Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
143
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Andcrcö Buch / ^?auö«Vatrer.

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und Einigkeit in der Ehe-Leute Hcrtzen eingewur-tzelt/ fthöne und hsldseligeFrüchte/GOttesSegen/ al,ler Güter llberfluß/auch in mancherley vonGOtt zuge-schickten und verhängten Trauer-Fällen/ GedultundTrost daraus reichlich erwachsen/alles Böse wird ver-hindert und gelindert/ aller Verdruß und Aergernusgemindert/ alle Arbeit dardurch befördert und geseeg-net/und dem Gesinde und Nachbarn ein gutes Bey-spiel der Nachfolge gegeben.

Also hat sich ein vernünfftigerHauß-Wirth dißfallsanfangs in der Wahl wol vorzusehen/ und da er durchGöttlichen Beystmid wol gewählec/ dahin zu trachten/wie alles im gutem Willen und Wolstand erhaltenwerde. Wer in seiner Wahl allein Schönheit sucht/derkan auch einen Teufte! finden/ weil sich dieser in ei-nen Engel des Liechts verstellen kan; wer aber nachVernunfft und Gottesfurcht heurathet / erlangt ernichteinen Engel/so erlangt er doch eineEngelische Tu-gend; diese Tugenden sind ein Feuer/ die alles änli-moiium in heilsame Artzeneyen verkehren/ machen einegeringe Gestalt angenehm / die Armuth erträglich ge-dulten/ und der Schönheit ruhig genießen; sie sind eink-?.o3r, der das ansteckende Gifft der Schönheit un-schädlich macht/und ist mehr Ehr-und Lob-würdig/alsanreihend und frech; dann/ wann Schönheit mit derMajestät und Ansehen dieser Tugenden begabt ist/ istsie eineTochter Göttlicher Strahlen/ nicht der gailenVenus, die andere zur Ehrerbietung / nicht zu frechenVerlangen anlocket/wie Her: -Viarckclein seinem verfolgten David schön ausführet.

Ein Weib/ wie wolerzogen sie scheinet/ ist doch vo neinem weichen leichtlich umgewandten ^umor, dareinsich unschwer widerwärtige Meinungen und Regun-gen eindrucken und impnmiren/ kan auch daher durchböseGesellfchafftund schlüpserigeGelegenheiten offter-mals sich verkehren. Diesem nun allem vorzukommen/soll ein vernünffliger Hauß -Vatter und Ehe-MannErstlich ihre Gegen-Liebe durch Liebe erhalten/ durchBescheidenheit unterhalten/durch Übung stätiger Got-tesfurcht und Tugenden auferbauen / durch verhüteteund abgeschnittene Aergernissen verwahret?/ und durchverschaffte Versorgungen vermehren.

Fürs Andere/muß er dem Weib als dem schwäche-sten Werckzeuge/ dergestalt ihre Ehre geben / daß erder seinigen nichts dardurch benehme/ damit ihre Liebund Gehorsam freyw-Mg / nicht gezwungen; warhaff-tig/ und nicht erdichtet; beständig/und nicht wanckel-müchig sey: Also muß er mehr gelind/ als scharff/ mehrernsthasst/als tyrannisch/und mehr wolgewollt/ als ge-fürchtetzu seyn sich befieissen-Des MannesHenschafftüber das Weib/ ist gleichsam ein kleines ContrefaitderHmschafft GOttes über den Menschen. GOTT lo-cket/ reii-et und vermahnet uns zu seinem Dienst/ zu sei-ner Liebe/ und zu seinem Reich/mit unendlicher Güte /mitVätterlichem Erbarmen/ mit treuer Schutz -- Lei-stung/ mit unzählichen Wolthaten; Er hat Gedult mitunserer Schwachheit/ näh:et/meh:et/ kleidet/versorgetuns/ und verspricht endlich / wann wir ihm folgen/ seinhimmlisches Erbe zu einer Gnaden-Belohnung: undfüget/ nach lang-aehabter vergeblichem Langmuth/ dieernstlicheStraff-Bedrohunaen dabey/imfall wir hals-starügund freventlich seinemWillen widerspenstig unserweisen/solches mit zeitlich - und ewigerUngnade ab-

! i"Thel!.

zu straffen: Also soll der Mann sein Ober-Recht überdas Weib / nicht mit gewaltthätigen Poldern mWSchnarchen / sondern durch gute Beyspie! von ihmselbsten/ernstliche Sanfftmuth /gelinde Warnungen/gedultige Zuguthaltung / billiche Md treue Versor-gung / und nochwendige Beschützung/ zu semer Hoch-achtung und geneigiem Willen bewegen / getreu undredlich mit ihr und ihrem Vermögen mngehen / damitsie seine Aufrichtigkeit spühren/ seine Woigewogenheiterfahren/seinemWillen nachkommen / und auf feineTreue in allen Fallen sich verlassen könne. Wie schönlöblich stehet es/wann man von einempaarEhe-Volck/aus dem silio Italico Iiiz .5». cic dcllc» ?unico sagen kan/welches er zwar von zweyen guten Freunden redet:

VsIIc sc noUc smbobusicicm , tociataHuctoto

^IensTvo,ac parvi« clivcs concorciia rebu».

Drittens / weil der Ehe- Stand ein ungestiunmesMeer ist/ so liegt viel daran/daß der Ehe-Mann/als einverständiger Schiffman/zwischen denen schroffechtenSturtz-Felscn/herum-reiffenden Abgründs-Wirbeln/und verdrüßlichen Sand-Bäncken sein Haus-und Le-bens-Schisslein alsv(mit Anruffung und H ülffe Gött-licher Gnade) wisse zu regieren/daß beede Lxtr-ma ge-flohen/ und auf der besten Mittel - Strassen/ sicher undunanstössig / das Ufer der Seeligkeit erreichet werde»Darum muß er vernünfftig in der gantzen <Hauß-Wirthschafft sich erweisen/ dem Welbe mit Glimpfund Sanfftmuth / waö ihr zu thun und zu lassen / wasihr wol oder übel anstehet/ andeuten; nichts unflätiges.unsaubers übelanständiges/ in ihrer Gegenwatt/ iveilksie leicht zu AbscheunndGrauen zu biegen/ vor ihremAngesicht/ sagen oder Wn; in allen Dingen sauberund sittsam sich halten / keine Mängel und Gebrechenübersehen und ciiMm-uiren, fürwitzige Beginnen offt-malen unterbauen / sie vor böser Gesellschafft warnenund abhalten / verdächtige Personen um sie nicht lei-den/ mit unzeitigem Eyfer sie nicht beleidigen /was zwischen ilMn beeden geheimes vorgehet/ nicht Mbedächtig ausschwätzen/ niemal ohne grosse Ursacl)/ sich feind-selig oder scharff / keinesmals aber gehässig erzeigen.Denn woserne sich ein Mann allen Einfällen und gu-'ten Meynungen des Weibes halsstarrig und ohneVernunfft widersetzet / allein daß er glaubt/ Ihm ge-bühre der Vorzug des Geschlechtes/so verlieret er den-selben mit samt der Liebe: und wann eine Frau gantznicht dörffte zu Zeiten iiMs Manns Meynung / ver-nünfftig nnd sanfftmüthig/ -mit beweglichen Ursachenwidersprechen/so wär zwischen ihr und einerDienst-Magd/ kein Unterscheid. Gn Ehe-Weib ist gleichsamein edles Perlein/so durch den sauren Essig eines garzu ungestümmenErnstes leichtlich kan verderbt wKden.

Zum Vierten / da sich auch zwischen ihnen einigerWiderwill und Aufstos solte ereigenen/ soll der Mann

wurffeines oder des andern natürlicheuGebrechens /unverschämt heraus schäumen/ und alk das Kind (wieman sagt) mit samt dem Bad ausgieffen/ sondern seineMeynung und Willen ervsthafft und bescheidentlicherlcutern/ von dergleichen abzustehen ermähnen/damitsie :hr Unrecht erkenne/ und dennoch durch seine Erin-nerung nicht unversöhnlich beleidiget werde.

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