Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
146
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lq.6

Des AdtlichenLand- und Feld-Lebens.

durch sich ergrössern / wachsen und zeitigen / und imHerbst/ in ihrer Vollkommenheit/mögen abgebrochenund genossen werden: Also soll man den zarten undkindischen lnzcniig jhrcn Laussund Zeit lassen/ bis das/ucjicium ( so vor den Jahren nie/ oder gar selten/auchosst non lstiz felici psselaKiokoml) wachse u. zuneh-me. Man muß den Kindern zn Zeiten ihre Form undSwachheiten gelten lassen/ damit es nicht das Anse-hen babe/ wir wollten die Natur selbsten beschuldigen /die uns alle gewöhnlich also fürstellet / es würde derunschicklicheWeißheit-Saame/indes noch unbereite-tenAckcrs allzugeringer Fähigkeit/nur verderben.Folgeman also der Natur/ranqusm oprimo vuci.lasse ihnenM die unschuldigen Spiele und Zeit - Vertreibungender Jugend / und das Lernen seye ihnen anfangs nurtineVerwechslung des Spiels/nicht ein Verdruß undUnlust/ biß sie allgemach erwachsen/ zur schönenBluheund löblichen Früchten glückselig gelangen mögen.Somuß man die Söhne auch nicht jd gar an das Still-schweigen binden/ daß sie mit keinem Menschen/ in desVatters oder prsccprorz Gegenwart/kein lautWört-lein reden dörffen / sondern soll ihnen zugeben/daß sieauch mit frembden/tapssern und unverdächtigen Leuteneinen O-lcurs machen / und also / aus allerhand con -vcrlätionen/ bequemer/ und zum gemeinen Leben taug-licher/da sie sonst erwilden/ auch scheu und ungeschicktwetden / wann man sie in diesem Stuck allzustrengzwingen und abhalten wollte.

Drittens/muß er sie vonJugend-an gewöhnen/daßsie die Lateinische Sprach schön und zierlich pronunc,-ren/ nicht fcrum an statt vcrum, micki pro miki,tc6itpro cjcltit, 6isckorciiz pro clizcoräiz , crelckunt procrclcunt.und dergleichen/so in unsermTeutschland der,Massen überHand genommen/ daß es gleichsam ein ge-meiner Brauch worden/ und indem wenigsten Qym-naliis und Schulen beobachtet und geanthet wirdMel«ches ihnen hernach zu Erlernung ckcht allein die Jtaliä-wschen/ Spanischen und Frantzösischen/ sondern^auchder Böhmischen/ Windischen und Polnischen Spra-chen/ eine merckliche Hinderung und Ubelstand bringet/Mch zu nichs anders nutzer/ als daß sie von denen Aus-ländern billich verlacht und verachtet worden.

Zum Vrerdten/ muß er sie die ?rmcipis und runclstnenta(Zpammsiiccs zwar wol fassen lassen/ aber den-nvch nicht allzulangeZett mit vergebliä)enWorten auf-halten/sondern oeynebens zur Sache schreiten/ öonosSc cisMcos Autorcs zu lesen / zu verteutschen und zuimitiren / vorgeben ; in Übung der Sprach/so wol imSchreiben als Reden/ erhalten/ ihnen die Würdigkeitund Ruhm der Tugenden und Geschicklichkeit / undAbftbeulichkeitund Verachtungder Laster und Unwis-senheit einbilden; im Spatzieren gehen die natürlichen'Ursachen derSonnen-nnd Mondes-Würckungen derMeteoren / der Thieren/ Gewächse und Kräuter Art:diekunäamentaKe Principialuris; dieUnterscheiduiiBeschassecheiten der Politischen Regierung; vor allenDingen aber die kxerc'uiz ?it.tati,.die Lontrovcrlienin einem nndanderqGlaubens-Artickel/mchtex pro-s-ssonach der Länge/ sondern nur <-n psss-nt^und qusüluclenclo.mitkurtzen doch krasstigen und leichtenWor-ten / cxpttciren und allgemach eintreussen. Vordemsunsszehenden Jahr soll man sie/ ausser der LateinischenSprach/von alten exoticis i-mZuis abhalten/biß sie ei-

nen zimlichen Grund darinnen haben; biß dahin sol-len auch andere Exercitia ( ausser des Dantzens / der^iulica»?olilicz, <5ivil-und Militärischen ^rckitc^ur,und des Zeichnens) unterlassen werden; nachdem sieaber anfangen zu erstarcken/ kan man wol erstlich dieFrantzösische/ darnach die Welsche Sprach mit ihnentreiben / wie auch fechten und reiten lassen; wer diesesvon einem guten bewährtenBereuter undSprachmei-ster kan im Lande lernen/ der erspahtt am Reysen vielZeit und Unkosten; andere aber halten es für gut / daßsie ihren Kinderu Frantzösische k>rz-ccplorcs halten/dieihnen/neben der Lateinischen Sprach/ auch die Fran-tzösische/von ihrer Kindheit an/ koriz subcivilis, ein-treujfcn/dann/ weil in der Jugend die Gedächtnus amallerfahigsten/ ist es desto leichter beyzubringen/ so sindauch die zarten Zung en desto eher zu gewöhnen/ die un-gewohnte Aussprach desto besser nachzuahmen/ das zueines jeden Belieben gestellet wird.

Fünsstens/ soll er vor allen Aufsicht haben/daß siemit dem Gesindlein/ Gassen - Buben/ muthwilligen/übelgezogenen / frefelhassten jungen Leuten / undverdächtigen Weibs- Volck/ sich nie einlassen /durch Aergernisse / gottose / leichtfertige Reden /einen Zunder zum Bösen / (darzu alle Adams-Kinder ohne diß geneigt sind) und also Anlaß zu de-nen Lastern fassen ; er solle / wo ja dergleichen Be-gebenheiten nicht mögen vermieten werden / ihuenhernach diejenigen/ so Ubelstand/ Unsormund Boß-heiten begehen/also anaivliseu und beschreiben/daßsie mehr einen Abscheu/als Lust / ihnen zu folgen / dar-aus/sich vor solchen vorzusehen und zu hüten/ schöpf-ten sollen.

W^ei

um Sechsten/weil aber die Jugend natürlichereise/(wie man auch an dem jungenViehe undThie-

ren sihet) zur Kurtzweil und Fröhlichkeit geneigt ist /muß man sie nicht allzustrenge innehalten/ sondern/beygelegenerZeit/und schönem Wetter / in die Felder/Gärten/ Wiesen/ Auen/und wo sonst schöne angeneh-me Spatziergänge sind/ihnen <in Gegenwart seinerObsicht erlauben/ zu springen/zu lauffen/zu spielen/ da-bey ein vernünfftiger Aufseher viel von ihren inciinz-tion-und Anmuthungen «abnehmen kan/ ob sie ge-schicklich/hurtig/ frey/vortheilhasstig/ feig/ raä>gierig/zornig und ungeschickt seyen/damit er einem und demandern die gehörige Ennahnung-und Warnungen /wolfügigbeybringen/ und aufbessern Wege anleitenmöge. Sind sie aber grösser und stärcker/ von zwölffoder vjerzehen Jahren/ kan ihnen von ihrem Hofmei-ster (mit Vvrwissen und Einwilligung des Vatters)wol zu Zeiten ein Spatzier-Ritt/auf die Hetze/einLust-Schiessen/ Fischen/auf den Fincken^Heerd gehen/Ke,gelscheiben/ pziamzKiio, und dergleichen/nachgesehenwerden ; doch daß sie an allen Orten/ durch gute undgelehrte kurtze Erinnerungen/allzeit gebesiert/sowol inder Sprach als in Sitten/ Wissenschafft und Ver-stand/zunehmen und wachstn mögen.

Zum Siebenden/das vonnehmsteStuckun kcoul-titüm an einem Vorsteher der Algend ist/ daß er selb-sten wolgezogen/gelehrt/ nicht übelgebärdig/ sondernhöflich/kein Vollsausser/sondern mässig/ keinLössler ^sondern eingezogen und mo6ctt seye/ und seinem Unter-gebenen vilcip^n nicht allein InKitutions voKrinz?»sondern auch Lxempio VitT also vorleucht/daß sie von

einem'