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Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
147
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Anderes Buch/ Hauß-Vatter-

einem und dem andern täglich und nützlich mögen er-bauet und gebessert werden.

Zum Achten / wann die Söhne in fremde Länder zuverschicken/ist gut/daß sie vorher schon einen ?r-rzu-ttum derselbigen Sprach haben/die sie lernen soll?n ;darzu gehöret vornemlich ein tugendsamer/gelehrter unwolerfahrner/behertzter treuer Hofmeister/ bey dem sienicht allein die Sprachen und Kxsrcmen wol lernen/sondern auch der Lateinischen Sprach dabey nicht ver-gessen.DerHofmeister muß auch die Geld-Rechnungtreulich führen / die Ausgaben und Gespariamkeit mitrechter Mittelmaß moäsru-en/seme junge Herren nichtlassen müssig seyn/oder zu böser verwegencrGesellschaftgewöhnen lassen / sondern mit Ernst/ und andern nutz-lichenviverlivnen/auch gutenBeyspiel/ davon abwen,den/ damit sie ihre Reyse wol anlegen/ wol gesittet/höf-lich/frey und tapffer/auch vernünffcig werden mögen/sich m allerley Tumoren wol zu schicken; sie sollen vonder Regenten Länder/Städte und Oerter Gelegenhei-ten/Gebräuchen/Arten/ Gesalzen wissen gründlich zu6ilcouriren. So soll auch em Hofmeister der jungenHerren compiexion ihme bekannt machen/ auf ihreGesundheit desto leichter acht zu geben/ und sie zu einerguten Oist gewöhnen/ um ihren Zustanden desto leich-ter und glücklicher zu begegnen / der auch im Reysenfürsichtig / in Gefahren behertzt/ in allen Begebenhei-ten vernünffcig / und in der Rechnung richtig und ge-treu sey; doch soll von diesem in den folgenden vierdtenund fünssten Capitel ferner gehandelt werden.

Zum Neundten / und schlißlich / will ich denen co-riolen und vernünsstigen Haus-Vättern/;u ibrem fer-nern Nachdencken/und reifferer Erwegung/des HErmUickaöl äs iVlontaiZnc Auferziehung/die erselbstencnk 8 ^lsöis.iivre Premier, csp. 2 s. anführet/ Mttweni-generzchlen:Daß ihnnemlich sein Vatter/ von derWiegen und erstenJugend an/einemTeutfchen gelehr-ten kieäicinT 8tucjiosci,den er mit grossen Unkosten be-ruften un unterhalten/der auch kein Wort Frantzösifchreden können/dergestalt übergeben/ daß er/neben nochzweyen andern Teutschen/ die an Wissenschasst etwasgeringer/ nurgleichsam feine Diener und Mit-Gespie«len gewesen/ kein anders Wort als Lateinisch/mit dem

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Knaben/ auch unter sich selbsten geredet: Dem übrigenHaus-undWeibes-Volck wars hart verboten/ emigFrantzösisches Wort/ in des Kindes Gegenwart/nichtauszusprechen/ja so gar Vatter/ Mutter und Gesinde/so mit ihm bißweilen nothwendig umgehen müssen/ re-deten nichts mit ihm/ als viel jedes von dem l'r-ece-ptorc conccptis formulis Lateinisch begreiffen / sichbißweilen mit dem Knaben zu erlusrigen; dardurchsiedann/ durch tägliche Übung/ so viel zu wegen gebracht/daß sie der Lateinischen Sprach zur Nothdurfft sichmittelmäßig behelffen können : und also ist gedachtercle .viontaiync sechs Jahr alt worden/ daß er Franzö-sisch/ als seine Mutter-Sprach / so wenig als Arabischverstanden/ hingegen aber die Lateinische / ohne Mühe^ oder Kunst/ ohne Bücher/ ohne (Zram m-ttica oder Re-geln/ohne Ruthen und Züchtigung/ so perlet, so reinund so gut geredet hat/als fein p.-eccptor selbst: Jai daß auch ftine nachfolgende Hofmeister und inlorm«> tores, gelehrte und berühmte Leute / als Nicoiaus(-roucki^deräsdolnmitiiskomsiinrum gefchneben/)<ZuiIiclmus(Zuercnte ,(der Überden ^rittotelencom-meritiret hat)und sonderlich die beede bey allenGelehr-ten berühmte und woibekannte Ocor^iu« kuckana-nus» ( der vortreffliche Schottländische Poet/) und^arcus ^nwnius kiuretus, (derinFranchreich/ undsolgends in Italien werth-gehaltene Orawr,) ihmeselbsten osstgesagt/es hätte cksel cle Montaigne lNseiner Kindheit die Lateinische Sprach so fettig undgut geredet / daß sie sich schier gescheuer haben mit ih»me Sprach zu halten: Sein Vatter hat ihn / im sech-sten Jahr seines Alters/ in das damals vornehme Kol-legium zu6uyenne <lbgeschickt/ da er stracks/ propterexpeMumkc elegantem 1-atjnXl.inßuseululii, (dar-zu andere/mit zwölff und mehr Jahren/kaum gelan-gen ) anfangs in die ersten Classen kommen/ und mitdreyzehen Jahren seines Alters / als er wieder herauskommen / den ^urium allbercit abiolvirtgehabt; wieer denn hernach in FrantzösischerSprach das trefflicheschöne Werck l-c» Kllm8. von allerhand überaus art-lichen/vernünffcigen vilcoursen/ Historien und Sit-ten.Lehren/mit unsterblichen seinem Lob hinter sich ver-lassen hat»

Was einHaus-Batter zu thun/ wann er seinen Söhnen einen Hof-

meister aufnehmen/ und sie in fremde Lande verschicken will.

S sind drey Staffeln der Jugend / darnachsind auch die Informator», oder Hofmeister zubestellen/ ?ucritia, Hcjolelcentis, /uventus.Von dem ersten (Zraciu ist imvorhergehenden Capitelgenugsam gehandelt worden. Die andere Staffel be-treffend/nemlich/ wann sie aufAcademien und hoheSchulen versHickt werden/ist einem genug/ daß er inder Lateinifch-undGriechifchen Sprach wol und per-l-Ä erfahren sey ; dann/ ob zwar die letztere gar seltenbey dem Adel cxcoiirt wird/auch nicht sonderlich noth-wendig ist/ so kommen doch so viel hundert GriechischeWort auch in derLateinischenSp:ach ein/daß sie schonlängst das Römische Burger-Recht erlangt haben /und man fast keinen guten ^utkorcm, absqueadmini-

ciMGZrXcÄl.iriKusr. wird lesen und verstehen können/wam man nicht ein wenig einigen?rseZuttum oderVorschmack davon haben kan; daher einem Jungenvon Adel/der loiit^m kruäitionis?amamzu erlangengedencket/sehr wol anstehet / auch in diesem Stuck /durch seims Hofmeisters Beyrath/ sich namhajft underfahren zu machen. Wann nun ein Adelicher Haus-Vatter seinen höhnen einen Hofmeister auf hoheSchulen geben will/ist (wie a!l»eit)auch allhier vonnö-then/ daß er in der wahren Gottesforcht/nicht alleinper ^keoriam wol lauffig fey/ sondern auch per Pra-xis, solche in seinem Leben -xprimire und erzeige; dar-nach muß er nüchtern/bescheiden/ und dem schädlichenLaster der Trunckenheit nicht ergeben seyn i Dann die

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