Druckschrift 
3. Th. (1715) Deme zum Beschluß, Ein bewährtes, meistens aus eigener Erfahrenheit, und unterschiedlich-practicirten Manuscriptis, wohleingericht- sehr nutzliches Koch-Buch beygefüget ist In welchem, gantz besondere zu diesem Zweck, sehr curiose Materien, deren man sich, mit grossem Nutzen, und seiner Vergnügung bedienen kan, enthalten ...
Entstehung
Seite
463
Einzelbild herunterladen
 

Dritten Theils Fünffteö Buch.

46z

Von andern lliiterschtedlichen Kräutern / welche unser fttliqer^

übergangen/ und nichts davon gemeldet. Alö da sind: Lonu» »enricus, guterHeinrich/Lupiukaimum, Rinds-Aug-Kraut oder Kühdilien/LAcaim, Scheißekraut/ ^kritmus. Laciilen oder Meer-Fenchel/ C/mKaiaria , Aymbel-Kraut/Oraba vuißaiis, TürckischemKresi /vaucus. Möhren-Kümme! / undOiÄamnll8 >OiÄamoder Diptam.

l. Onus ttenricu8,Guter oderstoltzerHeiNrich/

»-^oderSchmerbel/hatBlatter/welche sich zum

^heil demSauerampffer undWege! ich ver-gleichen/ am Angriff sind sie weich und schmotzig/ obenaufglat/ unten aber mit zartem Meel besprenget / bis-weilen werden sie groß / als Aron-Blatrer. Er siostseine gestriemte/haarige l^chuh-hohe Stengel in dem?7!ayen aus/ daran wachsen viel gelbe oder braunlichreZaser-Blümlein/und folgends der kleine schwartzeSa-'men/zusammen gedrungen/ wie eine gehauffelrc/spi-tzige Traube/die da anfängt zu blühen. DieWurtzelist groß/ lang und weiß-gelb/ scharffund bitter wächstins gemein lan den ungebauten Orthen / in den Dörf-fern hinter den Zäunen/aufden alten Hofstätten nebenden Strassen.

Mannennets aber darum guterHeinrich/zum Un-terscheid bes bös nHeiiuichs, welches ein schadlichKrautist/ und von denBauren die böse ölum.'geheissen wird:Dessen Stengel ist weich / steiff/ Schuhes hoch/ undmir einem dünn-feuchten Safft angefüllet. Die Blu-! men sind Purpur-farb/haarig/ wie eine Aehre gestal-tet/der runde Saamen vergleichet sich dem Hirs.DieWurtzel ist gantz weiß/rauch von Knöpssen /schupichr/sehr lang/und stecket etliche Elen tieff unterder Erden. Er ist sehr kalter Natur / und verderbetdie Reben/ wenn er nahe stehet/ dahero manihnfleis-sigausreuret. Die Stärcke seines Wachsthums istsogroß / daß sie auch durch eine Wand dringet: Abergenug vom bösen Heinrich.

Der gute Heinrich hingegen ist temperirter Natur/hat viel wasserigen Saffcs/ neben wenig flüchtig-nitro-sischen Saltzes/ und etwas ölichten Theilen bey sich /und dahero die Eigenschafft / zu erdünnern / Schmer-tzen zu stillen / zu heylen / und ein gutes Geblüt zuzeugen.

2 .DerguteHeinrichisteinherrlichWund - Kraut/dienet/gi-ün übergelegt / zu alten/bösen/faulen Schä-den. Wider den Schmertzen der guldnen Ader:Nimm dieses Kraut/ zerstosse und koche es bey einemlinden Kohlfeuerlein/ mit Butter und Milch/ nachma-len drucke es aus/und schmiere den Orth damit/ es istein gutes Salblein. Dieses Kraut samt den Sten-geln und Schößlein/ pflegt man auch in Aleisch- Brüh! mit Butter/ Saltz/ und ein wenig Gewurtz zu kochen/! und also zu essen: Ist ein Gericht bey nahem so lieb-lich/ alsSparglenundHopffen.

Z. kupkllizimum, Rinds. Aug-Kraut oder Küh-dillen/ wird sonst auch Streichblumund Steinblum

genannt / und finden sich dessen ins gemein drey Ge-schlecht :Das geineine Rmds-Aug-Kraut hat eine glei-che Gestalt anzusehen wiedieChamillen / doch ist derStengel etwas langerund dicker/ auch sind die Blu-mengrösser/ schön gelb/wie die Ringelblumen. BeydeKraut und Blumen/ haben fast einen Geruch / wie derBeyfuß. Die Blatter gleichen dem Garbenkraut /sind noch breiter und grösser. Ferner sind bekannt /das Rinds-Aug-Krauc / mir Purpur-farbigen Sten-geln und Blumen.

Item / das mit gelben lind weissen Blumen. DieKühdille oder Rmds-Aug-Kraut/ist warm und tro-cken im andern Grad/ hat ein bitteres / ölichtes/ durch-dringendes Saltz in sich verborgen/ und hiemit die Ei-genschafft / Verstopffung aufzulösen/ zähen Schleim!zu verzöhren/ und aller Faule zu widerstehen.

4. Das von dem Rinds-Aug-Kraut destillirteWasser/ ist insonderheitwider die Gelbsucht dienlich /so man bißweilen drey oder vier Loth davon trincket.Es pflegen an manchem Orth die Weiber dieBlumendieses Krauts / wenn es in vollkommlicher Blüh ist/ zusammlen/dörren sie es imSchatten; bereiten alsdanndie Stärcke damit/ und bestreichen die Better/welcherGebrauch sonderlich um Mayny und Worms/ zu Er-haltung des Bettgewands ist.

f. cacaiia, oder s.v. Sck>eißkraut/ ist mit vielenBlättern gezieret/ welche sich dem gemeinen Hufflat-tich vergleichen / sind doch etwas grosser / fast Circul<rund/ an dem Umkreiß gekerssr / oben bleich-grün / undunten grau/ an welchen viel Ädern oder Nerven sicherzeigen / eines unangenehmen / hitzigen und bitternGeschmacks / sie stehen aufPurpur-farbenundholcke-lichten Stielen. Der Srengel ist fast zweyer Elen-hoch/hat oben mir den Neben-Zweigen Purpur-far-be viel-blätige Blumen/eines geringen/doch annehm-lichen Geruchs / die alsdann ;u einem Flug-Haarwerden/ in welchen der ablange Saamen liegt. DieWureel ist viel-häuptig/mir weissen langen Aaselenbegäbet / und flösset alle Jahr neue Schoß Herfür.Wächst auf den Oesterreichischcn und Steyermarcki-schen Gebürgen.

6. Dieses Kraut hat mit der Detter-Blum durch-!aus gleiche Eigenschafft und Tugend/wird aber eben ^so wenig in der Artzney gebraucht; doch wissen dieBauers-Leut damit faule Schäden bald zu heilen.Lsrolus Liulius hält darfür / es habe dieses Krautgleiche Würckung mit dem Hufflatrich.

crilKmuz.Bacillen oder Meerfenchel hat vie-ler'^