Druckschrift 
3. Th. (1715) Deme zum Beschluß, Ein bewährtes, meistens aus eigener Erfahrenheit, und unterschiedlich-practicirten Manuscriptis, wohleingericht- sehr nutzliches Koch-Buch beygefüget ist In welchem, gantz besondere zu diesem Zweck, sehr curiose Materien, deren man sich, mit grossem Nutzen, und seiner Vergnügung bedienen kan, enthalten ...
Entstehung
Seite
367
Einzelbild herunterladen
 

Dritten Theils Funffteö Buch.

367

vi.

Nöthiger Unterricht von bequemer Zeit und Gelegenheit / wann

und wie man allerhand Knchen-Kranter säen solle / und nach wieviele»Tagen auch ein- und anderer Saamen auszugehen

pflege-

^vüperstion/KÜlicntxund Würckungen regieren/

vevgrössern/ verkleinern/ vermehren/ vermindern/ bes-ser und geringer machen.

2. Die feuchten und nassen Gründe/ desgleichendie / welche die Flüß-Wasser feuchten oder wßäern /sollen allezeit im neuen Lieebt besäet weiden / dann dieholdseelig-neu-angehende Jahrs Zeit empsahet gleich-sam den herfür-wacksenden Saamen: Au dem magihnen die TrockneZe»! des Sommers / von wegen dröGewässers/ gar nichts schaden. Die jenigen Gründeaber/ so grossen Mangel an Wasser haben/zu demeauch das Wasser beschwerlich dahin zu bringen ist; Daist am besten/ daß man solcher Orten allezeit »m Herbstsäen lasse. Es möchte zwar auch im Frühling gesche-hen/doch mit demBeding/daß man das Erdreich drey-erSHuhtiffer graben lasse. Wegen des Wasser,Mangels wäre das beste Hülff-Mittel/ daß man dasSchnee und Rgen-Wasser/welches Winters-Zeitzu fallen pfleget/ fleissiq aufbehalten möchte. Wannman im Sommer - Quartal säen will/ so muß es «mHeu-oder Augustmonat geschehen/ wann der Mondim Wachsn oder Zunehmen ist. Will man aber imHerbst saen/ so thue mans allwegen im Hetbst undWeinMnat. So man dann zur Frühlings-Zeit sä-et/so niuß es im Hornung und Mertzen geschehen.Aber in kalten / frostigen / und rauhen Ländern undOrten/da die Sonnen-Strahlen nicht zu hitzig nochzu starrte scheinen/ solle allezeit die Frühlings-Saatspat/ hergegen d-eHerbst-Saar desto früher geschehen;Also im Gegentheil soll man in warmen und heissenLän-dern mit der Sa ina i>n Frühling eylen; Zur Herbst-Zeit kerentgegen etwas säumig und desto später bestel-len lassen. Aller Saamen geräth jedes mahl besser /wann er bey temperirter oder mittelmässig - warmerZeit/ als bey frostig-oder allzu hitzig und durrer Zeit ge-säet wird.

z. Folgende Krauter/als Kvchl-Spinat/we ßWegwart/ oder Cichori/ Knoblauch/ Lauch / undZwiebeln sollen im Herbst gesäet werden /, dann sie mö-gen dieKalte wol dulten und erleiden. Nachfolgendeaber / als Kohl/ Senff/Kreß/Coriander/Mör-odergelbe Rüben / teck-Ruben oder Pfeiter-Rüblein /weiß und rothe Rüben/Rettich/Pererlein/ Fenchel/und anderedergkichen mehr/ welcher Wurtzeln undKraut man in täglichen Suppen/oder sonst in der Kü-che und zur Speiß gebrauchen kan/mögen so wol imHerbst als Frühling gesäet werden. Sie gerathen aberallezeit viel besser/wann man sie an warmen und heis-fen Orten im Heumonat/ m temperirten und Mittel-massigen im Augustmonat / in kalten und frostigen a-berim Hsrbstmonat säst. Lattich/ Sauerampffer /

meisten Kuchen-Kräuter/sonderlich aberwas in dem Erdreich wachsen und starckeWurtzeln gewinnen soll / müssen um dasne ie Liecht aesäer werden: welche Regul bey Rüben/Rettich/ Pastenach und dergleichen mehr zu beobach-ten ; Hcrgegen/ was über der Erden in Kraut/ Sten-gel und Frucht wachsen soll/als Köhl/Kraut/ Erbsenund dergleichen / muß um das volle Lischt gesäet undgepflantzet werden. ^5>onst ist eine allgemeine Regul/daß die meisten Küchen Kräuter und Gewächse wollenim zunehmenden Monden/ und zwar von dem erstenTag/ biß an dem sechsten/ gesäet / dergleichen auch ver-pflantzet/ oder versetzet werden; Dann / welche Kü-chen-Kräuter oder Gewächse im abnehmenden Mon-den gesäet werden/die wachsen entweder langsam/oderschlagen gar um/werden untüchtig und verderben.Zudem geschieht es auch offr und viel / ohnangesehen/ daßder Saamen/welcher im zunehmenden Mond gesaetworden/ auch noch über das an sich selbst gut/schön/dick/vollkommen/auch innwendig weiß/nicht verlegennoch verdorben ist: Jedennoch/so ein böseroderwidrige (.onttcliition vorgehet/solche gleichwolverursachet/ daß solcher Saamen nicht zunehmen/wachsen/und wie er soll/über sich kommen will.

Wiewohl nun zwar einige mit ?aii^io wi-driger Meynung sind/als welcher will / daß das Erd,reich / welches an sich selbst gut/ auch milde und gelin-de Lusst hüt / und zu dem mit guten springendenBronnen-Wasserlein befeuchtet und besprenget wi^d/von sich selbst gut und fruchtbar sey/und dahero keinersonderbaren Lehr oder Regul / wie man sich im Säenzu verhalten habe/ gebrauche. Doch gleichwol / kön-nen uns keine Feld-und Garten-Verständige vernei-nen/ sondern müssen vielmehr folgende zwey Stückebekennen und zugeben: Erstlich: daß alles das jenige/was gesaer oder gepflantzet wird/zwey äusserlich« Din-ge hab?: das eine ist die Wurtzel/welche mit demErd-reich ihre Gemeinschafft hat: das andere aber ist derStengel samt dem Kraut oder Laub/welches auch sei-ne eigne Luffr und der Planeten lr.kucm? oderHim-mels-Lauff hat. Für das andere / so müssen sie auch /als vernünffrig/bekennen und zulassen die Oblervanv-ncs oder Bemerckungen der Himmlischen Cörper/was derselben Aufsteigen/Lauff und Ruckgang / Zu-sammenfügung m/und Gegenschein / deßgleichen auchgesechsten -gevierten - und gedritten - Schein betrifft;Nicht weniger müssen sie auch Statt finden lassen denLauffund die Gestalt des Mondes/als welche alle ihresonderbare Würckung haben/ und das jenigs / so imErdreich verborgen lieget/Herfür bringen/deßgleichenauch was gewachsen ist / alles durch ihre Himmlische

Burtzel-