten ist/ so man offenen Wechsel hat/ dardurch vielSaumseeligkeit und Ungelegenheit ausgehoben wird /kangleichwol dem Hofmeister/eine gewisse()uotz vor-geschlagen werden/ darüber er ohne äusserste Noth /nicht schreiten darff.

Vordem Mittags - Essen soll man im Reysen(wiegesagt) ein wenig spatzieren/ sitzen oder ligen/doch nichtschlaffen/hernach Hände und Angesicht waschen/ son-derlich Sommers-Zeit/ diePuls-Ädernan den Hän-den wol abkühlen/den Mund mit srischemWasser aus-spühlen/ alsdann die Mahlzeit einnehmen. Erhitzt mansich so sehr/daß man schwitzet/soll man den Schweißan ihm nicht einschlagen oder erkalten/ sondern abwi-schen lassen/ und wieder ein reinesHembdanlegen /doch sich hüten/ daß gähling keine kalteLufft an ihmgehe/denn diß vermag leichtlich ein böses Fieber zu er-wecken/wie in fremder Lusst/sonderlich in Italien/ baldgeschehen kan. Wo sie an einen Ortkommen/ da sieeine Zeitlang;» verbleiben gedencken/ soll der Hofmei-ster sich befleißen/ ein Zimmer zu bestellen/ das gegenMorgen oder Mitternacht-warts stehe/wo die Lufftfrey durchstreichen mag; kan es aber im Reysen nichtallzeit seyn/ und feuchtes Wetter wäre/ ma g er einen

l. Theil. -

guten gesunden Rauch machen lasten; die Stuben soman nie allzustreng cinheitzen/ weil solches viel Flüsseverursachet: besser ists/ wann das Haupt/die Brustund Füsse von der Kalte fein verwahret werden. HmSommer soll man von starcken Lxerc t!en nichts vor.-nehmen/und sich des Schattens und kühlerOerter ge-brauchen ; im Essen und Trincken soll man sich derMassigkeit und l'cmpcrantz befleißen/wann man nichthungerig ist/pr»sertim nsulsgizunclo kiimöcko, nichtsessen.AufderReyse soll man sich vorstarck-gesalhenen/gewürtzten und starcbriechenden Speisen/ als Käse/Zwiebel/Knoblauch/ Rcttig/ Senff/ hüten/ sonder,lich vor der Übermaß so wol auch vor Mtlchundgro.ben Zugemüß; starcke/ ausdünstende/ strenge Weinsoll man nicht gebrauchen/sondern klare/mittelmässigepicczuante Tisth^Wein/ hat man aber nur starcke /soll man sie mit Bronn-Wasser temperen/ also auchsolldasBier klar/ und nicht gar zu neu seyn/ muckestdu aber Was.er/ so erkundige dich vorher seiner Eigen-schaffr / Klarheit und Gesundheit / und hüte dich auden, Wege/daß du nicht aus allen Bronnen/die du mi-trissest / dein Durst löschest/ mankan Yen Durst wolverhindern oder stillen/wan man «in wenig süssesHoltz(Q!/cirrKi?aaz) käuet / sonderlich trinck nicht/ wanndu erhitzt'und voller Schweiß bist/ sondern warte bißins Wirthshaus? / da mache dir eine kalte Schalen ;zwischen der Mittags - und Abend-Mahlzeit soll^mansich von allem Trincken enthalten/ wann man will ge-sund verbleiben/ damit die Verdäuung nicht verderbtwerde. Die Speise soll recht und wolgekäuet seyn /sonst truckt es gernumdasHertz-Grüblein/davon auchDurchlauff/Grimmen/ conllibstiones,Fieber/ Ruh,reti/ und dergleichen/ kommen; wieder die übermässigekepiction. so wol der Speise/ als des Trancks/ ist keinbessers und geschwinders Mittel/ als wann man sichbrechen kan / da man den mit Baum-Oel eingesalb-ten Finger in den Halse thut/ leä poli vomitum sollman nicht wieder gleich daraufessen/als etwan ein we-nig Quitten-Latwergen/und alsdann schlaffen gegan-gen; geschiehet es aber zu Mittage / so übe den Leibmit Reuten/ und faste daraufbiß aufdenAbend. Fürdie rothe Ruhr ist bewährt: Nim von einem geschlach-teten Stier den Zeen unLcumleliiculi« . zerschneidseiner welschen Nuß groß/ dörrs in einem heissen Ofen/in einerSchüsselgar wol/ biß es sich stossen lässt/(dannerthuts nicht gerne) pulverisirs rein/ thue darzu dendritten Theil so viel Muscaten- Pulver/mengs unter-einander/ und aufeinen gebähten Brod/ eines Reichs-Thalers breit/ so viel darauf bleibt/ eingegeben/ Mor-gens und Abends / auch wol zu Mittage; keine gewis-sere Kunst wirst du bald finden; man kans a«ch wol ingestähelter Milch/ oder in rothen Wein einnehmen :Ich hab es ( sagt Jacob Vogel in seiner Schiff- undLand-Apotheckioi. 84.)vonUngerischen Bauren gese-hen/daß/ wann ihre Kinder den rothen oder weissenDurchlauffgehabt/ sie nur von einem Ochlen-Zeen/ soander Wand zur Peutschen hieng/undvon den Flie-gen sehr beschmeisst war / geschabt haben/ und gabensalso ein/ das Unreine aber schabten sie vor weg. Wannman an einem Ort eine Zeitlang still liget / muß mannicht unaufhörlich dem Studiren und denr-e^iunibusobligen/ sondern auch darneben seine andere ^xerci.tien/als Spatzieren/Ballen undBallon schlagen/Reu-

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